Farbe an Wand und Decke. Profane Raumfassungen in der Vormoderne und ihre räumlichen Bezüge.
Gemeinsame Tagung der Kantonalen Denkmalpflege Basel-Stadt und der Hochschule der Künste Bern HKB.
Anmeldung an: martin.moehlebs.ch
Es wird keine Tagungsgebühr erhoben.
Von der farblichen Ausgestaltung der vormodernen Häuser ist heute kein umfassendes Bild mehr zu gewinnen. Während des Mittelalters ist die Bemalung von Wänden, Decken und Gewölben ubiquitär gewesen, verlor jedoch im Kirchenraum seit der Reformation an Bedeutung und verschwand im profanen Bereich im 18. Jahrhundert mit der Verbreitung von Wandbespannungen und Gipsdecken, wobei diese Materialien in der Regel nur eine neue Schicht über die alte Dekoration legten. Mit den Abbrüchen von Klostergebäuden und Wohnhäusern infolge der Industrialisierung und des Stadtwachstums setzten zugleich die Entdeckungen und erneuten Freilegungen in grosser Zahl ein. Im gleichen Umfang wie das bedrohte Stadtbild wurde besonders die figürliche Malerei dokumentiert, teilweise abgelöst und musealisiert.
Die Forschung zur vormodernen Wand- und Deckenmalerei steht daher vor mehreren Herausforderungen, die in der geplanten Tagung diskutiert werden sollen. Erstens kann anhand der bruchstückhaften Überlieferung nur ein ungefähres Gesamtbild von Anzahl, Themen und Motiven der Raumfassungen skizziert werden. Zweitens muss die Erhaltung des Bestandes vor Ort den Anforderungen einer Nutzung oder Musealisierung standhalten. Oftmals wurden Wand- und Deckenmalereien bereits durch vergangene Eingriffe wie Abnahmen, Freilegungen oder Überarbeitungen massgeblich verändert. Drittens stellt sich die Frage, wie die historischen Malereien sichtbar präsentiert werden können. Viertens sind sowohl die Wirkung als auch die Anlässe und die Bedeutung der Bilder nur im Zusammenhang mit ihrer Lokalisierung in den Räumen der Häuser zu deuten. Hier ist erneut zu diskutieren, von wem und für wen die Malereien ausgeführt wurden und wie dieses angesichts der schnellen Besitzerwechsel zu verstehen ist, die für vormoderne Stadthäuser typisch sind.
Die Tagung schliesst an die weitgehende Inventarisierung der Kunstdenkmäler in Basel an, ausserdem an ein Projekt der Hochschule der Künste Bern, eines Departements der Berner Fachhochschule, zu abgelösten und magazinierten Wandmalereien.
Programm:
Donnerstag, 5. März 2026
10:00
Begrüssung durch Daniel Schneller (Kantonaler Denkmalpfleger Basel-Stadt) und Nina Mekacher (Leiterin des Fachbereichs Konservierung und Restaurierung an der HKB Bern)
10:15
Sektion 1: Bestand und Erhaltung
Moderation: Sabine Maurer
10:15
Franca Mader, Christel Meyer-Wilmes ‒ Bestand und Erhaltung: Die Position der Restaurierung. Eine Einleitung
10:45
Tonja van Rooij ‒ Dekorative Wandmalereien aus den Räumen des ehemaligen «Keglins Hus»
an der Hebelstrasse 22 in Basel
11:15
Daniel Grütter ‒ Profane Raumfassungen in der Region Schaffhausen. Ein Überblick.
11:45
Susan Marti, Matthias Studer ‒ Ratspolitik in Grün: Die spätmittelalterlichen Farbfassungen der Kleinen Ratsstube in Bern und ihre Veränderungen
12:15
Mittagspause
14:00
Ron Epstein-Mil, Marina Spörri ‒ Schauplatz Brunngasse Zürich
14:30
Mirjam Jullien ‒ Deckenmalerei im Haus Schneidergasse 24 in Basel
15.00
Eberhard Grether, Maria Grünbaum ‒ Fragmente und ihre Interpretation. Beispiele von Gestaltungen historischer Innenräume aus Freiburg und Umgebung
15:30
Kaffeepause
16:00
Sektion 2: Themen
Moderation: Martin Möhle
16:00
Harald Wolter-von dem Knesebeck ‒ Komposite Bildprogramme in der profanen Wandmalerei des Mittelalters im Bereich rund um den Oberrhein und ihre Bedeutung für die Hausherren
16:30
Claire Meyer-Seiller, Jean-Jacques Schwien ‒ Plafonds peints médiévaux et modernes en Alsace
17:00
Ilona Hans-Collas ‒ Wand- und Deckenmalereien in lothringischen Bauten. Farbige Wohnkultur vom 13. bis zum 16. Jahrhundert
17:30
Pause
18:30
Öffentlicher Abendvortrag: Martin Möhle ‒ Mal was anderes! Imitation in der Wand- und Deckenmalerei Basels
Freitag, 6. März 2026
9:00
Georg Carlen ‒ Möglichkeiten profaner Raumgestaltung mit Malerei und Stuck im schweizerischen Hochbarock
9:30
Guido Linke ‒ Wandmalerei und plastischer Dekor der Spätrenaissance am Amtshaus des Klosters St. Blasien in Kaiserstuhl am Hochrhein (Aargau)
10.00
Anne Vuillemard-Jenn, Terence Le Deschault de Monredon ‒ Plafonds peints et peintures murales au 15 rue des Juifs à Strasbourg
10:30
Kaffeepause
11:00
Sektion 3: Räume
Moderation: Frank Löbbecke
11:00
Matthias Untermann ‒ Foyer, Kammer, Stube, Saal: Beobachtungen zur Funktion ausgemalter Räume.
11:30
Julia Hurlbeck ‒ Dekorationssysteme und Dekorformen in den Häusern der städtischen Oberschicht vor 1350
12.00
Mittagspause
14:00
Ulrike Gollnick, Cornelia Marinowitz ‒ Warum ausgerechnet Schwarz…? Schwarze Anstriche zwischen 785 und 1885 ‒ eine mehr als 1000jährige Tradition
14:30
Stefan Moser, Markus Thome ‒ Von Reisläufern und ungehorsamen Ehefrauen. Raumfassungen des 16. und 17. Jahrhunderts in einem Wohnhaus der Thuner Altstadt
15.00
Conradin Badrutt, Frank Löbbecke ‒ Farbige Räume in Basler Wohnhäusern des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit
15:30
Schlussdiskussion. Kaffee.
Reference:
CONF: Farbe an Wand und Decke (Basel, 5-6 Mar 26). In: ArtHist.net, Jan 12, 2026 (accessed Jan 13, 2026), <https://arthist.net/archive/51454>.