CFP 14.03.2026

Sammelband: Klasse anerkennen

Eingabeschluss : 20.04.2026

Alessa K. Paluch

Call for Papers für den Sammelband „Klasse anerkennen – Klassismus und Klassenverhältnisse in Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft“.

Während die klassistischen Strukturen sowohl des Kunstbetriebs als auch der Wissenschaft im Allgemeinen in der jüngsten Vergangenheit vermehrt Aufmerksamkeit erhalten, werden Klassenfragen in der Kunstgeschichte und -wissenschaft weiterhin nicht zentral diskutiert. Die Summer School „Kunstgeschichte x Klassismus“ (2023) und der Workshop „Klasse anerkennen – Sozialer Status, Habitus und Klassismus in Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft“ (2025) ermöglichten bereits erste thematische Tiefenbohrungen. Hier wurden Fragen nach der Repräsentation und Tradierung von Klassenunterschieden und deren Hierarchisierung sowie Erfahrungen der Betroffenheit von (struktureller) Abwertung, Ausschlüssen und Diskriminierung als Ausgangspunkte für weitere wissenschaftliche Forschungen identifiziert. Darauf aufbauend gilt es, eine geisteswissenschaftliche und dezidiert kunstwissenschaftliche Perspektive auf Klasse und Klassismus als Analysekategorie zu etablieren.

Der geplante Sammelband wird erstmals verschiedene Perspektiven auf Klasse und Klassismus in Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft zusammenbringen und Wege zu einem klassenbewussten Diskurs eröffnen. Er untersucht, wie Klassenverhältnisse und ihre Adressierung in kunsthistorischen und kunstwissenschaftlichen Kontexten wirken, visualisiert und fortgeschrieben bzw. herausgefordert werden können.

Im Fokus steht die doppelte Perspektive auf Klasse als Gegenstand und als Strukturbedingung des Faches. Erstens fragt die Publikation danach, wie künstlerische Positionen Klassenverhältnisse thematisieren, etwa in Darstellungen von Arbeit, Armut, sozialer Mobilität oder Prekarität und extremem Reichtum. Beiträge können sowohl die ikonografische Repräsentationsebene und materielle Eigenschaften als auch methodische Ansätze analysieren, um der Frage nachzugehen, inwiefern Kunstwerke soziale Realitäten sichtbar machen, kritisieren oder verschleiern.
Zweitens rückt der Band Klassismus als strukturelle Bedingung der Kunstgeschichte und -wissenschaft ins Zentrum, indem er den Blick auf die Disziplin selbst richtet: auf Zugangsbarrieren zu Studium und Beruf, auf implizite kulturelle Codes, auf Habitusformen und die Reproduktion sozialer Exklusion mit besonderem Fokus auf den Hochschulkontext. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass der Zusammenhang von Klasse, institutionellen Strukturen und wissenschaftlicher Praxis innerhalb der Kunstgeschichte trotz der zunehmenden Berücksichtigung sozialer Ungleichheiten in kulturwissenschaftlichen Debatten bislang unterbelichtet geblieben ist.

Die Herausgeberinnen Ida Colangelo (Zürich), Nina Eckhoff-Heindl (Bonn) und Alessa K. Paluch (Greifswald) laden hiermit zur Einreichung von Abstracts ein. Mögliche Themen sind zum Beispiel – aber nicht ausschließlich:

- Visuelle Codierung sozialer Hierarchien in der Kunstgeschichte (insbesondere mit Fokus auf die Vormoderne) und Kunstgeschichtsschreibung
- Habitus, Image und Selbstverständnis von Kunsthistoriker*innen
- Auf soziale Herkunft zurückführbare Diskriminierungserfahrungen und institutionell bedingte Ausschlüsse im Fach
- Betroffenheit als diskursives Wissen und Selbstpositionierung als reflexive Methode in der Kunstgeschichte und -wissenschaft
- Explizit intersektionale Perspektiven, die weitere Diskriminierungskategorien wie Geschlecht, ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung, Religion, Behinderung und Alter mit Klasse zusammendenken und auf Kunstgeschichte und -wissenschaft beziehen.

Folgende Formate sind möglich:
kurzer Essay/Statement (ca. 2.000 Wörter)
Aufsatz (ca 5.000 bis 6.000 Wörter)

Bitte senden Sie Ihren Vorschlag in Form eines Abstracts (bis zu 300 Wörter) mit Angabe des gewünschten Formats und einer Kurzbiographie bis zum 20.04.26 an Nastasia Boehm: s-naboehuni-greifswald.de. Wir bemühen uns um eine zeitnahe Rückmeldung.

Die finalen Manuskripte sind voraussichtlich bis November 2026 einzureichen. Eine Veröffentlichung im Open Access-Format wird angestrebt.

Wir laden insbesondere auch Forscher*innen früher Karrierephasen sowie studentische Perspektiven zur Einreichung ein.

Quellennachweis:
CFP: Sammelband: Klasse anerkennen. In: ArtHist.net, 14.03.2026. Letzter Zugriff 14.03.2026. <https://arthist.net/archive/51976>.

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