CFP 02.04.2026

Expressionismus 25/2027: Zirkus

Eingabeschluss : 01.06.2026

Kristin Eichhorn

Herausgegeben von Kristin Eichhorn und Hans Richard Brittnacher.

Mit „Sturz und Schrei“ ist die erste von vier Abteilungen überschrieben, mit der Kurt Pinthus’ berühmte Anthologie „Menschheitsdämmerung“ 1919 eine lyrische Bestandsaufnahme des Expressionismus vorgelegt hat. Sturz und Schrei sind als metonymisches Begriffspaar bestens auch zur Charakteristik der Sensationswelt des Zirkus geeignet, die den Zauber einer ‚exotischen‘ und märchenhaften Welt inszeniert, in der Artist:innen mit halsbrecherischen Kunststücken ihre Haut zu Markte tragen.

Gedichte des Expressionismus haben der Lebenserfahrung von Gaukler:innen, Dompteur:innen und Vagant:innen im Zelt oder im Varieté Ausdruck verliehen, Autor:innen wie Else Lasker-Schüler, Frank Wedekind und Max Brod besuchten eifrig die Zirkusse, begleiteten sie oft sogar auf ihren Tourneen. Maler:innen wie Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann oder George Grosz nützten die Welt von Zirkus, Manege und Varieté zur Reflexion über die Möglichkeiten der Ästhetik. Der frühe Film mit seiner Neigung zu Sensationen fand im Zirkus einen erbitterten Rivalen. Kurzum: Spätestens seit dem Expressionismus ist der Zirkus als herausgehobener Ort künstlerischer Selbstreflexion etabliert. Das Programm des Dada ebenso wie Marc Chagalls und Pablo Picassos Malerei wären ohne die Welt des Zirkus, der Harlekins und der Akrobat:innen unvorstellbar. Die für den Expressionismus charakteristische Spannung zwischen Vitalismus und Untergangssehnsucht verhilft dem Glanz und dem Elend der Zirkuswelt, die bis dahin ein eher marginales Dasein in der (deutschen) Literatur führten, zu exzeptioneller Bedeutung.

Das Heft möchte dem Thema Zirkus im Expressionismus in all seinen Dimensionen Raum geben. Beiträge können sich Einzelstudien widmen oder auf einer grundsätzlichen Ebene den Grundlagen der Attraktivität des Themas Zirkus nachgehen. Ist der Zirkus Abbild einer ‚anderen Welt‘, kommen auch performatorische und soziale Aspekte in den Blick, genauso das Verhältnis von Mensch und Tier. Erbeten sind Beiträge, die sich dem Thema in den verschiedenen Künsten – in der Literatur, in den bildenden und darstellenden Künsten und im Film – widmen.

Abstracts zu diesen, aber gerne auch anderen thematisch einschlägigen Aspekten von nicht mehr als 2.000 Zeichen senden Sie bitte bis zum 1. Juni 2026 an eichhornneofelis-verlag.de und brittnacher21aol.com.Dem Programm der Zeitschrift entsprechend sind auch Texte zu Autor:innen und Künstler:innen willkommen, die bislang eher an der Peripherie der (akademischen) Wahrnehmung lagen. Zudem werden unabhängig vom Thema des Hefts auch immer Vorschläge für Rezensionen oder Diskussionsbeiträge zu aktuellen Forschungsdebatten entgegengenommen, die Phänomene der aktuellen Expressionismus-Rezeption vorstellen und besprechen. Die fertigen Beiträge sollten einen Umfang von 20.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen und Fußnoten) nicht überschreiten und sind bis zum 1. Dezember 2026 einzureichen. Das Heft erscheint im Mai 2027.

Da es sich um eine wissenschaftliche Publikation handelt, ist leider keine Vergütung der Beiträge möglich.

Quellennachweis:
CFP: Expressionismus 25/2027: Zirkus. In: ArtHist.net, 02.04.2026. Letzter Zugriff 03.04.2026. <https://arthist.net/archive/52129>.

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