CFP 17.06.2010

Ein Dialog der Kuenste (Zuerich, 17-18 Sep 10)

Orelli

CFP: Ein Dialog der Künste: Architekturbeschreibungen in der
Literatur der Neuzeit

Deadline: 28. Juni 2010

Internationales Symposium am Kunsthistorischen Institut der Universität
Zürich vom 17. bis 18. September 2010

Mehr denn je werden Architektur, Malerei und Skulptur in ihrer
Entwicklung getrennt betrachtet und klammern die kunsthistorischen
Studien von Nachbardisziplinen wie Archäologie, Ästhetik oder
Literaturwissenschaften weitgehend aus. So liegt die Untersuchung
wechselseitiger Einflüsse in Architektur-Beschreibungen der Literatur
und der Architekturgeschichte noch weitgehend im Dunkeln. Dies ist
umso erstaunlicher, als sich bereits Dichtungen und Romane des späten
18. und frühen 19. Jahrhunderts durch analytische Schärfe und
Einfühlung in komplexe architektonische Zusammenhänge auszeichnen. Ja,
es scheint sogar, dass einige Autoren von der Methode der jungen
Archäologie und vor allem Johann Joachim Winckelmanns inspiriert sind.
Diese Beschreibungen beschäftigen sich auch mit der Metamorphose von
Bauten, dem allmählichen Stilwandel, der Migration von Formen und
Eigenheiten des materiellen Kontextes, also Fragen, denen sich die
Architekturgeschichte erst im späten 20. Jahrhundert eingehender
widmen sollte. Um die Wahrnehmung des städtischen Umfeldes und der
Architektur durch den Schriftsteller wie durch den
Kunstwissenschaftler und ihre gegenseitige Anregung zu begreifen,
müssen zunächst einmal ihre Ursprünge und ihre Motive untersucht
werden, literarische und wissenschaftliche Beschreibungen einander
gegenübergestellt und herausgearbeitet werden, wie sie sich bildeten,
befruchteten und veränderten. Während sich die junge
Architekturgeschichte auf Inventarisierungen und stilistische
Kategorisierung ausgewählter Epochen konzentrierte und nur schwer aus
diesen Zwängen befreite, erweiterte der Roman sein Repertoire bis hin
zu Ruinen, Bahnhöfen und Autobahnen. Ein breiterer methodologischer
und interdisziplinärer Ansatz, wie ihn eine solche übergreifende Sicht
erfordert, könnte dazu beitragen, dass auch die Entwicklung der
literarischen Beschreibung in ein klareres Licht tritt. Ein
vergleichender Blick auf literarische und wissenschaftliche
Beschreibung, auf deren Möglichkeiten, Grenzen und Berührungspunkte
könnte Wege öffnen und zu kritischer Überprüfung der herkömmlichen
Methoden anregen.

Call for papers:
Architektur als Ort und Rahmen menschlicher Begegnung, die ihr
innewohnende erzieherische Kraft in platonischem Sinne, findet gerade in
der Literatur konkrete und nachhaltige Spuren. Für die Disziplin der
Kunstgeschichte handelt es sich dabei um wesentliche Zeugnisse, die
einen Beitrag für das Verständnis für die Entwicklung der Methoden
leisten und neue interdisziplinäre Dialoge erschliessen können. Dabei
werden nicht nur literarische Texte wie Poesie und Prosa herangezogen,
sondern auch Genres wie Reiseberichte, Briefe und die Typologie des
"Journal". Für die Disziplin der Kunstgeschichte handelt es sich dabei
um wesentliche Zeugnisse, die einen Beitrag für das Verständnis für
die Entwicklung der Methoden leisten und neue interdisziplinäre
Dialoge erschliessen können.
Besonders im Bereich der Architektur erhellt die Betrachtung von
Monumenten, Ruinen, Interieurs und städtischen Räumen die Beziehung des
Individuums und der Gesellschaft zum gebauten Umfeld und spiegelt die
Veränderungen wider, denen diese unterworfen ist. Auch offenbart sie,
wie man historische und zeitgenössische Kunstwerke erlebte, an welche
Haltungen und Gefühle sie appellierten und welche Bedeutung ihnen
zukam. Die prosperierende Bourgeoisie, Kapitalismus und
Bauspekulationen liessen die Baukunst zu einem populären Medium der
Selbstdarstellung werden, in dem sich der Geist der Zeit aufs
nachhaltigste widerspiegelte.

Paper Submissions: Abstracts mit nicht mehr als 500 Wörtern und ein
Kurz-CV sind bis zum 28. Juni 2010 zu richten an:

barbara.vonorelliaccess.uzh.ch.

Vorgesehen sind Kurzvorträge / Papers von
30 Minuten und anschliessend 15 Minuten Diskussion.

Keynote speaker:
Prof. Dr. Sabine Frommel
Directeur d'études
Direction d'études : Histoire de l'Art de la Renaissance
EPHE, Sorbonne

Organisation:
PD Dr. Barbara von Orelli-Messerli, Universität Zürich,
Kunsthistorisches Institut.
e-mail: barbara.vonorelliaccess.uzh.ch

Für weitere Informationen und Fragen:
e-mail: barbara.vonorelliaccess.uzh.ch

Quellennachweis:
CFP: Ein Dialog der Kuenste (Zuerich, 17-18 Sep 10). In: ArtHist.net, 17.06.2010. Letzter Zugriff 18.01.2026. <https://arthist.net/archive/32735>.

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