CONF 28.01.2024

Notationen in den Künsten: Theoretische Annäherungen (Berlin, 1-2 Feb 24)

Freie Universität Berlin, EXC 2020 »Temporal Communities: Doing Literature in a Global Perspective«, Otto-von-Simson-Straße 15, 14195 Berlin, 01.–02.02.2024
Anmeldeschluss: 31.01.2024

Alexandra Ksenofontova

Theaterstücke, Aufführungsskripte, Architekturzeichnungen, Musikpartituren, Pantomimen, Drehbücher, Tanznotationen, Opern- und Ballettlibrettos, VR- und Videospielskripte - diese und ähnliche Arten von Artefakten und Schriften scheinen zu einer gemeinsamen Kategorie zu gehören, die oft als "Notationen" bezeichnet wird. Unter diesem umstrittenen Begriff möchten wir vorläufig all jene Werke subsumieren, die sich wesentlich auf die Produktion eines anderen Kunstwerks beziehen. Als solche sind Notationen nicht nur Mittel der Kommunikation zwischen Künstler:innen, sondern auch künstlerisches Mittel, um sich mit der Materialität verschiedener Medien und mit Formen und Funktionen von Zeitlichkeit auseinanderzusetzen. Notationen können ein zukünftiges Kunstwerk vorwegnehmen, sie können aber auch eine Performance aufzeichnen, die in der Vergangenheit liegt; als Mittel der Verschriftlichung und der Transkription stellen sie transtemporale Verbindungen zwischen Künstler:innen und Publikum her, die in unterschiedlichen Zeiten leben.

Obwohl Notationen historisch gesehen ein unverzichtbarer Bestandteil der allermeisten künstlerischen Praktiken sind, ist der ästhetische Wert von Notationen spätestens seit der frühen Neuzeit Gegenstand heftiger Debatten. Dies liegt möglicherweise maßgeblich daran, dass Notationen typischerweise einen funktionalen Aspekt aufweisen: Sie dienen der Herstellung eines Kunstwerks und werden im Allgemeinen mit Blick auf diese potenzielle Verwendung verfasst. Gleichzeitig wurden einige Arten von Notationen historisch als autonome Werke der Kunst und Literatur kanonisiert. Theaterstücke erlangten zur Zeit des elisabethanischen Theaters den Status literarischer Werke; das Berliner Museum für Architekturzeichnung präsentiert seine Exponate als grafische Kunstwerke; und Drehbücher werden seit den Anfängen des Kinos als Bücher und in Literaturzeitschriften veröffentlicht. Notationen sind also von mindestens doppeltem Interesse: als Artefakte, die Einblick in den künstlerischen Prozess gewähren, und als Kunstwerke an sich.

Entsprechend dieser doppelten Bedeutung zielt der Workshop darauf ab, die "theoretischen Herausforderungen", vor die Notationen das wissenschaftliche Feld stellen, in einem doppelten Sinne zu untersuchen. Einerseits sind wir daran interessiert, wie Notationen bestehende Theorien, Historiographien und Philosophien der Künste und der Literatur produktiv problematisieren. Andererseits wollen wir blinde Flecken in der bisherigen Forschung zur Theorie der Notationen adressieren und diskutieren.

Programm

Donnerstag, 1. Februar 2024
10:00 – 10:15 Begrüßung und Einführung, Dr. Alexandra Ksenofontova und Dr. Anna Luhn (EXC 2020/Freie Universität Berlin)
10:15 – 11:15 Prof. Sybille Krämer (Leuphana Universität Lüneburg). Das Phänomen der ‚Schriftbildlichkeit‘ oder: Was haben alle Notationen gemeinsam und warum sind Schriftkunstwerke gerade keine Notationen mehr?
11:15 – 11:30 Kaffeepause
11:30 – 12:30 Dr. des Elena Minetti (Universität Paderborn). Schrift als Werkzeug in Kompositionsprozessen früher musique mixte
12:30 – 13:30 Dr. Samira Spatzek (EXC 2020/Freie Universität Berlin). Vestimentäre Notationen? Einblicke in den Modejournalismus der US-amerikanischen Vogue (1892–1902)
13:30 – 15:00 Mittagspause
15:00 – 16:00 Prof. Gabrielle Brandstetter (Freie Universität Berlin). Bewegungs-Partituren. Körper-Spuren zwischen Performance und Archiv
16:00 – 17:00 Dr. Nina Tolksdorf (EXC 2020/Freie Universität Berlin). „Metaphysische Stammeleien“. Darstellungsverfahren der literarischen Pantomime

Freitag, 2. Februar 2024
10:15 – 11:15 Prof. Tina Hartmann (Universität Bayreuth). Der Traum vom Klang. Notations- und Musikexperimente im Roman vom Barock bis in die Gegenwart
11:15 – 12:15 Prof. Susana González Aktories (Universidad Nacional Autónoma de México). Stille Partituren: Gedichte mit den Augen hören
12:15 – 13:30 Mittagspause
13:30 – 14:30 Prof. Georg Witte (Freie Universität Berlin). Notation als Falle
14:30 – 15:30 Prof. Simon Roloff (Leuphana Universität Lüneburg). Post-Code: Zeitgenössische Notationen Künstlicher Neuronaler Netze
15:30 – 15:45 Kaffeepause
15:45 – 16:45 Dr. Alexandra Ksenofontova (EXC 2020/Freie Universität Berlin). Prolegomena zu einer Epistemologie der Notationen

Organisiert von Alexandra Ksenovontova und Anna Luhn.

Programm zum Download als PDF: https://www.temporal-communities.de/pdf/events/2024/klappkarte_notationen.pdf

Anmeldung unter: a.ksenofontovafu-berlin.de

Quellennachweis:
CONF: Notationen in den Künsten: Theoretische Annäherungen (Berlin, 1-2 Feb 24). In: ArtHist.net, 28.01.2024. Letzter Zugriff 06.04.2026. <https://arthist.net/archive/41078>.

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