Elisabeth Schröter (1937-2010)

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz
und das Institut für Kunstgeschichte

trauern um Frau

Universitätsprofessorin
Dr. Elisabeth Schröter

die am 28. November 2010 im Alter von 73 Jahren verstorben ist.
Elisabeth Schröter wurde 1993 an das Institut für Kunstgeschichte berufen. Bis zu ihrem Ruhestand 2002 hat sie hier die Mittlere und Neuere Kunstgeschichte in Forschung und Lehre vertreten. Ihre besonderen Schwerpunkte waren die Malerei der italienischen Renaissance und des Barock, die Ikonographie profaner und christlicher Themenkomplexe, das Nachleben der Antike, die Sammlungs- und Fachgeschichte sowie die Ideologie der deutschen Romantik. Noch 2004/2005 folgte sie einer Einladung der Bibliotheca Hertziana nach Rom, wo sie die Rudolf Wittkower-Gastprofessur inne hatte.
Elisabeth Schröter wusste mit intellektueller Originalität, umfassender Gelehrsamkeit und persönlichem Charme wie Engagement Studierende für die Gegenstände des Faches Kunstgeschichte zu begeistern und sich in der Fachwelt einen hervorragenden Ruf zu schaffen.
Die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und das Institut für Kunstgeschichte werden der Verstorbenen ein ehrendes Angedenken bewahren.

Universitätsprofessor Dr. Georg Krausch
Präsident der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Universitätsprofessorin Dr. Elisabeth Oy-Marra
Dekanin des Fachbereichs 07 Geschichts- und Kulturwissenschaften

Universitätsprofessor Dr. Gregor Wedekind
Geschäftsführender Leiter des Instituts für Kunstgeschichte

NACHRUF

Zum Tod der Universitätsprofessorin Elisabeth Schröter der Universität Mainz

Mit Elisabeth Schröter ist eine der letzten Universalgelehrten des 20. Jahrhunderts von uns gegangen! Das Humboldt'sche Bildungsideal einer umfassenden Allgemeinbildung war bei ihr wie bei kaum einer anderen verwirklicht. Sie war kein Karrieretyp, auch wenn sie schließlich die erste Mainzer Professorin für Kunstgeschichte wurde, sondern sie war Wissenschaftlerin in bestem Sinne, die die Forschungen an die erste Stelle in ihrem Leben setzte.
Die aus Sachsen-Anhalt stammende, 1937 geborene Pfarrerstochter war geprägt von dem ideologischen Druck der DDR-Schule. Sie floh in den Westen und studierte in West-Berlin, Freiburg und Bonn Kunstgeschichte, Philosophie und Archäologie. Nach längeren Auslandsaufenthalten in Frankreich und Italien wurde sie in Bonn bei Herbert von Einem promoviert. Damals fand sie zu einem Themenkomplex ihres Lebens in der geistigen wie bildlichen Überlieferung und dem Nachleben der Antike, zunächst bis in die Renaissance, später bis in den Barock und das 19. Jahrhundert. Mit der Malerei der Hochrenaissance und des Barock besetzte sie Hauptthemen des Faches. Durch intensives Quellenstudium verbunden mit Sammlungsgeschichte, aber auch der Wissenschaftsgeschichte unseres Faches gewann sie neue und originelle Ergebnisse und Denkansätze. Mit Ikonographie und Ikonologie folgte sie methodisch Erwin Panofsky.
Die damalige Struktur der Universitäten machte es Elisabeth Schröter als Frau nicht leicht. Mit kurzfristigen Stipendien, als wissenschaftliche Mitarbeiterin und mit Lehraufträgen schlug sie sich durch, Arbeitslosigkeit eingeschlossen. Es dauerte bis 1993, bis sie nach Lehrstuhl-Vertretungen und abermaliger Arbeitslosigkeit als erste Frau den Ruf auf eine Professur am Institut für Kunstgeschichte der Universität Mainz erhielt, wo sie bis 2002 lehrte. Es spricht für ihre ungewöhnliche Qualifikation und die Weitsicht der Landesregierung, daß sie trotz Überschreitung des Berufungsalters ernannt wurde.
Elisabeth Schröter verlangte viel von ihren Studierenden, denen sie sich aber menschlich zuwandte und für die sie sich - gesundheitlich schwer angeschlagen - aufopferte. Sie wurde geliebt und respektiert.
Bis zuletzt war sie aktiv wissenschaftlich tätig. Noch 2004/05 wurde sie mit der Rudolf-Wittkower-Gastprofessur an der Bibliotheca Hertziana in Rom (Max-Planck-Institut) ausgezeichnet.
Die deutsche und internationale Kunstgeschichte, aber auch die Universität Mainz verlieren mit ihr eine herausragende Vertreterin des Faches und seiner besten Traditionen.
Dethard von Winterfeld

Reference:
Elisabeth Schröter (1937-2010). In: ArtHist.net, Dec 6, 2010 (accessed Jun 19, 2019), <https://arthist.net/archive/616>.

Contributor: Granaß, Martina

Contribution published: Dec 6, 2010

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