Interaktion im Museum II
Der Besucher im Fokus
Welchen Stellenwert haben interaktive Vermittlungsmodelle für den
Museumsbesucher? Welche Kunstbereiche können in solchen Projekten
zusammengeführt werden und welche Chancen, aber auch Risiken ergeben
sich daraus für die Vermittlungspraxis? Dies sind einige der Fragen, die
uns auf dieser Tagung begleiten und hoffentlich zu spannenden
Erkenntnissen für innovative Vermittlungsmodelle führen werden: Wir
freuen uns auf Debatten und Dialoge!
Neben Vorträgen, Projektpräsentationen und Workshops wird es für unser
Fachpublikum viel Gelegenheit geben, mit den Rednern zu diskutieren und
sich untereinander auszutauschen.
Preis € 45,- (ermäßigt € 30,-)
Weitere Informationen unter
www.kunsthalle-emden.de/bereich/kunst-aktiv/aktuelles
Programm
Donnerstag 2. Mai
Ankommen
Akkreditierung: 15.45-16.45 Uhr
17 Uhr
Begrüßung
Eske Nannen, Claudia Ohmert, Christoph Metzger
17.30 Uhr
Das Projekt Arte Centrico Havana und Museumspädagogik im Rückblick
Der Beitrag ist in drei Teile gegliedert, von Projektionen der Objekte
in der CANASTA CUBANA begleitet.
A KURZE GESCHICHTE der Bildungsarbeit in Museen/Ausstellungen in Ö
seit 1977, am Beispiel meiner persönlichen Erfahrung.
1 GALERIE - Leitung, Avantgarde, Leere. Brücke zwischen Kunst und
Öffentlichkeit fehlt
2 ENTWICKLUNG: ..das lebende museum.., Pädagogischer Dienst der
Bundesmuseen, Arbeit im Schatten, Broschüre "Kolibri flieg"
3 EDUCTIONAL TURN 2012 Tagung Luzern, Publikation Wien - offensive
Neuorientierung
B WAGEN WIR ... 11 Thesen zur Bildungsarbeit
C ARTE CENTRICO
Das Projekt wurde von Heiderose Hildebrand und Sara Hossein von Dezember
2012 bis April 2013 durchgeführt.
Im Laufe der Arbeit mit Schulklassen am MUSEO NACIONAL DE BELLAS ARTES,
ARTE CUBANO in Havanna, Kuba wurde der Chinesische Korb in LA CANASTA
CUBANA umgetauft.
Die Begleitforschung von Sara Hossein untersuchte die Wirkungsweise der
Gegenstände in der Canasta Cubana. Welchen Zuwachs an Erfahrungen,
Erkenntnissen in der Arbeit mit Kindern nach der Methode der Canasta
Cubana haben wir in einer uns nicht vertrauten Kultur erfahren?
Ergebnisse finden ihren Niederschlag in dem demnächst erscheinenden
Palmenbuch 2 , Hg. Heiderose Hildebrand und Sara Hossein in
Zusammenarbeit mit der Universität für Angewandte Kunst, Wien, 2013.
Heiderose Hildebrand
Kunstraum Haaauch, Klagenfurt
18.30 Uhr
Rundgang durch die Ausstellung "Emil Nolde. Maler Grafik" und Sammlung
der Kunsthalle
Ab 19.30 Uhr
Party im Loft mit Snacks
Team "Café Einstein"
3. Mai
Eintauchen
Akkreditierung: 08.15-08.30 Uhr
9 Uhr
Musik als ästhetisches Konzept. Vermittlung künstlerischer Inhalte als
Ausblick in die Zukunft
Die Auseinandersetzung mit musikalischen Phänomenen erfolgt mit dem Ziel
der Persönlichkeitsbildung durch Sensibilisierung in Form
differenzierten Hörens und praktischen Gestaltens nach eigenen
Kriterien, verstanden als Kreativität aufgrund ästhetischer
Rationalität. Wahrnehmung und Gestaltung musikalischer Phänomene sollen
dargestellt werden als Anteile des Ästhetischen in Bildungskontexten mit
Dominanz der ästhetischen Rationalität als Eigenwert neben der Funktion
des Ausgleichs durch ästhetische Bildungsangebote oder des Bewirkens von
Transfereffekten durch künstlerische Aktivitäten.
Prof. Dr. Josef Kloppenburg
Musikwissenschaft und Musikdidaktik an der Pädagogische Hochschule
Karlsruhe
10 Uhr
Ich bin es, die sagt: Ich bin da" - Radiokunst: Interaktion und
Vermittlung in medialen Räumen
Unter "Radiokunst" versteht man ein vielfältiges mediales Feld, in dem
Künstlerinnen und Künstler Arbeiten mit, im und für das Radio produziert
haben. Es sind künstlerische Werke, die über Radiosender oder
Internetradio veröffentlicht werden. Anhand von Beispielen werden die
künstlerischen Strategien von Radiokunst näher erläutert. Radiokunst
trägt selbst immer schon ein interaktives Moment der Vermittlung in
sich. Es geht um die Frage, wie sich die Vermittlungspotentiale der
Radiokunst auf Vermittlungskonzepte von Radiokunst innerhalb und
außerhalb des Museums transformieren lassen. Der Vortrag und Workshop
bezieht sich auf Erkenntnisse, die zurzeit in einem dreijährigen
Forschungsprojekt zur Radiokunst, mit dem Titel: Radiokunst: "Zur
Entwicklung eines Mediums zwischen Ästhetik und sozio-kultureller
Wirkungsgeschichte" erarbeitet werden. (Kooperationspartner: Uni Bremen,
Studienzentrum für Künstlerpublikation, Museum Weserburg Bremen und
Universität Köln). Ein Ergebnis dieser Forschungskooperation ist u.a.
die Ausstellung: "Kunstradio - Radiokunst", die bis 12.5.2013 im Museum
Weserburg zu sehen ist.
Prof. Dr. Maria Peters
Universität Bremen, Studiendekanin Kulturwissenschaften
11 Uhr
geräusch[mu'zi:k] - musikpädagogische Projekte zu experimenteller Musik
mit Alltagsgegenständen
Experimentelle Musik, Geräusche und ungehörte Klänge gehören längst zu
unserem Alltag - von den polyfonen Arrangements der Populärmusik über
den klassischen Geräuschemacher beim Trickfilm bis zum Soundscape der
Großstadt bilden sie den akustischen Hintergrund unserer Umwelt. Das
Hören und aktive Experimentieren mit Klängen hilft, die bewusste
Wahrnehmung zu schärfen und dieses einfache und faszinierende Medium als
kreatives Material zu begreifen und zu nutzen.
geräusch[mu:zík]
Daniela Fromberg u. Stefan Roigk, Bildende Künstler, Berlin
12 Uhr
Mittagsimbiss
13 Uhr
Workshops
1. Vermittlung von Radiokunst:
Anhand eigener, experimenteller Erfahrungen mit ausgewählten
Radiokunst-Stücken werden Methoden der Vermittlung von Radiokunst und
ihre Reflexion entwickelt und diskutiert. Jede Teilnehmerin und
Teilnehmer ist gebeten, ein Aufnahmegerät (d.h. Handy mit Aufnahme- und
Abspielfunktion oder Diktiergerät mit Abspielfunktion) mitzubringen.
Bitte bringen Sie darüber hinaus auch ein Abspielgerät für mp3 Dateien
zum Workshop mit (Handy mit Kopfhörern oder mp3 Player mit Kopfhörern).
Zum akustischen Stöbern in Radiokunstwerken ist die homepage des
"Kunstradio-Radiokunst/ORF" eine wirkliche Fundgrube:
http://alien.mur.at/rax/BIO/
Prof. Dr. Maria Peters
2. geräusch[mu'zi:k] - Praxiswerkstatt mit Projektbeispielen.
Die beiden Klang-Künstler sensibilisieren die Teilnehmer für
Klangqualitäten und akustische Phänomene von Umweltgeräuschen und
Alltagsgegenständen.
In praktischen Beispielen geben sie Anregung zur Forschung und zeigen,
wie man die gefundenen Klänge auf einfache Weise mit Hilfe von Spielen,
Zeichnungen, Notationen oder einem Dirigenten strukturieren kann.
Daniela Fromberg und Stefan Roigk
3. Musik als ästhetisches Konzept
Auf der Basis sinnlicher Erkenntnis durch Hören und Sehen für das
Vorstellungsvermögen werden die Beispiele »Performance« am Beispiel
»Musik bewegt sich im Raum« von Diether de la Motte, Komposition und
Musikbearbeitung mit Musiksoftware sowie Struktur und Funktion von Musik
im Spielfilm erläutert und im Workshop in aktiver Mitwirkung erprobt,
nach eigenen begründeten Kriterien verändert und diskutiert.
Prof. Dr. Kloppenburg
14.30 Uhr
Von Helden und Unterwelten -
Gedanken zur Partizipation im Spannungsfeld zwischen Kurator und
Museumsbesucher
Partizipation im Sinne von bürgerschaftlicher Beteiligung hat im
LWL-Industriemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe Tradition.
Exponat-Aufrufe, Zeitzeugeninterviews, Beteiligung ehemaliger
Betriebsangehöriger an der Restaurierung von Maschinen oder an Vorführ-
und Schaubetrieben sind Eckpfeiler der Aufbauarbeit gewesen.
In den letzten Jahren drängt die Partizipation` auch zunehmend in die
Ausstellungspraxis, Bildungs- und Vermittlungsarbeit. Sie verspricht -
angesichts des demografischen Wandels - die Mobilisierung neuer
Besuchergruppen, öffnet das "Museum als Forum" (Michael Parmentier) und
wird nicht zuletzt u.U. kulturpolitisch mit Fördermitteln belohnt.
Am Beispiel der Großausstellungsprojekte "Helden" (2010) und "Über
Unterwelten" (2014) stellt der Vortrag vor, welchen Herausforderungen
sich Museumspädagogen, Kuratoren und Gestalter, vor allem aber
Museumsbesucher gegenüber sehen, wenn Partizipation zur Leitlinie einer
Ausstellung erklärt wird.
Anja Hoffmann
Vorsitzende Bundesverband / Muspäd. / LWL-Industriemuseum Dortmund
15.30 Uhr
Kaffeepause
16.00 Uhr
Wir machen Museum! "Frankfurt Jetzt!" und das Stadtlabor
Partizipative Museumsarbeit steht derzeit hoch im Kurs. Auch die
Neukonzeption des historischen museums frankfurt fußt auf partizipativen
Grundsätzen. Sie steht im Zusammenhang mit umfassenden
Sanierungsarbeiten und einem großen Museumsneubau. Bis zur
Wiedereröffnung 2016 wird ein neues Museumskonzept entwickelt. Das
Fachmuseum für Geschichte wandelt sich zu einem Stadtmuseum für
Frankfurt. Die aktuellen Themen der Stadt, die reiche Stadtgeschichte
aber auch ihre Zukunftsperspektiven sollen hier präsentiert und
diskutiert werden. Im Mittelpunkt meiner Ausführungen steht das
partizipative Ausstellungsformat Frankfurt Jetzt! mit dem Stadtlabor.
Gemeinsam mit 700.000 Frankfurt-Experten werden Ausstellungen
entwickelt, die das Erfahrungswissen und Erleben der Stadtbewohner
abbilden. Ich stelle die ersten Stadtlabor-Ausstellungen vor, um diese
partizipativen Prozesse zu veranschaulichen. Weiterhin präsentiere ich
zwei feste partizipative "Einrichtungen" von Frankfurt Jetzt!, zum einen
die Bibliothek der Alten, ein Kunstprojekt und "offenes Archiv". Hier
werden bis zum Jahr 2105 unterschiedliche, individuelle Perspektiven in
150 Beiträgen von Frankfurtern zusammen getragen.
Zum anderen stelle ich unsere Idee zu dem noch zu entwickelnden großen
partizipativen künstlerischen Stadtmodell vor, das neben der gebauten
auch die gelebte Stadt und den sozialen Raum abbilden wird.
Susanne Gesser
Historisches Museum Frankfurt
17 Uhr
Tanzend und jodelnd zur Kunst
Chancen interdisziplinärer Zusammenarbeit für die Kunst-Vermittlung
Die Zusammenarbeit mit Kunstschaffenden verändert die Vermittlungspraxis
am Aargauer Kunsthaus. An Beispielen zeigen sich die Bedeutung dieser
Zusammenarbeit, sowie ihre Chancen und Herausforderungen.
Seit 2004 erprobt die Kunstvermittlung die Zusammenarbeit mit
Kunstschaffenden unterschiedlicher Sparten. Einblicke in die
Vermittlungsarbeit in London bestärkten uns darin. Seither haben wir im
Rahmen von Jahresthemen mit einer Zeichnerin zusammengearbeitet, mit
Improvisationsmusikern und aktuell mit Tänzerinnen und Schauspielern.
Diese Partner erschliessen in Ausstellungsbesuchen mit Kindern,
Lehrpersonen und Sehbehinderten neue Wege zur Kunst: bewegte, klingende,
gestische - und schaffen damit Alternativen zu einer sprachlich-kognitiv
dominierten Kunstvermittlung.
Eine andere Bedeutung hat die Zusammenarbeit mit Kunstschaffenden vor
oder gar an ihren eigenen Werken. Künstlerresidenzen an Institutionen
eröffnen neue Möglichkeiten der Partizipation. Ausgehend von ersten
Erfahrungen entsteht eine Vision für die Zukunft.
Jeannine Hangartner
Aargauer Kunsthaus
18 Uhr
Podium / Fishbowl
Heiderose Hildebrand,
Anja Hoffmann,
Susanne Gesser,
Jeannine Hangartner
20 Uhr
Interaktive Aktion im Loft plus Workshoppräsentation
Studierende der HBK Braunschweig
4. Mai
Wegschwimmen
9 Uhr
Ergebnisse der BKM-Befragung
Irene Appelhagen
Sozialwissenschaftlerin M.A., Kunsthalle Emden
9.30 Uhr
Simulation als Werkzeug partizipativer Vermittlung
Claudia Ohmert,
Kunsthalle Emden, Leiterin der Museumspädagogik
10.30 Uhr
Museumsarchitektur - Partizipation
Bauliche Voraussetzungen und Vermittlung künstlerischer Prozesse weisen
seit den späten 1970er-Jahren international einen dramatischen Wandel
auf. Neo-expressive architektonische Formen treten in Konkurrenz zu
präsentierten Kunstwerken. Grundrisse des Centre Pompidou, Paris, (1977)
des Guggenheim Museums-Bilbao (1997) und des Jüdischen Museums, Berlin
(2001) werden exemplarisch diskutiert, um die These zu untermauern.
Verhältnisse von Besucher, künstlerischer Kreativität und Vermittlung
stehen auf einem historisch neuen Prüfstand.
Prof. Dr. Christoph Metzger
Hochschule für Bildende Künste Künste Braunschweig
11.30 Uhr
Pause
12 Uhr
Einlassen/Zulassen/Loslassen.
Kooperative Museumsarbeit mit (potenziellen) Besuchern
Die aktive Einbeziehung von Museums-besucherInnen erfährt momentan in
deutschen Museen einen neuen Aufschwung. Anders als etwa in den
zuvorderst emanzipatorischen Vorstößen der 1970er erscheint die
‚Partizipationslandschaft’ heute sehr viel breiter und bisweilen
verwirrender: Flaches Entertainment, klassische Museumspädagogik in
neuem Gewand sowie schlaue Image- oder Werbekampagnen mischen sich mit
emanzipatorischen und institutionskritischen Ansätzen - ohne, so scheint
es, manchmal selbst zu wissen, wo die Reise eigentlich hingehen soll.
Im Vortrag werde ich das Phänomen ‚Partizipation’ genauer beschreiben
und anreißen, welche Herausforderungen dies an Museen und
MitarbeiterInnen sowie an (potenzielle) Teilnehmende stellt. Ich gehe
der Frage nach, unter welchen Bedingungen sich Kooperationsprojekte
erfolgversprechend entwickeln können, was überhaupt als ‚Erfolg’
anzusehen ist und worin die Potenziale von Partizipation liegen.
Anja Piontek
Doktorandin, Universität Bremen
13 Uhr
Abschlussdiskussion
Alle Referenten
Gegen 14.30 Uhr
Ende
Quellennachweis:
CONF: Interaktion im Museum (Emden, 2-4 May 13). In: ArtHist.net, 25.04.2013. Letzter Zugriff 06.04.2025. <https://arthist.net/archive/5180>.