ANN 12.01.2026

NS-Raubkunst: Wie kann ich das recherchieren? (Online, 27 Jan-10 Feb 26)

Online, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München, 27.01.–10.02.2026

Zentralinstitut für Kunstgeschichte

Online-Seminar: NS-Raubkunst: Wie kann ich das recherchieren? Eine Einführung in drei Schritten.

Das Jewish Digital Cultural Recovery Project (JDCRP) hat sich die Schaffung einer durchsuchbaren digitalen Plattform für die archivarische Dokumentation, Forschung und Bildung zum Raub jüdischer Kulturgüter durch die Nationalsozialist:innen, ihrer Verbündeten und Kollaborateur:innen zum Ziel gesetzt. JDCRP setzt sich aktiv für die Zugänglichkeit zu Dokumenten ein, die den NS-Raub belegen, und diese digital und durchsuchbar zur Recherche zur Verfügung zu stellen.

Im Rahmen des durch die Europäische Union und die Claims Conference – gefördert durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) und unterstützt vom Bundesministerium der Finanzen (BMF), sowie durch die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und die Claims Conference – geförderten Projektes bietet JDCRP ein rein digitales Einsteigerseminar in Kooperation mit dem Projektpartner Zentralinstitut für Kunstgeschichte, sowie erstmals auch in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste sowie der Universität zu Köln, an. Es richtet sich zwar vor allem an Studierende, steht aber ausdrücklich allen Interessierten offen. Spezifisches Vorwissen ist ausdrücklich nicht erforderlich, lediglich eine gewisse Erfahrung mit Recherchen im Internet.

Das Online-Seminar besteht aus drei Teilen von je 120 Minuten: 27. Januar, 3. und 10. Februar 2026, 16:00 (s.t.) bis 18:00 Uhr (s.t.). Jede Sitzung bietet ausreichend Raum für Fragen und Diskussion; Feedback durch die Teilnehmenden sowie Austausch über das Seminar ist ausdrücklich erwünscht.

Die Einführung bietet einen Einblick in das Thema anhand von Quellen, die die historischen Prozesse der Ausgrenzung, Verfolgung, Enteignung bzw. Beschlagnahmung und „Verwertung“ von jüdischem Kulturgut dokumentieren. Das Online-Seminar ist zudem eine erste – voraussetzungslose – Einführung in Rechercheansätze, -strategien und -techniken. Es gestattet den Teilnehmenden den Austausch mit Expert:innen. Sowohl die Teilnahme an einzelnen Sitzungen als auch an allen drei Terminen ist kostenlos und ohne Anmeldung oder Registrierung möglich.

Die drei Termine sind chronologisch-thematisch strukturiert und bauen aufeinander auf:

27. Januar 2026: Quellen aus der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945)
Für die Recherche in Täter:innen-Dokumenten werden digitalisierte und analoge Quellen vorgestellt.
Digital: „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“ (ERR) / Jeu de Paume, Göring, Sonderauftrag Linz
Analog und digital: Bildarchiv des ERR in der Photothek des ZI, Auktionskataloge und Zeitschriften aus der Zeit des NS (teilweise via German Sales).

3. Februar 2026: Quellen aus der Nachkriegszeit (nach 1945)
Digitalisierte und analoge Quellen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, angefertigt durch die Alliierten in den Central Collecting Points (CCP), stehen im Vordergrund der zweiten Sitzung.
Digital: CCP München, Fold3, Bundesarchiv; JDCRP: CCP Marburg, CCP Wiesbaden
Analog: Fotografien aus dem CCP München in der Photothek des ZI, Publikationen zu den Tätigkeiten der CCPs.

10. Februar 2026: Weitere wichtige digitale Quellen (Kunsthändler:innenarchive, zentrale Datenbanken)
Forschungsprojekte: Entartete Kunst, Mosse Research etc.Zentrale Datenbanken: Lost Art, Proveana, Getty Provenance Index etc. Forschung zu zentralen Akteur:innen (Kunsthändler:innen, sowohl jüdisch als auch nichtjüdisch): Hugo Helbing (annotierte Auktionskataloge), German Sales Portal, Böhler re:search, Galerie Heinemann online, Forschungsdaten zum Auktionshaus Weinmüller etc. Wiedergutmachungsportal.

In jeder Sitzung werden auch grundsätzliche Fragen diskutiert:
Welche digitalen Ressourcen stellen Archive, Bibliotheken, Museen und der Kunsthandel derzeit bereit? Warum tun sie das?
Welche Quellen müssen nach wie vor in analoger Form konsultiert werden?
Was ist der Unterschied von Lost Art und Art Loss?
Welche digitalen Angebote stellt das JDCRP aktuell (und zukünftig auch mit der zentralen Datenbank des JDCRP zur Verfügung?)
Welche Datenbanken sind für welche Abfragen geeignet?
Worauf muss man beim Recherchieren achten?
Was muss ich wissen und wie muss ich fragen, um Treffer zu erzielen?
Warum findet man bestimmte Objekte oder Personen/Namen, und andere nicht?
Wie können/müssen digitale Quellen mit analogen Quellen bzw. Dokumenten verschränkt werden?
Was bedeutet „Quellenkritik“ im Umgang mit analogen und digitalen Quellen?
Wie kann ich herausfinden, ob in meiner Straße jüdische Familien gewohnt haben und was mit ihnen geschehen ist?
Wie kann ich herausfinden, was mit Kunstwerken und anderen privaten Gegenständen und Sammlungen im Nationalsozialismus geschehen ist und was dann – bis heute – passierte?

Das dreiteilige Online-Seminar ist selbst ein experimentelles edukatives Pilotprojekt: Was lässt sich (überhaupt) in dieser Form vermitteln? Welche Kenntnisse und Kompetenzen können auf diese Weise erworben werden? Das Feedback der Teilnehmenden in jeder Sitzung unterstützt JDCRP dabei, Vermittlungsprogramme konkret auf Erwartungen, Wünsche und Bedarfe abzustimmen und weiterzuentwickeln. Das JDCRP will mit dieser innovativen Vermittlungsform zugleich die Rahmenbedingungen bzw. Voraussetzungen für das „Auffüllen“ der im Aufbau befindlichen zentralen Datenbank ausloten.

Die drei Sitzungen werden durchgeführt von folgenden Expertinnen und Experten: Deidre Berger (JDCRP Chair of the Executive Board), apl. Prof. Dr. Christian Fuhrmeister (Zentralinstitut für Kunstgeschichte/LMU München), Prof. Dr. Meike Hopp (Vorständin der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Magdeburg / Professur für Digitale Praktiken in den Kultur- und Geisteswissenschaften, Universität zu Köln), Dr. Stephan Klingen (Senior Advisor Provenienzforschung Ketterer Kunst) und Anne Uhrlandt MA (JDCRP Senior Research and Documentation Officer).
Die Seminarreihe ist eine Veranstaltung des JDCRP (Jewish Digital Cultural Recovery Project) in Kooperation mit dem ZI und der Universität zu Köln.
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TEILNAHME:
Die Teilnahme ist kostenlos; es ist keine Anmeldung oder Registrierung erforderlich. Dem Zoom-Meeting können Sie unter folgendem Link beitreten: https://us02web.zoom.us/meeting/register/nqqdxsu8S-OVHhETpkD8cQ. Meeting-ID: 856 5934 5839 | Passwort: 148258. Die Seminarsitzungen werden aufgezeichnet. Die Teilnahme setzt eine Einwilligung voraus.
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Zentralinstitut für Kunstgeschichte
Katharina-von-Bora-Str. 10
80333 München
Telefon: +49 89 289-27556
Email: infozikg.eu
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Quellennachweis:
ANN: NS-Raubkunst: Wie kann ich das recherchieren? (Online, 27 Jan-10 Feb 26). In: ArtHist.net, 12.01.2026. Letzter Zugriff 13.01.2026. <https://arthist.net/archive/51463>.

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