CFP 19.12.2022

Zum Menschenbild der Villa Beer von Josef Frank (Wien, 12-13 May 23)

Wien, Villa Beer, 12.–13.05.2023
Eingabeschluss : 15.02.2023

Prof. Dr. Martin Düchs

Eine menschliche Moderne. Zum Menschenbild der Villa Beer von Josef Frank.

Interdisziplinäres Symposium 12.-13. Mai 2023, Wien: Villa Beer
New Design University St. Pölten und Villa Beer Foundation

Thema
Die in den Jahren 1929-31 errichtete Villa Beer in Wien darf nach Meinung führender Experten als „das wohl bedeutendste Beispiel Wiener Wohnkultur der Zwischenkriegszeit“ (F. Achleitner) gelten. Josef Frank wiederum, der den Bau gemeinsam mit Oskar Wlach errichtete, war nicht nur ein hervorragender Architekt und Gestalter, sondern auch ein gewitzter und hochgebildeter Theoretiker und wird – ebenfalls nach Meinung führender Experten – zu den „[…] bedeutendsten österreichischen Architekten des 20. Jahrhunderts [gezählt]: Nicht nur aufgrund seiner Bauten, Projekte und urbanen Planungen, sondern auch wegen seiner Entwürfe für Möbel, Gebrauchsgegenstände und Textilien - und schließlich wegen seiner theoretischen Erfassung der Gestaltungsfragen überhaupt.“ (H. Czech und S. Hackenschmidt)
Sowohl die praktischen Arbeiten als auch seine theoretischen Positionen zeichnen sich dabei durch das Fehlen ideologischer oder polemischer Übertreibungen aus. Mit dem Schlagwort des Akzidentismus betont er im Gegenteil für seine Entwurfshaltung den Wert des Alltäglichen, „Normalen“ und „Selbstverständlichen“. Vielfach wird seine Architektur daher als besonders „menschlich“ empfunden und so bezeichnet, ein Urteil, das Josef Frank wohl als Kompliment aufgefasst hätte.
Allerdings fordert das Urteil, das eine Architektur als besonders „menschlich“ auszeichnet, geradezu dazu auf nachzufragen, welches Menschenbild und welche philosophischen Überzeugungen des Entwurfsverfassers hier zu finden sind. Genau bei dieser Frage scheinen sich im Fall von Josef Frank und der Villa Beer allerdings in der Literatur bis dato nur wenige Antworten zu finden. Das ist erstaunlich, weil die Villa Beer bereits vielfach besprochen und mit eigenen Symposien untersucht wurde, allerdings bis dato eben weitgehend aus kunsthistorischer nicht aber aus architekturphilosophischer Sicht.
Eine derartige Untersuchungsperspektive wäre aber durchaus interessant, da für Josef Frank sicher anzunehmen ist, dass er mit aktuellen philosophischen und ggf. auch philosophisch-anthropologischen Theorien der Zeit in Berührung gekommen ist. Sein Bruder, der Philosoph, Mathematiker und Physiker Philipp Frank, war Mitglied des Wiener Kreises und Josef Frank selbst hat wohl zumindest einmal auch im Wiener Kreis vorgetragen. Zudem ist die Frage nach dem „neuen Menschen“ eine, die nicht nur in der Philosophie, sondern auch in der Architektur der Zeit breit diskutiert wird. Von Ludwig Mies van der Rohe ist beispielsweise bekannt, dass er als Direktor des Bauhauses Helmuth Plessner, einen der führenden Vertreter der Philosophischen Anthropologie, gleich mehrfach zu Vorträgen einlädt. Darüber hinaus studiert er intensiv einschlägige Literatur, z.B. Max Schelers berühmtes Buch „Die Stellung des Menschen im Kosmos“. Last but not least steht die kurz vor der Villa Beer von Ludwig Wittgenstein errichtete Villa ebenfalls in Wien und dürfte kaum der Aufmerksamkeit von Josef Frank entgangen sein.
Ob und wie Josef Frank in den 1920er und den beginnenden 1930er Jahren mit der Philosophie seiner Zeit in Berührung gekommen ist und wie diese Berührung ihn möglicherweise in seinen architekturtheoretischen und seinen philosophisch-anthropologischen Überzeugungen auch beim Bau der Villa Beer beeinflusst hat (oder eben nicht), ist das Thema eines wissenschaftlichen Symposiums, das vom 12.-13 Mai 2023 in Wien stattfindet. Das Symposium ist dabei explizit interdisziplinär angelegt und soll philosophischen, architekturhistorischen, architekturtheoretischen und architekturpraktischen Positionen Raum geben. Es geht also darum, das geistige bzw. philosophische „Klima“ zu rekonstruieren, in dem sich Josef Frank Ende der 1920er Jahre bewegt hat und zu klären wie ihn dieses möglicherweise beim Entwurf der Villa Beer beeinflusst hat.
Das Symposium wird in der Villa Beer (Wenzgasse 12, 1130 Wien) selbst stattfinden, die sich in einem Renovierungsprozess befindet, der von Architekt Christian Prasser www.cp-architektur.com geleitet wird.

Eingeladene ExpertInnen:
Prof. Dr. Anne Siegetsleitner (Uni Innsbruck/ Philosophie)
Prof. PhD Gerald Adler (University of Kent/ Architektur und Philosophie)
Mag. Dr. Maria Welzig (Architekturzentrum Wien/ Kunstgeschichte)
Prof. Dr. Wolfram Pichler (Uni Wien/ Kunstgeschichte)
Prof. Christian Prasser (Architektur/ New Design University St. Pölten)
Prof. Dr. Martin Düchs (Architektur und Philosophie/ New Design University St. Pölten)
Im Anschluss an das Symposium sollen die Beiträge in der Reihe Interdisziplinäre Architekturwissenschaft (Springer VS) veröffentlicht werden.
Allen Teilnehmern werden Reise- und Hotelkosten bis zu einer Höhe von je 250,- erstattet, zudem ist ein gemeinsames Abendessen am Freitag geplant.

Anforderungen
Abstract mit max. 500 Wörtern, für Blindbegutachtung formatiert
Zuordnung zu einem der Themenfelder:
- Josef Frank und die Villa Beer
- Philosophischer Kontext: Josef Frank und die Philosophie der 20er und 30er Jahre
- Architekturhistorischer Kontext: Josef Frank und die Architektur der 20er und 30er Jahre
- Das große Ganze im Spiegel der Details
Kurz-Biographie mit den wichtigsten relevanten Veröffentlichungen
Unterlagen per E-Mail an: martin.duechsndu.ac.at

Timeline
Einreichung abstracts: spätestens Montag, 15. Februar 2023
Benachrichtigung über Annahme: spätestens Mittwoch, 1. März 2023
Symposium: Freitag, 12. Mai 23, 14:00Uhr bis Samstag, 13. Mai 23 16:00Uhr
Einreichung papers für Veröffentlichung: 15. September
Redaktionsphase bis Januar 2024
Erscheinen Publikation Frühjahr 2024

Quellennachweis:
CFP: Zum Menschenbild der Villa Beer von Josef Frank (Wien, 12-13 May 23). In: ArtHist.net, 19.12.2022. Letzter Zugriff 19.06.2024. <https://arthist.net/archive/38194>.

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