ANN 16.04.2022

Vortragsreihe ifag um sieben (Stuttgart, 25 Apr-4 Jul 22)

Universität Stuttgart, Keplerstrasse 11, 70174 Stuttgart, Campus Stadtmitte, K1, Raum 1.08, 25.04.–04.07.2022

Dietlinde Schmitt-Vollmer, Universität Stuttgart
Die Vortragsreihe "ifag um sieben" des Instituts für Architekturgeschichte, Universität Stuttgart findet wieder in Präsenz statt. Das Thema in diesem Semester lautet:
ifag um sieben: Alte Meister-Neue Forschungen

Montag 25.04.2022, 19 Uhr, Raum 1.08 im K1
Joaquín Medina Warmburg, Karlsruhe
Walter Gropius und die Erfindung der modernen Architektur

Für die frühen Meistererzählungen zur Geschichte der modernen Architektur stand noch zweifelsfrei fest, dass Gropius zu ihren Pionieren und Heroen zählte. Doch spätestens die Postmoderne rüttelte an diesem Status. Heute sind es nicht wenige Darstellungen der Meister der modernen Form, die gänzlich auf Gropius verzichten. Einige seiner kritischsten Biographen meine ihn sogar als einen Hochstapler ohne akademischen Abschluss entlarvt zu haben. Doch gerade sein legendäres Unvermögen als Zeichner zwang Gropius zur Entwicklung einer neuartigen kollaborativen und diskursiver Entwurfsmethodik. Mit seinem Ideal des Team Works erhob er den Anspruch auf überpersönliche künstlerische Gültigkeit der modernen Architektur. Wir müssen uns also fragen, was es überhaupt noch bedeuten konnte, als ein moderner Meister des Faches zu gelten.

Montag 20.06.2022, 19 Uhr, Raum 1.08 im K1
Christiane Weber, Innsbruck:
Frei Otto und die Modellstatik

Frei Otto ist mit seinen leichten, weit gespannten Konstruktionen einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Architektur des 20. Jahrhunderts. Er erhielt für sein Lebenswerk 2015 den Pritzker-Preis. Seine Architektur basiert auf dem Prinzip des Leichtbaus: mit möglichst wenig Material möglichst weite Flächen zu überspannen. Gedacht wurden ähnliche Konstruktionen bereits in der Zwischenkriegszeit, doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es Frei Otto, diese Idee zu realisieren – doch nicht alleine: ein ganzes Team von Ingenieuren an der Stuttgarter Technischen Hochschule, die 1967 in Universität Stuttgart umbenannt wurde, war in den 1960er und 1970er Jahren an Umsetzung dieser leichten, weit gespannten Architekturvisionen beteiligt. Da vor dem Einsatz von leistungsfähigen Computern diese komplexen Tragwerke nur schwer zu berechnen waren, setzten die Ingenieure auf Modellstatik: eine Methode, um mittels maßstäblich verkleinerter Modelle das reale Tragwerk zu entwerfen und zu dimensionieren.

4. Juli 2022, 19 Uhr, Raum 1.08 im K1
Regina Stephan, Mainz
Erich Mendelsohn und die Architektur der funktionellen Dynamik

War Erich Mendelsohn ein Expressionist? Ein Vertreter der organischen Architektur? Gehörte er zum International Style?
Als jüdischer Architekt 1933 in die Emigration gezwungen, wandelte sich sein Werk signifikant im Dialog mit dem jeweiligen Land, dessen Topographie und Klima und der jeweiligen direkten Umgebung und blieb doch unverkennbar Mendelsohn. Was aber war sein spezifischer Ansatz in der Architektur, die sich bis heute in Europa, in Russland, in Israel und in den USA wiederfindet?
Erste Hinweise gibt Mendelsohns Vortrag im Jahr 1923 „Die internationale Übereinstimmung des neuen Baugedankens oder Dynamik und Funktion“. Er hilft dabei, sein Frühwerk mit dem Einsteinturm in Potsdam, der Hutfabrik in Luckenwalde und dem Verlagshaus Mosse in Berlin verstehen und einordnen zu können. Ein besonders bedeutender Bau war das 1926 bis 1928 erbaute Kaufhaus Schocken in Stuttgart, dessen Entwurf von der kontrapunktisch komponierte Musik Johann Sebastian Bachs ebenso inspiriert war wie vom engen Bauplatz in der Stuttgarter Altstadt. Durch den Vergleich mit zeitgleichen Bauten anderer Architekten und späteren Bauten Mendelsohns wird die Frage beantwortet, was Mendelsohns Werk kennzeichnet und unverwechselbar macht.

Quellennachweis:
ANN: Vortragsreihe ifag um sieben (Stuttgart, 25 Apr-4 Jul 22). In: ArtHist.net, 16.04.2022. Letzter Zugriff 30.04.2026. <https://arthist.net/archive/36411>.

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