Talk-Reihe zur Ausstellung „Kaari Upson. Dollhouse – eine Retrospektive“ in der Kunsthalle Mannheim.
Die amerikanische Künstlerin Kaari Upson (1970–2021) zählte zu den prominentesten Stimmen ihrer Generation. In ihren Skulpturen, Installationen, Videos und Zeichnungen befragt sie die Grenzen von Erinnerung, Identität und gesellschaftlicher Realität und verwandelt dabei persönliche biografische Erfahrungen aus ihrer kalifornischen Heimat in universelle menschliche Geschichten. Internationale Aufmerksamkeit erhielt Upson durch ihre Teilnahme an der Biennale di Venezia im Jahr 2019. Auch in der Kunsthalle Mannheim wurde ihr Werk früh gewürdigt und bereits 2020 ein Kunstwerk für die Sammlung erworben. Nun folgt die erste große museale Retrospektive in Deutschland, die zu einer intensiven Begegnung mit einer Künstlerin einlädt, deren Schaffen uns auch nach ihrem frühen Tod weiterhin berührt, verstört und fasziniert.
Sonntag, 1. März 2026 um 11 Uhr
"Kaari Upson - ein Psychogramm zwischen Los Angeles und Hannover"
Vortrag und Gespräch mit Kathleen Rahn, Direktorin Marta Herford und Johan Holten, Direktor Kunsthalle Mannheim
Die Zerrissenheit als Thema taucht in allen Werken der US-amerikanischen Künstlerin Kaari Upson auf. So betitelte sie eine frühe Galerieausstellung mit dem Satz: "I am bound to have some anxiety about this so please if I say stop, don’t stop“, 2009 (Maccarone, New York). Werk und Autorin lassen sich in ihrem Fall nicht voneinander trennen. Sie nimmt die Betrachtenden in ihren Zeichnungen, Filmen, Skulpturen, Malereien und Installationen mit auf eine mentale Reise des eigenen Körpers, der sinnbildlich genutzt wird, um albtraumhaft poetische gesellschaftliche Soziogramme zu skizzieren.
Der Kontext der künstlichen Stadt Los Angeles spielt ebenso eine Rolle, wie biografische Verbindungen etwa nach Hannover, wo Kaari Upson 2018 eine umfangreiche Einzelausstellung im Kunstverein Hannover hatte, die Kathleen Rahn als damalige Direktorin kuratierte. Upsons Mutter, Karin Kuhlemann Upson, emigrierte nach dem zweiten Weltkrieg aus Hannover nach Amerika, um hier dem amerikanischen Traum folgend zu leben und später eine Familie zu gründen. In dem Vortrag und dem Gespräch wird das Leben und Werk von Kaari Upson anhand ausgewählter Werke analysiert und diskutiert.“
Kathleen Rahn ist seit 2022 künstlerische Direktorin des Museums Marta Herford. Sie leitete sieben Jahre den Kunstverein Hannover, weitere berufliche Stationen waren die Leitung des Kunstvereins Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft sowie als Kuratorin des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen in Düsseldorf (2003–2007).
Tickets: https://shop.kuma.art/#/product/event/969?date=2026-03-01&date_id=16891
Samstag, 21. März 2026 um 15 Uhr
„Yes Trespassing! The Home Invasions of Kaari Upson“
Talk (in englischer Sprache) zum Werk von Kaari Upson mit Kunstkritikerin Jori Finkel und Johan Holten, Direktor der Kunsthalle Mannheim
The artist Kaari Upson was always going places she didn't belong—whether investigating the McMansion of her playboy neighbor "Larry" like a rogue detective without a warrant or rescuing soiled mattresses from the streets of Los Angeles. For this event, the award-winning art critic Jori Finkel (The New York Times and The Art Newspaper) will talk about Upson, who she knew for 15 years, as a trespasser of properties and transgressor of social norms.
Cultural journalist Jori Finkel lives in Los Angeles and was awarded the Rabkin Prize in 2023. She writes regularly for The New York Times and is the West Coast editor of The Art Newspaper, where she reports on artists and the art world with a particular focus on gender issues. She has also written extensively about the work of Kaari Upson. Previously, she was senior editor of Art+Auction magazine in New York. She developed and co-produced the Emmy-nominated PBS documentary Artist and Mother in 2018, in which she sought to refute prejudices against artwork created by parents and establish an art-historical lineage for female artists and mothers. She is also the author of the critically acclaimed book 2It Speaks to Me: Art that Inspires Artists“, which New York Magazine called “an argument for why art museums matter.”
Tickets: https://shop.kuma.art/#/product/event/970?date=2026-03-21&date_id=16893
Sonntag, 19. April 2026 um 15 Uhr
Marlen Hobrack: „Erbgut. Was von meiner Mutter bleibt.“
Lesung & Talk
Die Kunsthalle Mannheim lädt gemeinsam mit „lesen.hören“, dem Literaturfestival der Alten Feuerwache Mannheim, zu einer besonderen Lesung ein: Marlen Hobrack liest aus ihrem Buch „Erbgut“ und kommt anschließend mit Kurator:innen der Ausstellung „Kaari Upson. Dollhouse – eine Retrospektive“ in der Mannheimer Kunsthalle ins Gespräch.
Das Werk der Künstlerin Kaari Upson kreist um familiäre Traumata, Klassismus, Weiblichkeit und die Psychologie von Mutter-Tochter-Beziehungen. Immer wieder verwebt sie persönliche Erfahrungen mit dem sozialen Umfeld ihrer Kindheit in San Bernardino und macht die Prägungen von Herkunft und sozialer Klasse sichtbar.
Diesen Fragen nähert sich auch Marlen Hobrack aus literarischer Perspektive. In ihren Texten – und besonders in Erbgut– untersucht sie, wie soziale Herkunft, Körper, Arbeit und familiäre Geschichte ineinandergreifen. Hobrack schreibt über Klassismus in Deutschland mit analytischer Schärfe und persönlicher Konsequenz und eröffnet damit einen Raum, in dem individuelle Biografien als Teil gesellschaftlicher Strukturen lesbar werden.
Die Lesung versteht sich als dialogische Erweiterung der Ausstellung: ein literarischer Blick auf Fragen, die Kaari Upsons Arbeiten visuell verhandeln. Im Zusammenspiel von Kunst, Literatur und Gespräch entsteht eine Veranstaltung, die Erfahrungen von Herkunft und Weitergabe von Verletzlichkeit und Selbstermächtigung miteinander verbindet.
Tickets: https://shop.kuma.art/#/product/event/971?date=2026-04-19&date_id=16927
Quellennachweis:
ANN: Vortragsreihe: Kaari Upson – eine Retrospektive (Mannheim, 1 Mar-19 Apr 26). In: ArtHist.net, 25.02.2026. Letzter Zugriff 25.02.2026. <https://arthist.net/archive/51836>.