CONF 07.02.2026

Akteur:innen und Netzwerke in Museumswesen und Kunstbetrieb (Bonn, 5-6 Mar 26)

Universität Bonn, Kunsthistorisches Institut, Rabinstraße 8, Seminarraum 5., 05.–06.03.2026
Anmeldeschluss: 01.03.2026

Hannah Berger

Vom 5. bis 6. März 2026 veranstaltet die Forschungsstelle Provenienzforschung Kunst- und Kulturgutschutzrecht der Universität Bonn in Kooperation mit dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg die interdisziplinäre Nachwuchstagung „Kooperation oder Konflikt? Akteur:innen und Netzwerke in Museumswesen und Kunstbetrieb in Deutschland zwischen 1945–49“.

Die Besatzungsjahre in Deutschland waren von sich verändernden Agenden der Alliierten und dem sich immer stärker ausprägenden Kalten Krieg gekennzeichnet. Ein einheitliches Deutschlandbild herrschte keineswegs vor – weder auf der Ebene der Allianz zwischen den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion noch innerhalb der einzelnen Verwaltungszonen. Dass das Kunst- und das Museumswesen – also jene Bereiche, die noch kurz zuvor vom NS-Regime zur eigenen Stabilisierung beansprucht worden waren – für die Umsetzung ihrer Deutschlandpolitik bedeutend waren, erkannten indes alle alliierten Parteien.

Die geplante Tagung nimmt die Kontakte, Konflikte und Kooperationen zwischen alliierten und deutschen Akteur:innen des Kunst- und Museumswesens aus vergleichender Perspektive in den Blick. Wir wollen wissen: Welche Agenden verfolgten die deutschen Akteur:innen beim kulturellen Wiederaufbau Deutschlands – pragmatisches „back to business“ oder programmatische Erneuerung? Welche Bezüge zu dem jüngst überwundenen NS-Regime lassen sich in den Konzepten und Praktiken der Deutschen und Alliierten greifen bzw. wie und ob verhielten sie sich zu dieser Vergangenheit? Welche lokalen, regionalen oder internationalen Referenzrahmen setzten sie für die Verwirklichung ihrer Zukunftsszenarien? Und vor allem: Wie kooperativ oder konfliktbehaftet verlief die Zusammenarbeit zwischen Siegern und Besiegten?

Dabei gehen wir von der These aus, dass die Diskurse, Haltungen und Handlungen, die in der Besatzungszeit ausgetragen, formuliert und ausprobiert wurden, nicht nur diese Phase von fünf Jahren prägten. Vielmehr lebten sie in der BRD und der DDR fort. Während der Tagung wird also auch danach zu fragen sein, inwieweit die kulturellen Praktiken bis weit nach 1949 fortwirkten und in den Bereichen Kunstbetrieb und Museumswesen nachhallen – womöglich bis heute.

Organisation:
Nora Jaeger, Forschungsstelle Provenienzforschung Kunst- und Kulturgutschutzrecht der Universität Bonn
Darja Jesse, Germanisches Nationalmuseum, Leibniz-Forschungsmuseum für Kulturgeschichte, Nürnberg

Programm

Donnerstag, 5. März 2026

10.00 – 10.30 Akkreditierung
10.30 – 10.45 Grußwort von Christoph Zuschlag
10.45 – 11.00 Einführung Nora Jaeger/Darja Jesse

Panel I, Britische Zone (11.00 – 13.00 Uhr)
Chair: Lucy Wasensteiner
11.00 – 11.30 Uhr
Theresa Angenlahr: Eigenständige Multiplikatoren? Kunstvereine im Rheinland und in Westfalen und ihre Beziehung zu den britischen Militärbehörden, 1945–1949
11.30 – 12.00 Uhr
Lukas Bächer: Der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in Düsseldorf
12.00 – 12.30 Uhr
Gloria Köpnick: Eine vergessene Institution der frühen Nachkriegszeit: Der Denkmal- und Museumsrat für Nordwestdeutschland als bedeutender Impulsgeber in der britischen Besatzungszone
12.30 – 13.00 Uhr: Gemeinsame Diskussion

13.00 – 14.00 Uhr: Mittagspause

Panel II, Britische Zone (14.00 – 16.00 Uhr)
Chair: Christian Fuhrmeister
14.00 – 14.30 Uhr
Franziska Helmenstein: Zwischen Austausch, Konflikt und Zuständigkeit: Das LVR-Landesmuseum Bonn und die britische Militärregierung 1945–1949
14.30 – 15.00 Uhr
Anna-Magdalena Heide: Stillstand im Wandel – Strategischer Opportunismus zur Sicherung des kulturpolitischen Status quo im Ruhrbergbau nach 1945
15.00 – 15.30 Uhr
Felix Krebs: ‚unser liebenswürdiger Kunstschutzoffizier‘: Wiederaufbau in der Hamburger Kunsthalle mit der britischen MFA&A Section
15.30 – 16.00 Uhr: Gemeinsame Diskussion

16.00 – 16.30 Uhr: Kaffeepause

Abendvortrag (17.00 – 18.30 Uhr)
Moderation: Nora Jaeger/Darja Jesse
Eckhart Gillen: Kann man ohne eine Utopie leben? Große Erwartungen und Enttäuschungen. Kunst und Kunstbetrieb in der SBZ 1945 bis 1949

Freitag, 6. März 2026

Panel III, US-Amerikanische Zone (09.00 – 11.00 Uhr)
Chair: Dorothea Schöne
9.00 – 9.30 Uhr
Darja Jesse: Große Erwartungen. Das Germanische Nationalmuseum im Blick der Besatzungsmacht
9.30 – 10.00 Uhr
Julia Reich: Die Ausstellungsleitung München e. V. im Haus der Kunst – Künstlerselbstorganisation und Ausstellungsbetrieb im München der frühen Nachkriegszeit
10.00 – 10.30 Uhr
Maria Neumann: Expertise als Entlastungsstrategie. documenta-Gründer als akademische Lehrer nach 1945
10.30 – 11.00 Uhr: Gemeinsame Diskussion

11.00 – 11.30 Uhr: Kaffeepause

Panel IV, Französische Zone (11.30 – 12.15 Uhr)
Chair: Claire Demesmay
11.30 – 12.00 Uhr
Clara Bolin: Kooperation, Konkurrenz und Konflikt. Fotografieausstellungen in der französischen Verwaltungszone 1948/49
12.00 – 12.15 Uhr: Gemeinsame Diskussion

Abschlussdiskussion: Erkenntnisse, Probleme, Desiderate (12.15 – 13.15 Uhr)
Moderation: Darja Jesse/Nora Jaeger
Claire Demesmay
Christian Fuhrmeister
Eckhart Gillen
Dorothea Schöne
Lucy Wasensteiner

Für die Förderung der Tagung danken wir der Ferdinand-Möller-Stiftung, dem Lehrstuhl Prof. Dr. Zuschlag und dem Ulmer Verein – Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften e. V.

Die Teilnahme ist für alle Interessierten offen. Wir bitten um Anmeldung bis zum 1. März 2026 per E-Mail bei Hannah Berger: s59hberg[at]uni-bonn.de.

Quellennachweis:
CONF: Akteur:innen und Netzwerke in Museumswesen und Kunstbetrieb (Bonn, 5-6 Mar 26). In: ArtHist.net, 07.02.2026. Letzter Zugriff 08.02.2026. <https://arthist.net/archive/51689>.

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