Tagung 'Stadtraum und Inszenierung'
am 19 und 20. Juni 2009
im Schauspielhaus Hannover
Die Tagung findet statt im Rahmen des Theaterfestivals THEATERFORMEN und
ist ein Kooperationsprojekt des Festivals mit dem Institut für
Kulturpolitik der Universität Hildesheim, dem Promotionskolleg
Produktionsräume ästhetischer Praxis der Universität Hildesheim sowie
dem Verein hub:kunst.diskurs e.V.
Bitte melden Sie sich bei Interesse nach Möglichkeit als TeilnehmerIn
an, der Tagungsbeitrag von € 20 bzw. € 10 (ermäßigt) schließt ein
gemeinsames Abendessen und eine gemeinsame Kaffeepause ein.
Alle Details zur Tagung finden Sie auf www.theaterformen.de
Über die künstlerischen Disziplinen Theater, Film und Bildende Kunst
sowie deren angestammte Orte hinaus hat sich die Anwendung des Begriffs
der ‚Inszenierung‘ bereits vor Jahrzehnten vor allem auf stadträumliche
Zusammenhänge erweitert. Einerseits wird der Stadtraum häufig als eine
Bühne begriffen, auf der Bürger sich selbst und ihr Alltagsleben
inszenieren, andererseits wird die Notwendigkeit der Konstruktion und
Inszenierung eben dieses Raumes behauptet: er müsse von seinen Nutzern
gemeinsam erzählt oder durch seine diskursive Infragestellung erst
erschaffen werden. In der Diskussion um die Bedingungen von Urbanität
gewinnt dabei vor allem die Heterogenität von Positionen und
Perspektiven an Bedeutung – die wiederum wesentlich durch Eingriffe mit
künstlerischem Charakter begünstigt werden kann.
Die Bezüge zwischen Stadtraum und Inszenierung sind also vielfältig und
lassen sich nicht auf Kausalitäten oder Disziplinen reduzieren – weshalb
sie im Titel der Tagung durch ein neutrales ‚und‘ dargestellt werden.
Gleichwohl lassen sie sich aktuell auf bestimmte Fragestellungen
verdichten, welche Theater, Bildende Kunst, Planung und Politik
gleichermaßen beschäftigen.
Die Tagung fasst ihre Inhalte und Bezüge in drei Themenblöcke, zu denen
sich jeweils ein Moderator und fünf Referenten in Statements und
Podiumsgesprächen austauschen:
\'Gibt es eine Wirklichkeit jenseits der Inszenierung?\' führt in die
unterschiedlichsten Arten künstlerischer, planerischer und politischer
Inszenierungen ein und fragt nach deren jeweiligen Funktionen,
Strukturen und Implikationen. Wie sehr lassen sich Inszenierungen von
dem trennen, was als stadträumliche ‚Wirklichkeit‘ empfunden wird, in
wie weit entsteht eine solche ‚Wirklichkeit‘ überhaupt erst als
Inszenierung? Diskutiert wird von Theatermachern, Bildenden Künstlern
und Planern anhand ihrer jeweiligen interdisziplinärer Praxis.
\'Eigenmächtige Inszenierungen: Ist Intervention planbar?\' diskutiert
die unterschiedlichen Qualitäten geplanter und spontaner bzw.
eigenmächtiger Inszenierungen und Interventionen im Stadtraum. Welche
Einschränkungen bzw. welchen Mehrwert bringen Metastrukturen wie
Programme, kuratorische Konzepte oder Festivals mit sich? Kann
künstlerische und gesellschaftliche Initiative durch Rahmenstrukturen
gestärkt werden? Podiumsteilnehmer sind Künstler, Kuratoren,
Programmorganisatoren, Planer und Stadtsoziologen.
\'Wer inszeniert wen im Stadtraum?\' thematisiert mögliche
Rollenverteilungen bei der Inszenierung von Stadtraum oder
Inszenierungen im Stadtraum sowie deren Konsequenzen für Initiative,
Verantwortung und Macht. Von wem sollten Initiative und Aktivierung
ausgehen? Wo liegen mögliche Hemmschwellen, Blockaden, Grenzen oder
Übersetzungsschwierigkeiten? Diskutiert wird von Kulturpolitikern und
-wissenschaftlern, Kritikern, Planern und Kulturschaffenden.
Freitag, 19. Juni
17.00 Uhr Begrüßung und Einführung
17.20 Uhr lecture performance von Dr. Armin Chodzinski, Hamburg
(Künstler, Performer, Publizist: arbeitet zu den Themen Raum,
gesellschaftliche Praxis, Kunst und Ökonomie)
18.00 Uhr Kurzvorstellungen von exemplarischen Inszenierungen in
Theater, Bildender Kunst und Planung
18.30 Uhr Podium: Gibt es eine Wirklichkeit jenseits der Inszenierung?
Moderation:
Prof. Dr. Matthias Mertens, Hildesheim (Professor am Institut für
Medien- und Theaterwissenschaft der Universität Hildesheim, Sprecher des
Promotionskollegs Produktionsräume ästhetischer Praxis)
Impulse und Diskussion:
Börries von Detten, Hannover (Landschaftsarchitekt und Freiraumplaner,
Lehrbeauftragter am Institut für Freiraumentwicklung der Universität
Hannover in den Bereichen Wahrnehmung sowie Entwurf und Darstellung
urbaner Räume, Mitglied des Studio Urbane Landschaften)
Dr. Alexander Karschnia, Berlin (Performer, Autor, Theoretiker, schreibt
über und für das Theater, Mitbegründer von andcompany&Co, einem
internationalen Performance-Kollektiv: “Wir arbeiten auf der
Schnittstelle von Theater und Theorie, Politik und Praxis.“)
Markus Kissling, Zürich und Wolfsburg (Unternehmer, Künstler, Regisseur,
Gründer des Netzwerks SPACEWALK, in dem er Kunst und
Stadtplanungsprozesse verbindet: „Ziel ist es, die Menschen nicht an der
Kunst, sondern am Leben zu interessieren.“)
Dries Verhoeven, Amsterdam (Theatermacher und Bühnenbildner: arbeitet
mit Publikumsbeteiligung und dem Unerwarteten: „Er liebt den Moment, in
dem Theater und Wirklichkeit verschmelzen.“)
Prof. Georg Winter, Saarbrücken und Stuttgart
(Bildender Künstler und Professor für Plastik/Bildhauerei an der HBK
Saar, thematisiert den alltäglichen Umgang mit Wahrnehmung und ihren
Apparaten: „Kamera ist, was man dafür, davor, davon hält.“)
20.00 Uhr Pause
20.30 Uhr Gemeinsames Abendessen im Schauspielhaus
Samstag, 20. Juni
10.00 Uhr Zusammenfassung des Vortags und Einführung in die Themen des Tages
10.30 Uhr Podium: Eigenmächtige Inszenierungen: Ist Intervention planbar?
Moderation:
Rainer Schlautmann, Oberhausen
(Journalist und Fotograf in den Bereichen Bildende Kunst, Theater und
Architektur, Moderator von Tagungen und Diskussionen zu Kunst im
öffentlichen Raum)
Impulse und Diskussion:
Tom van Gestel, Amsterdam (Kurator, Dozent und Künstlerischer Leiter der
staatlichen Niederländischen Stiftung SKOR für Kunst und Öffentliche
Räume, für diese u.a. Projekt Beyond in Utrecht: Kunst nimmt urbane
Strukturen vorweg und begünstigt deren Entstehung)
Ares Kalandides, Berlin (Stadtplaner sowie Experte, Berater und Dozent
für Stadtmarketing, Branding, Kultur- und Kreativwirtschaft,
Geschäftsführer der Agentur INPOLIS, forscht an der Universität Athen
zum Thema Raumidentität)
Prof. Dr.-Ing. Hille von Seggern, Hamburg und Hannover (Emeritierte
Professorin für Freiraumplanung, Entwerfen und städtische Entwicklung am
Institut für Freiraumentwicklung der Universität Hannover: u.a.
Erforschung des Verhältnisses von Mensch und Raum, Mitgründerin des
interdisziplinären Forschungsnetzwerks Studio Urbane Landschaften)
Prof. Ovis Wende, München und Dortmund (Professor für Kunst im
öffentlichen Raum und Szenografie am Fachbereich Design der
Fachhochschule Dortmund, als Bildender Künstler Preise und Aufträge für
Kunst im öffentlichen Raum sowie Mitglied der Gruppe art coyote:
„art-coyote besetzt Orte und Öffentlichkeiten, um subversive Inhalte zu
transportieren.“)
Wolfgang Zinggl, Wien (Künstler, Kritiker, Kurator, Kulturpolitiker:
Gründer der handlungsorientierten Kunstgruppe WochenKlausur, ehemaliger
Österreichischer Bundeskurator und als Kultur- und Minderheitensprecher
der Österreichischen Grünen Abgeordneter im Nationalrat)
12.00 Uhr Mittagspause
13.00 Uhr Projektvorstellungen aus Theater, Bildender Kunst und Planung
14.30 Uhr Gemeinsame Kaffeepause im Schauspielhaus
15.00 Uhr Podium: Wer inszeniert wen im Stadtraum?
Moderation:
Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Hildesheim (Direktor des Instituts für
Kulturpolitik der Universität Hildesheim, sachverständiges Mitglied der
Enquête-Kommission Kultur in Deutschland des Deutschen Bundestages,
Mitglied des Internationalen Theater-Instituts ITI, Präsident der
Internationalen Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche
ASSITEJ International)
Impulse und Diskussion:
Jochen Becker, Berlin (Kritiker, Dozent, Kurator, Herausgeber u.a. von
BIGNES? Size does matter, Image/Politik, Städtisches Handeln: „Wie
kritisiere ich die Entwicklung großmaßstäblicher, unternehmerischer
Stadtentwicklungsprojekte? Das Buch löst dies in unterschiedliche
Perspektiven auf, in denen sich Stadt aus Konflikten und
Widerstandsmomenten zusammensetzt.“)
Christian Dobrick, Rotterdam (Landschaftsarchitekt und Stadtplaner,
Projektmanager im Planungsbüro West 8, u.a. Projekt M30 im Stadtzentrum
von Madrid, Santa-Giulia-Park in Mailand sowie Erweiterung des auf
Inszenierung und Interaktion ausgelegten Schouwburgplein in Rotterdam)
Adrienne Göhler, Berlin (Psychologin, Publizistin, Kuratorin,
Kulturpolitikerin: ehemalige Präsidentin der HBK Hamburg, ehemalige
Kuratorin des Hauptstadtkulturfonds und ehemalige Senatorin für
Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Berlin, Mitglied im
Kuratorium der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010)
Matthias Rick, Berlin (Architekt, Mitglied der Gruppe raumlabor_berlin:
„In variierenden interdisziplinären Arbeitsteams entwickelt
raumlabor_berlin Strategien für die Stadterneuerung, für Stadtplanung
und Architektur, baut interaktive Stadtlandschaften.“ Aktuelles Projekt:
Eichbaumoper in Essen)
Dr. Heinz Schütz, München (Publizist, Theaterwissenschaftler,
Kunsthistoriker, langjähriger Vorsitzender der Kommission für Kunst im
öffentlichen Raum der Stadt München, Kurator u.a. von Performing the
City. Kunst Aktionismus im Stadtraum 60er und 70er Jahre)
16.30 Uhr Zusammenfassung und Abschlussgespräch durch die Moderatoren
der drei Blöcke
17.30 Uhr Ende
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Quellennachweis:
CONF: Stadtraum und Inszenierung (Hannover 19-20 Jun 09). In: ArtHist.net, 12.06.2009. Letzter Zugriff 09.03.2026. <https://arthist.net/archive/31667>.