CONF 17.12.2023

Kitsch als Kunst und Kunst als Kitsch (Kiel, 18-20 Jan 24)

Muthesius Kunsthochschule, Legienstraße 35, 24103 Kiel, 18.–20.01.2024

Maike Schulken

Kitsch als Kunst und Kunst als Kitsch.
Kitsch, Kunst und Populärkultur. Zu einer Geschichte ideologischer Verwirrungen.

Organisiert von Norbert M. Schmitz.

Kunstsinnige Apologeten der High Art verwechseln in ihrer Negation der Populärkultur dieselbe oft mit dem Kitsch. Hochkunst, Kitsch und Populärkultur sind zwar sämtlich unterschiedliche Bereiche, doch jedes Artefakt gleichermaßen der Hoch- wie der Populärkultur ist prinzipiell einer ‚Verkitschung‘ zugänglich, einem System, das ein eigenes Subsystem der visuellen Kommunikation darstellt. Alle drei Bereiche müssen als dynamische Größen verstanden werden, die Bestandteil ein und derselben Dynamik der Ausdifferenzierung der Systeme neuzeitlicher Kultur sind. Das Symposion will gleichermaßen diese Kategorien beleuchten wie auch auf ihre ideologischen Implikationen der Denunziation, beispielsweise des Kinos als Kitsch, durch Vertreter der etablierten Hochkunst untersuchen. Wenngleich die Frontlinien in Zeiten der Pop-Art und einer ‚Entgrenzung der Künste‘ scheinbar durchlässigwurden, sind solche Diskursfiguren wirksam wie eh und je. Kitsch ist wandelbar, und prinzipiell jedes ästhetische Objekt, also auch die Kunst der Avantgarde, ist so sehr ‚verkitschbar‘, wie umgekehrt seit Duchamp alles ‚kunstwürdig‘ ist. Und ausgerechnet dessen Flaschentrockner erfährt in Gestalt mehrerer ‚Originalrekonstruktionen‘ ehrfürchtige Unterwerfung. Was also ist heute Kitsch und welche Funktion hat er? Mit dem Geschmacksurteil über den Kitsch verhält es sich also ebenso wie mit jedem anderen ästhetischen sensus communis: Man kann ihn dekonstruieren, soziologisch analysieren, ästhetisch provozieren, aber am Ende sind wir doch immer auf irgendeine Art zu einem Werturteil gezwungen. In diesem Sinne ist der Wert des Kitsches der eines eigentümlichen Erkenntnisinstruments der Kunstanalyse.

DONNERSTAG, 18.1.2024
16:30 Uhr Dr. Arne Zerbst:
Grußwort des Präsidenten der Muthesius Kunsthochschule

17:00 Uhr Prof. Dr. Norbert M.Schmitz:
Einführung: Kitsch als Kunst und Kunst als Kitsch

17:30 Uhr Dr. Harald Stübing:
Eröffnungsvortrag: Kitsch: ein klebriger Kobold

19:00 Uhr Dr. Martin Kirves:
„Kitsch!“ als Kampfbegriff oder Die Erschießung des röhrenden Hirschen

FREITAG, 19.1.2024

10:00 Uhr V-Prof. Dr.-Ing. Gernot Weckherlin:
Die röhrenden Hirsche der Architektur, eine aussterbende Art?

11:30 Uhr Dr. Andreas Strobl:
Saurer Kitsch im avantgardistischen Gewand

14:00 Uhr Norbert M. Schmitz:
Kitsch, Kunst und Populärkultur. Zu einer Geschichte ideologischer Verwirrungen

15:30 Uhr Charlotte Bolwin:
Zwischen Kunst und Kitsch: Naturbildlichkeit und digitale
Ästhetik in Projekten zeitgenössischer Medienkunst

17:00 Uhr Rabea Ridlhammer:
Lustwandeln auf klebrigen Spuren: Serviervorschlag für einen süßen Cocktail aus Kitsch, Cuteness und kollektiver Praxis

SAMSTAG, 20.01.2024

10:00 Uhr Dr. Elena Korowin:
Zwischen Avantgarde und Kitsch

11:30 Uhr Dr. Michael Gehlmann:
Die kitschige Rede vom Kitsch. Zum Ideologieverdacht des musikalischen Kitsch-Begriffs

Quellennachweis:
CONF: Kitsch als Kunst und Kunst als Kitsch (Kiel, 18-20 Jan 24). In: ArtHist.net, 17.12.2023. Letzter Zugriff 05.04.2026. <https://arthist.net/archive/40856>.

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