[English version below]
Netzwerke in der Architektur und in der Architekturgeschichte.
Workshop im Rahmen des DFG-Projektes: Erich Mendelsohns Büros. Internationale Netzwerke eines jüdischen Architekten im 20. Jahrhundert.
Die Bedeutung und Funktion von Netzwerken für Biografien und Karrieren von Architekt:innen fanden mit Werner Durths Erforschung der „Biographischen Verflechtungen“ deutscher, im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik aktiver Architekten ihren Weg in eine Architekturgeschichtsschreibung. [1] Aber erst in den letzten Jahren verstetigte sich das Verständnis von der Notwendigkeit derartiger Untersuchungen und führte zu unterschiedlichen Projekten, Ansätzen und Veröffentlichungen, dabei vor allem mit einem Fokus auf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, [2] auf Ausbildungsstätten wie dem Bauhaus, [3] auf einen auch transnationalen Transfer von Ideen und Konzepten [4] und/oder auf Einzelbiografien beispielsweise im Kontext nationalsozialistischer Ideologien. [5]
Mit Blick auf das Leben und Wirken des jüdischen Architekten Erich (ab 1939 Eric) Mendelsohn (1887–1953), der zunächst in den 1920er Jahren in Berlin erfolgreich ein Büro führte, bevor er 1933 nach Großbritannien und 1934 zusätzlich in das Britische Mandatsgebiet Palästina und 1941 in die USA emigrierte, wird schnell ersichtlich, dass Netzwerke ganz unterschiedliche Erscheinungsformen sowie vielfältige Ausprägungen in Dauer, Intensität, Funktion und Bedeutung haben können. Sie basieren beispielsweise auf privaten Begegnungen und familiären Beziehungen, auf langjährigen Freundschaften, gemeinsamen Ausbildungszeiten, beruflichen Kooperationen, Abhängigkeiten und/oder Konkurrenzen, aus der Zusammenarbeit in Büros und bei Projekten, in Institutionen und Organisationen. Nicht alle Beziehungen innerhalb seines Netzwerks sind gleich stark oder gleich bedeutsam. Einige Akteur:innen konnten einen Kern ausbilden, der beispielsweise durch ähnliche Erfahrungen und/oder Entscheidungsbefugnisse gekennzeichnet war, während andere Personen sich eher an der Peripherie bewegten. Zugleich waren derartige Positionen nicht zwingend auf Dauer angelegt, sondern konnten wechseln, weil sich persönliche Beziehungen oder professionelle Rahmenbedingungen änderten. Herausforderungen ihrer Erforschung und Darstellung ergeben sich zum einen aus dieser Vielfalt, zum anderen aus fehlenden Quellen.
Der erste Workshop des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts „Erich Mendelsohns Büros. Internationale Netzwerke eines jüdischen Architekten im 20. Jahrhundert“ möchte Themen und Fragen, Entwicklungen, methodische Ansätze, aber auch Darstellungsformen, Grenzen und Leerstellen der Netzwerkforschung in der Architektur und Architekturgeschichte sammeln und diskutieren. Wir suchen Beiträge, die sich auf der Mikro- und/oder Makroebene widmen, die personenzentrierten Ansätzen folgen, Gesamtnetzwerke in den Fokus nehmen oder sich auf berufliche Netzwerke konzentrieren. Vorstellbar sind auch Fragestellungen, die geeignet sind, das unmittelbare Feld der Architekturgeschichte zu erweitern und beispielsweise interdisziplinäre Netzwerke in den Mittelpunkt stellen, die sich der Bedeutung von Netzwerken im Kontext von Migrationserfahrungen widmen, etc. Wir sind zudem an Beiträgen interessiert, die sich mit Möglichkeiten der Datensammlung und Darstellungsformen von Netzwerken im Rahmen von Publikationen (print und online) und/oder in Ausstellungsformaten befassen. Zudem wünschen wir uns Beiträge, die es uns ermöglichen, gemeinsam die Möglichkeiten und Grenzen biografischer Netzwerkforschung zu diskutieren und uns ihrer Bedeutung für die Architekturgeschichte anzunähern.
Ein Schwerpunkt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist keine Bedingung. Besonders mit Blick auf eine Auseinandersetzung mit methodischen Ansätzen und mit Formen der Darstellung sind wir auch an Projekten und Beiträgen interessiert, die über unseren eigenen Untersuchungszeitraum hinausgehen.
Wir freuen uns im Besonderen über Bewerbungen von Nachwuchswissenschaftler:innen. Wichtig erscheint uns für einen Austausch das Interesse, offene Forschungsfragen zu adressieren, die eigenen Methoden und Erkenntnisse kritisch zu diskutieren und Fragen nach Leerstellen und Grenzen einzubeziehen. Mit dem Workshop soll zudem auch die Entwicklung unserer eigenen Netzwerke gefördert und über Perspektiven eines längerfristigen Austausches nachgedacht werden.
Im Sinne des Workshop-Charakters sind für jeden Vortrag 20 Minuten angedacht, dem sich 20 Minuten Diskussion anschließen sollen. Beiträge können auf Deutsch oder Englisch gehalten werden.
Die Veranstalter:innen bitten um die Zusendung von Abstracts für einen Beitrag auf Deutsch oder Englisch inklusive Titel und kurzen biographischen Angaben (insgesamt maximal zwei Seiten) bis zum 15. April 2026 an mendelsohns-bueroshs-mainz.de. Das Programm wird Mitte Mai 2026 bekannt gegeben. Um eine verbindliche Teilnahme für die Gesamtdauer des Workshops wird gebeten.
Wir bemühen uns darum, eine Förderung für die anfallenden Kosten für Reise und Unterkunft anbieten zu können. Kinderbetreuung wird bei Bedarf ermöglicht. Der Tagungsort ist rollstuhlgerecht. Die Veröffentlichung ausgewählter Beiträge ist angedacht.
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Networks in Architecture and Architectural History
Workshop of the DFG-funded project: Eric Mendelsohn’s Offices. International Networks of a Jewish Architect in the 20th Century.
The significance and function of networks for architects’ biographies and careers entered architectural historiography through Werner Durth’s research on the “biographical entanglements” of German architects. [1] His work focused on architects active during the National Socialist period and later in the Federal Republic of Germany. However, it was only in recent years that an understanding of the necessity of such investigations became firmly established. This development has led to a variety of projects, approaches, and publications. These have focused mainly on the first half of the twentieth century [2], on educational institutions such as the Bauhaus, [3] on the (also transnational) transfer of ideas and concepts, [4] and/or on individual biographies, for example in the context of National Socialist ideologies.
[5] With regard to the life and work of the Jewish architect Erich (from 1939: Eric) Mendelsohn (1887–1953), it quickly becomes apparent that networks can take very different forms and display a wide range of variations in duration, intensity, function, and significance. Mendelsohn initially ran a successful office in Berlin in the 1920s before emigrating to Great Britain in 1933, then to the British Mandate of Palestine in 1934, and subsequently to the United States in 1941.
Networks may be based, for example, on private encounters and family relationships, long-standing friendships, shared periods of education, or professional cooperation. They may also involve dependencies and/or competition, collaboration within offices and on projects, or participation in institutions and organizations. Not all relationships within a network are equally strong or equally significant. Some actors were able to form a core, characterized, for instance, by similar experiences and/or decision-making authority. Others operated more at the periphery. At the same time, such positions were not necessarily permanent but could shift as personal relationships or professional frameworks changed. Challenges in researching and representing networks arise both from this diversity and from gaps in the available sources.
The first workshop of the project “Erich Mendelsohn’s Offices. International Networks of a Jewish Architect in the 20th Century,” funded by the German Research Foundation (DFG), aims to collect and discuss themes and questions related to network research in architecture and architectural history. In particular, it focuses on developments, methodological approaches, forms of representation, as well as limitations and blank spots in network research.
We invite contributions that address the micro and/or macro level. Submissions may follow person-cantered approaches, focus on holistic networks, or concentrate on professional networks. We also welcome questions that are suitable for expanding the immediate field of architectural history. This may include, for example, placing interdisciplinary networks at the centre of analysis or addressing the significance of networks in the context of migration experiences. In addition, we are interested in contributions that deal with methods of data collection and forms of visually representing networks in publications (print and online) and/or in exhibition formats. Furthermore, we seek contributions that will enable us to jointly discuss the possibilities and limitations of biographical network research and to approach its significance for architectural history in general.
A focus on the first half of the twentieth century is not a prerequisite. Particularly regarding methodological approaches and forms of visual representation, we are also interested in projects and contributions that extend beyond our own period of investigation.
We particularly welcome applications from early-career researchers. For productive exchange, we consider it important that participants are interested in addressing open research questions, critically discussing their own methods and findings, and engaging with questions of gaps and limitations. The workshop also aims to foster the development of our own networks and to reflect on perspectives for longer-term exchange.
In keeping with the workshop format, each presentation is scheduled for 20 minutes, followed by 20 minutes of discussion. Contributions may be presented in German or English.
The organizers invite submissions of abstracts for a paper in German or English, including a title and brief biographical information (maximum two pages in total), by April 15, 2026 at mendelsohns-bueroshs-mainz.de. The program will be announced in mid-May 2026. Participants are kindly asked to commit to attending the full duration of the workshop.
We will endeavour to provide financial support for travel and accommodation costs. Childcare will be available if required. The venue is wheelchair accessible. Publication of selected contributions is planned.
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[1] Werner Durth: Deutsche Architekten. Biographische Verflechtungen 1900-1970. Braunschweig/Wiesbaden: Vieweg & Sohn 1986.
[2] Andreas Brämer, Katrin Keßler, Mirko Przystawik, Ulrich Knufinke (Hg.): Jewish Architects – Jewish Architecture? Petersberg 2021 sowie das zwischen 2016 und 2023 von der DFG geförderte Projekt: Andreas Brämer u.a.: Jüdische Wege in die Architektur. Deutsch-jüdische Architekten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, online https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/321062067/ergebnisse
[3] DFG-Projekt „Bewegte Netze“ (2013 – 2016), online: Forschungsstelle bauhaus community, https://forschungsstelle.bauhaus.community/; Beate Störtkuhl, Rafał Makała (Hg.): Nicht nur Bauhaus – Netzwerke der Moderne in Mitteleuropa/Not Just Bauhaus – Networks of Modernity in Central Europe. Berlin, München: De Gruyter Oldenbourg 2020.
[4] Jörg Stabenow, Ronny Schüler (Hg.): Vermittlungswege der Moderne. Neues Bauen in Palästina 1923-1948/The transfer of modernity. Architectural modernism in Palestine 1923-1948. Berlin: Gebr. Mann 2019.
[5] Rainer Schmitz, Johanna Söhnigen: Paul Schultze-Naumburg. Die Netzwerke des Kultur- und Rassentheoretikers. Berlin: Gebr. Mann 2024.
Reference:
CFP: Networks in Architecture and Architectural History (Braunschweig, 16-17 Sep 26). In: ArtHist.net, Mar 2, 2026 (accessed Mar 2, 2026), <https://arthist.net/archive/51869>.