CFP 31.03.2014

Von der Mittelbarkeit und Mitteilbarkeit des Materiellen (Gießen, 27-29 Nov 14)

Justus-Liebig-Universität Gießen, 27.–29.11.2014
Eingabeschluss : 27.04.2014

Annette C. Cremer, GCSC UNI Giessen

International Workshop (deutsch/ englisch)
Das unbedingte Objekt? Von der Mittelbarkeit und Mitteilbarkeit des Materiellen.

Objekte treten uns oft nicht in ihrer dreidimensionalen Körperlichkeit gegenüber, sondern in medial vermittelter Form von Bildern, Fotos, Filmen, Beschreibungen oder in literarischen Texten, in Datenbanken, als Konstruktionszeichnung, als Digitalisat oder holografische Rekonstruktion. Die Photographie, der literarische Text oder auch die wissenschaftliche Abhandlungen bilden nicht nur Versuche des Feststellens und der Ausdeutung – kurz: des ‚Zur-Anwesenheit-Bringens‘ – einer vorgefundenen Gegenständlichkeit, sondern in ihrer Repräsentationsfunktion treten sie selbst als Präsenzobjekte in Erscheinung. Die mediale Brechung markiert die Möglichkeit wie die Grenze der Mitteilbarkeit des Objekts. Das ursprüngliche Ding verliert seine Körperlichkeit und seine sachliche Materialität, zugleich wird es gerade auf diesem transformatorischen Umweg bewahrt, vergegenwärtigt, symbolisch aufgeladen, medial verschleiert und in einem ideellen Wirklichkeitsraum fortgeführt. Die materielle Widerständigkeit wird hierin auch immer zugunsten einer Ausdehnung der Präsenzmöglichkeiten des Objekts aufgegeben: Das Objekt erscheint unbedingt.
Im Zentrum der interdisziplinären Tagung steht die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen eben dieser medialen Fraktur der materiellen Substanz des Objekts. Augenmerk wird auf unterschiedlichen Modi der Transformation von Gegenständlichkeit und der medialen (Sur-) Realisierung von Dingen liegen, sei es in künstlerischer oder literarischer Gestalt, in wissenschaftlichem oder kommunikations-technologischem Gewand oder auch in Form von Historisierung und Musealisierung.
Forschung mit, über und durch Objekte sieht sich also einem grundlegenden Problem gegenüber: Wir befassen uns je nach disziplinärer Ausrichtung mit Dingen oder Themen anhand von Repräsentationen, nicht mit den Dingen selbst und müssen uns konfrontieren mit den besonderen Bedingungen und den Aussagemöglichkeiten, dem Potenzial jedes einzelnen Mediums. Die sich hieraus ergebenden epistemologische und methodologische Spannung wirft Fragen nach dem Verhältnis von Objekt, Materialität und Medialität auf. Entsprechend wäre zu hinterfragen, in welcher Weise die mediale Brechung in unsere Erkenntnisprozesse eingeht und ob diese in den Fragen, die wir als Forschende stellen, bereits hinreichend perspektiviert werden. Dieses Spannungsfeld fordert zu einer transdisziplinären Betrachtung auf, welche sich dezidiert aus der Perspektive der Material Culture Aspekten von Reproduktion und Differenz, von Simulation und Dissimulation, von Nachahmung und Aneignung widmet.
Wir laden Beiträge ein, die sich diesen Fragekomplexen theoretisch oder empirisch annähern. Augenmerk kann hierbei sowohl auf ästhetischen (Re-) Aktivierungen des Objekts liegen, auf alltagsweltlichen Aneignungspraktiken oder auch auf wissenschaftlichen Repräsentations-formen, also auf den diversen Kulturtechniken der (Re-) Konstruktion der Faktizität des Artefakts. Von Interesse wäre ebenfalls die Rezeptionskette Objekt-Medium-Betrachter/Forscher, sowie der Einfluss von medial vermittelten Objekten auf das Generieren von Fragen, auf den Forschungsprozess und sein Ergebnis.

Der Workshop wird begleitet von einer Masterclass und Keynote von Victor Buchli, University College London.
Die Publikation der Beiträge ist geplant.

Nachfragen und Vortragsvorschläge (deutsch/ englisch) von max. 300 Wörtern bis zum 27. April werden erbeten an: annette.cremergcsc.uni-giessen.de

Leitung und Organisation:
Dr. Jens Kugele, Dr. Alesya Krit, Dr. des. Veronika Zink (GCSC)
Dr. Annette C. Cremer (Institut für Geschichte)
JLU Gießen

Der Workshop ist Ausdruck der Kooperation des Forschungszentrums Gotha der Universität Erfurt mit dem Graduate Centre for the Study of Culture der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Das Forschungszentrum Gotha für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien ist eine zentrale Einrichtung der Universität Erfurt. Untergebracht im Gothaer Schloss Friedenstein steht es in engem Kontakt zur dortigen Forschungsbibliothek, einer der bedeutendsten Frühneuzeit-Bibliotheken Deutschlands. Es versteht sich in dieser Anbindung als Forschungszentrum für Frühneuzeitforschung und hat die besondere Aufgabe, auf der Grundlage der Bestände der Forschungsbibliothek Konferenzen und Vorträge zu organisieren sowie als Plattform für Stipendiaten, Gastwissenschaftler und Forschungsprojekte zu dienen.
http://www.uni-erfurt.de/forschungszentrum-gotha/

Das im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder geförderte International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) der Justus-Liebig-Universität Gießen bietet eine strukturierte kulturwissenschaftliche Doktorandenausbildung in drei Jahren. Mit einem exzellenten forschungsintensiven Umfeld, einem zielgruppengerechten Promotionsprogramm und einer intensiven persönlichen Betreuung bietet das Graduiertenzentrum optimale Promotionsbedingungen und eine maßgeschneiderte Vorbereitung auch auf die Zeit nach der Promotion, sowohl für wissenschaftliche als auch außeruniversitäre Karrieren.
http://gcsc.uni-giessen.de/wps/pgn/home/gcsc_eng/

Quellennachweis:
CFP: Von der Mittelbarkeit und Mitteilbarkeit des Materiellen (Gießen, 27-29 Nov 14). In: ArtHist.net, 31.03.2014. Letzter Zugriff 03.04.2026. <https://arthist.net/archive/7342>.

^