Vorträge KunstBewusst in Köln 4. Quartal 10:
The Hopeless Animal and The End of Nature
Mark Z. Danielewski
Donnerstag 30.09.2010, 19.00 Uhr
Vortrag (engl.) anlässlich der Ausstellung "Auf Leben und Tod".
Gemeinsam veranstaltet mit der Fritz Thyssen Stiftung.
Ort: Stiftersaal im Wallraf, Köln
Die Frage des Menschheits-Dilemmas "Raum" wird in der Nomenklatur des
Natürlichen angegangen, genauer: mittels Positionierung des Tieres als
Partner, Gegenspieler, Anekdote, Dozent, Projektionsfläche, Allegorie,
Stellvertreter, Gefäß, Wächter, Differenz, das Gleichgültige,
Notwendigkeit, Gefangener, Gottheit, Chiffre und schließlich als das
unausdenkend Menschliche. Daraus ergibt sich selbstverständlich eine
breite Themenpalette: von der emotionalen Topographie von Furcht und
Hoffnung über selbstgemachte Oberflächen des Verneinens bis hin zu
Nacktheit, Pelzfetischismus, mechanisierter Begleitung - aber auch
mittelalterlichen Bestiarien, Zoos, der Haustier-Industrie (ganz zu
schweigen von bildgewordenen Idyllen, Tierfotografie und drolligen
Kreaturen auf youtube). Aufmerksame Seitenblicke fallen auf Denker wie
Walton Ford, Giorgio Agamben, Valentino Braitenberg, Temple Grandin und
vielleicht Cesar Milan. Ob Danielewski es tatsächlich schafft, all das
zu einem kohärenten Ganzen zusammen zu ziehen, bleibt vorerst unklar.
Vor allem, da dieses Ganze natürlich auch Themenbereiche wie
synthetische Intelligenz, spekulative Fiktion und die Architektur des
Schicksals umfassen muss. Trotzdem wird er am Ende des Vortrages
vielleicht deutlich gemacht haben, warum - bei einer Betrachtung des
menschlichen Raum-Dilemmas unter tierischem Aspekt - die Natur jetzt
notwendigerweise an ein Ende gelangt. Möglicherweise dient ihm das Alles
aber auch nur als pompöse Ausrede, um über seine Katze zu sprechen.
Mark Z. Danielewski (* 1966) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller
und Denker, der vor allem mit seinem Kultroman "House of Leaves" zu
internationaler Berühmtheit gelangt ist.
hinter geschlossenen türen
Clemens von Wedemeyer
Dienstag 05.10.2010, 19.00 Uhr
Vortrag und kommentierte Vorführung von Filmen anlässlich der
Ausstellung "Bilder in Bewegung. Künstler & Video/Film". Gemeinsam
veranstaltet mit der Fritz Thyssen Stiftung.
Ort: Kino im Museum Ludwig (Vortragssaal), 1. Etage, Köln
Ausgehend von der Arbeit "Big Business", die in der aktuellen
Ausstellung im Museum Ludwig zu sehen ist, spricht CvW über Fragen von
Inszenierungen hinter geschlossenen Türen. So, wie in einer
Justizvollzugsanstalt das Remake von "Big Business" entstand,
untersuchte CvW in seiner letzten Ausstellung "The Fourth Wall" Fragen
der physischen und zeitlichen Trennung zwischen Publikum und realen oder
gespielten Situationen: Mit "The Fourth Wall", der "Vierten Wand",
bezeichnet das Theater seit Diderot die imaginierte Trennung zwischen
Bühnen- und Zuschauerraum, die es Schauspielern erlaubt, authentisch zu
scheinen, so als seien sie "unter sich". Sie verschafft dem Publikum die
Illusion, die Bühnenhandlung sei "echt". CvW überträgt das Konzept in
seiner Ausstellung auf Anthropologie und ihre medialen Werkzeuge.
Der Videokünstler Clemens von Wedemeyer lebt und arbeitet in Berlin.
Bildschöpfung als Totgeburt. Der Leichnam in der Kunst
Dr. Kristin Marek
Donnerstag 14.10.2010, 19.00 Uhr
Vortrag anlässlich der Ausstellung "Auf Leben und Tod". Gemeinsam
veranstaltet mit der Fritz Thyssen Stiftung.
Ort: Stiftersaal im Wallraf, Köln
Dr. Kristin Marek zeigt, dass sich seit dem Mittelalter in der
westlichen Bildkultur immer wieder radikale Darstellungen finden, die
den Leichnam in schockierender Unmittelbarkeit zeigen. Sie reichen von
den Transigrabmälern des späten Mittelalters, die verwesende Tote voller
Gewürm und Getier in ungemilderter Direktheit zeigen, Mantegnas
frontaler Ansicht einer Beweinung Christi, Holbeins d. J. Bild eines
isolierten Christus im Grabe, Rembrandts Blicken auf den Leichnam in der
Anatomie des Dr. Tulp, Geldorps Totenbildnissen, Davids totem Marat,
Bayards fotografischem Selbstporträt als Ertrunkener und schließlich den
aktuellen Arbeiten von Serrano, Margolles oder Koelbl. Der Leichnam im
Bild setzt eine ganze Reihe an bild- und medienreflexiven Momenten in
Gang, denen an Beispielen nachgegangen wird.
Dr. Kristin Marek ist Kunsthistorikerin an der Ruhr-Universität Bochum.
Waren Picasso und Modigliani Bohèmiens? Ein Streiflicht auf die Pariser
Kunstszene nach 1900
Dr. Gerhard Kolberg
Dienstag 19.10.2010, 19.00 Uhr
Vortrag anlässlich der Ausstellung "La Bohème". Gemeinsam veranstaltet
mit der Fritz Thyssen Stiftung.
Ort: Kino im Museum Ludwig (Vortragssaal), 1. Etage, Köln
Zu den populärsten Protagonisten der europäischen künstlerischen
Avantgarde des anbrechenden 20. Jahrhunderts zählen Pablo Picasso und
Amedeo Modigliani. Um ihre "wilden Jahre" inmitten einer aufblühenden
internationalen Kunstszene in Paris ranken sich romantisch verklärende
Geschichten und Anekdoten. In Wahrheit waren diese Jahre des Aufbruchs
geprägt vom harten Ringen um die öffentliche Anerkennung ihrer, die
bildende Kunst revolutionierenden neuen Formen der Gestaltung. Dabei
begleiteten sie der Eros und kreative Künstlerfreundschaften, wiewohl
auch menschliche Tragödien, der Alkohol und bittere soziale Notlagen.
Dr. Gerhard Kolberg war langjähriger Kurator des Museum Ludwig und ist
Experte für die Kunst des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.
Von der Wiege bis zur Bahre
Prof. Markus Rothschild, Prof. Jan C. Schmolling, Dr. Andreas Blühm und
Dr. Roland Krischel
Donnerstag 28.10.2010, 19.00 Uhr
Vortrag anlässlich der Ausstellung "Auf Leben und Tod". Gemeinsam
veranstaltet mit der Fritz Thyssen Stiftung.
Ort: Stiftersaal im Wallraf, Köln
Nachdrücklicher als sonst im Museum üblich wirft die aktuelle
Ausstellung des Wallraf "Auf Leben und Tod" existentielle Fragen auf.
Sie betreffen die Wechselfälle des Lebens, den Prozess des Alterns,
besonders aber auch Beginn und Ende des irdischen Daseins. Aus diesem
Anlaß bringen wir zwei namhafte Mediziner zusammen, die sich hautnah mit
Geburt und Tod befassen: Erstmals begegnen sich der Chefarzt der
Gynäkologie und Geburtshilfe im Augustinerinnenkrankenhaus in Köln und
der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums
Köln in einer öffentlichen Diskussion. Andreas Blühm und Roland Krischel
befragen sie zu ihrer Arbeit und zum Bild von Leben und Tod in der
heutigen Gesellschaft.
Die Trägheit der Dinge - Objekte und Performance
Suchan Kinoshita und Emily Evans
Dienstag 02.11.2010, 19.00 Uhr
Gespräch anlässlich der Ausstellung "Sushan Kinoshita". Gemeinsam
veranstaltet mit der Fritz Thyssen Stiftung.
Ort: Kino im Museum Ludwig (Vortragssaal), 1. Etage, Köln
In ihrer Arbeit verbindet die Künstlerin und Akademieprofessorin Suchan
Kinoshita Objekt mit Aktion und Performance mit Nachsinnen. Denn bei ihr
spielen alle Elemente und alle Personen eine Rolle, oder sogar gleich
verschiedene Rollen. In der Ausstellung im Museum Ludwig setzt sie
skulpturale und architektonische Elemente ein, von groß bis klein, um
die Wahrnehmung des Zuschauers von Material, Raum und Zeit infrage zu
stellen. In diesem Gespräch geht es um unterschiedliche Aspekte ihrer
Erfahrung mit der Neuen Musik und experimentellem Theater, und wie diese
in ihrer Ausstellung zum Ausdruck kommen.
Die Künstlerin Suchan Kinoshita lebt und arbeitet in Amsterdam. Emily
Evans ist wissenschaftliche Volontärin am Museum Ludwig und Kuratorin
der Ausstellung.
Die Ästhetik der Selbstbestimmung
Ulrich Krempel und Bernhard Lüthi
Dienstag 23.11.2010, 19.00 Uhr
Gespräch anlässlich der Ausstellung "Remembering Forward - Malerei der
australischen Aborigines seit 1960". Gemeinsam veranstaltet mit der
Fritz Thyssen Stiftung.
Ort: Kino im Museum Ludwig (Vortragssaal), 1. Etage, Köln
Der Künstler Bernhard Lüthi und der Kunsthistoriker Ulrich Krempel geben
Auskunft über das Zustandekommen und die Zielsetzung der Ausstellung,
die 1993 unter dem Titel ARATJARA - Kunst der ersten Australier in
Düsseldorf eröffnet wurde. Ursprünglich aus der Planung für die
epochale, 1989 im Centre Pompidou eröffnete Ausstellung Magiciens de la
Terre hervorgegangen, entwickelte sich ARATJARA unter Einbeziehung auch
der urbanen Kunst, zum ersten umfassenden Überblick der Kunst Aboriginal
Australiens. Von Anbeginn als Überblicksausstellung konzipiert,
profitierte ARATJARA vor allem von der intensiven Zusammenarbeit mit
Aboriginal Künstlern, gemeinsam mit der ideellen Unterstützung von
Aboriginal Organisationen. So beweist sich Remembering Forward als
logische und bedeutungsvolle Fortsetzung einer Reihe von Projekten, die
künftig mit der Präsentation des Werks von weiteren
Künstlerpersönlichkeiten zu vervollständigen ist.
Russische Wege im Kosmos der Avantgarde: Vom Kubofuturismus zum
Suprematismus
Prof. Ada Raev
Dienstag 30.11.2010, 19.00 Uhr
Vortrag zur Veröffentlichung der Publikationen zur Russischen
Avantgarde. Gemeinsam veranstaltet mit der Fritz Thyssen Stiftung.
Ort: Kino im Museum Ludwig (Vortragssaal), 1. Etage, Köln
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchlief die russische Kunst in
Auseinandersetzung mit der westlichen Avantgarde und in Rückbesinnung
auf nationale künstlerische Traditionen eine rasante Entwicklung. In nur
wenigen Jahren lösten Postimpressionismus, Neoprimitivismus,
Kubofuturismus und Suprematismus einander ab. Kubofuturistische
Bildwerke überraschten durch die gleichzeitige Zerlegung und
Neukonstituierung von bewegten Bildgegenständen und ihre Verschmelzung
mit dem Raum. Daraus entwickelten Malewitsch und andere mit Bezugnahme
auf die Ikonen gegenstandslose Kompositionen aus reinen Farbflächen, die
mit dem Begriff des Suprematismus als neue, universale Kunstsprache mit
utopischem Potential definiert wurde.
Ada Raev ist Professorin für Slavische Kunst- und Kulturgeschichte an
der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.
Privatsammler und Museen
Harald Falckenberg
Donnerstag 02.12.2010, 19.00 Uhr
Vortrag anlässlich der Ausstellung "Auf Leben und Tod". Gemeinsam
veranstaltet mit der Fritz Thyssen Stiftung.
Ort: Stiftersaal im Wallraf, Köln
Heute sind Museen mit großen Sammlungen längst zu Ausstellungshäusern
geworden. Für die Hamburger Kunsthalle wurde festgestellt, dass 90 % der
Besucher zu den Ausstellungen und nur 10 % in die Sammlung kommen. Es
wurden letztes Jahr in der Kunsthalle etwa 30 Ausstellungen gemacht, die
ohne Unterstützung der Künstler, Galeristen und Sammler kaum denkbar
wären. Die Position des Sammlers hat sich deshalb deutlich verschoben:
Er wird für Ausstellungen, aber nur noch bedingt für die Sammlungen
gebraucht. Zudem gab es seit 2000 eine Explosion der Kunstpreise. Für
die ohnehin finanziell gebeutelten Museen, aber auch für Sammler wird
die Lage schwierig. Sie steuern auf eine Zweiklassengesellschaft, die
Reichen und die weniger Bemittelten, zu. Viele der "Reichen" setzen die
Museen unter Druck und gründen Privatmuseen oder betreiben eigene
Ausstellungsräume.
Harald Falckenberg sammelt unbequeme und radikale Kunst.
Turkey Tolson Tjupurrula: Straightening Spears
Dr. Georges Petitjean
Dienstag 07.12.2010, 19.00 Uhr
Vortrag (engl.) anlässlich der Ausstellung "Remembering Forward".
Gemeinsam veranstaltet mit der Fritz Thyssen Stiftung.
Ort: Kino im Museum Ludwig (Vortragssaal), 1. Etage, Köln
Turkey Tolson Tjupurrulas (1938-2001) lange Karriere, sowie seine
unbestreitbare Meisterschaft, seine Geschichten mit synthetischen Farben
auf Leinwand zu übertragen, haben ihm in seiner eigenen Community wie
auch in der internationalen Kunstwelt hohen Respekt eingebracht. Sein
Gemälde "Straightening Spears at Ilyingaungau", welches auf Zeremonien
seiner Ahnen in der "Dreamtime" basiert, ist eines der
bemTerkenswertesten Meisterwerke der Western Desert-Art. Dieses Bild ist
ein außergewöhnliches Beispiel für die Innovation in der langen
Tradition des Kunstschaffens in der australischen Western Desert.
Darüber hinaus illustriert die Wirkungsgeschichte von "Straightening
Spears" die verschiedenen Stufen auf denen sich der Übergang von
Aboriginal Art in die Kunstwelt ereignet hat.
Dr. Petitjean ist Kurator des Museum of contemporary Aboriginal Art in
Utrecht.
Rembrandt und Sigmund Freud: Eine Begegnung der unheimlichen Art (auch
in Köln)
Dr. Thomas Ketelsen
Donnerstag 16.12.2010, 19.00 Uhr
Vortrag anlässlich der Publikation der Grafik-Heft-Reihe "Der ungewisse
Blick". Gemeinsam veranstaltet mit der Fritz Thyssen Stiftung.
Ort: Stiftersaal im Wallraf, Köln
1883 machte Sigmund Freud bei seinem Besuch der Dresdner Gemäldegalerie
eine außergewöhnliche Erfahrung mit weitreichenden Folgen für die
Geschichte der Psychoanalyse. Zum einen gelangte Freud vor Raffaels
"Sixtinischer Madonna" zu einer Interpretation, deren Vorgehensweise die
erst später systematisierte Traumdeutung vorweg nahm. Zum anderen begann
in Dresden die intellektuelle Beschäftigung Freuds mit dem Werk
Rembrandts, die sein ganzes Leben lang anhalten sollte. Im Vortrag wird
Freuds Beziehung zu Rembrandt vor dem Hintergrund seiner
religionswissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte des
Judentums und dem aufkommenden Antisemitismus in den 1930er Jahren
beleuchtet.
Dr. Ketelsen ist neuer Leiter der Graphischen Sammlung im Wallraf.
Freunde des Wallraf-Richartz-Museums und des Museums Ludwig e.V.
Geschäftsstelle im Wallraf-Richartz-Museum
Martinstraße 39
50667 Köln
Telefon: 0221-25743-24
Fax: 0221-25743-76
E-Mail: streichert-freundet-online.de
Quellennachweis:
ANN: Vortragsreihe KunstBewusst (Koeln, Sep-Dec 10). In: ArtHist.net, 17.09.2010. Letzter Zugriff 18.04.2026. <https://arthist.net/archive/32956>.