Museen zwischen Fakten und Fiktion: Fake News, KI und die Vermittlung von Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa.
Veranstalter: Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (Oldenburg), in Kooperation mit dem Museum Europäischer Kulturen – Staatliche Museen zu Berlin.
Museen sind Orte der Bewahrung, Interpretation und Präsentation von (im)materiellen Kulturgütern. Sie eröffnen Vermittlungs‑ und Verhandlungsräume und sind zentrale Akteure im Transfer von Wissen und Erinnerung. Dieser Transfer erfolgt nicht mehr nur über Sammlungsobjekte und Ausstellungsprojekte, sondern zunehmend auch mittels digitaler Plattformen, partizipativer Formate und transkultureller Netzwerke, die Prozesse kollektiver Erinnerung neu strukturieren können (Assmann 2012). Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf, wie Museen die Potenziale neuer technischer Entwicklungen sinnvoll und reflektiert integrieren können (Fuchsberger 2025). Hierfür stehen ihnen heute eine Vielzahl neuer Interaktions- und Partizipationsformen zur Verfügung (Thiel 2023; Gasser 2023): Digitale Technologien – von KI bis VR – erweitern die Möglichkeiten innovativer und barrierearmer Vermittlung.Zugleich gehen mit der digitalen Öffentlichkeit Risiken einher: Der virtuelle Raum ist auch ein Ort von Fake News, KI-generierten Bildern und anderen Formen der Desinformation. Museen tragen hier als Wissensinstitutionen mit hohem gesellschaftlichen Ansehen (Grotz, Rahemipour 2024) eine besondere Verantwortung. Als Akteure einer offenen Gesellschaft sensibilisieren sie für diese Gefahren und können einer Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken.
Die Tagung will die vielfältigen Dimensionen der Vermittlung von Wissen und Erinnerung in Museen vor dem Hintergrund neuer digitaler Technologien und KI-gestützter Vermittlungsformate beleuchten und interdisziplinäre Perspektiven auf dieses komplexe Feld bündeln. Im Fokus sollen die Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa stehen, ein Themenfeld der nationalen Erinnerungskultur, das zugleich die jahrhundertelange Verflechtungsgeschichte von Deutschland und seinen östlichen Nachbarn betrifft. Eingeschlossen sind die Shoa und der von Deutschland begonnene Vernichtungskrieg im Osten sowie, in Folge davon, Flucht, Vertreibung und (Spät-)Aussiedlung der Deutschen ab Herbst 1944. Die internationale Dimension ist hierbei zentral für eine gemeinsame, zukunftsgerichtete Aufarbeitung und Vermittlung.
Mögliche Fragestellungen sind:
- Wie können sich Perspektiven und Ausstellungsnarrative verändern, um Museen in (post)digitalen Zeiten für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen und Generationen attraktiv zu machen?
- Wie können Museen mit geschichtspolitischen Manipulationen oder Gedächtnislücken umgehen?
- Welche Erfahrungen haben Museen bislang beim Einsatz von digitalen Technologien und KI in der Vermittlung gemacht? Wo zeigen sich Mehrwerte, wo treten Probleme auf? Und wo wären zusätzliche Ressourcen erforderlich?
- Welche ethischen sowie praktischen Herausforderungen und Risiken sind mit dem Einsatz digitaler Technologien, etwa mit ‚KI‘-Assistenten, verbunden?
- Welche Funktion kommt Berichten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu, welchen Beitrag können digitale Technologien bei der Präsentation von Zeitzeugenberichten leisten?
- Wie können digitale Technologien und KI dazu beitragen, neue Stimmen in Erinnerungsdiskurse einzubringen? Welche partizipativen, digitalen Formate können den Dialog mit Besucherinnen und Besuchern anregen – auch über Generationen und Grenzen hinweg?
- Welche Projekte der KI-Medienkompetenzschulung gibt es in Museen – intern und extern?
- Welche Potenziale bieten digitale Infrastrukturen und KI-gestützte Werkzeuge für internationale Kooperationen und eine vielstimmige, pluriperspektivische Aufarbeitung der Vergangenheit?
Wir freuen uns über Beiträge zu neuen methodischen und theoretischen Ansätzen ebenso wie über Vorschläge, die das Zusammenspiel von Museen, Erinnerung und gesellschaftlichem Wandel aus der Museumspraxis beleuchten.
Einreichung
Senden Sie uns bitte einen Abstract Ihres Beitrages (nicht länger als 600 Wörter) und einen kurzen Lebenslauf bis zum 10. April 2026 per E‑Mail an: bkgebkge.bund.de.
Ausgewählte Beiträge werden als Vorträge (20 Min.) präsentiert. Kürzere Beiträge in Form von Fallbeispielen sind ebenfalls möglich (10 Min. Präsentation + 15 Min. Diskussion).
Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Reise- und Übernachtungskosten für die Vortra-genden werden vorbehaltlich der Gewährung von Haushaltsmitteln von den Veranstaltern übernommen.
Quellennachweis:
CFP: Museen zwischen Fakten und Fiktion (Berlin, 12-13 Oct 26). In: ArtHist.net, 11.03.2026. Letzter Zugriff 11.03.2026. <https://arthist.net/archive/51931>.