CFP: Methoden der Aufklärung.
Ordnungsmuster der Wissensvermittlung
und Erkenntnisgenerierung in Literatur und Kunst,
Halle (Saale) 01/11
Graduiertenkolleg Aufklärung - Religion - Wissen.
Transformationen des Religiösen und des Rationalen in der Moderne
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Konzeption und Organisation: Dr. Silke Förschler / Nina Hahne M.A.
27.01.-29.01.2011
Deadline: 15.10.2010
Die erkenntnistheoretischen und ästhetischen Reflexionen der Aufklärung
kennzeichnet ein ausgeprägtes Methodenbewusstsein. In zahlreichen
Artefakten der Kunst und Literatur des 18. Jahrhunderts finden sich
spezifische, medienabhängige Ordnungsmuster, durch die Wissen
breitenwirksam vermittelt oder die Erkenntnisfähigkeit des Rezipienten
befördert werden soll. Die Beschreibung der aufklärungsspezifischen
Methodenbegriffe, die diesen Ordnungsmustern zugrunde liegen, kann
Aufschluss über Veränderungen und Innovation in den Artefakten geben. So
lassen sich anhand der Bezugnahme auf Newtons "Opticks" (1704) in der
Farbentheorie und in der Malpraxis neue "wissenschaftliche Kunstregeln"
beobachten, die sich an idealen Modellen und an empirischen
Beobachtungen orientieren. In Jean Siméon Chardins Stilleben und
Genrebildern beispielsweise sind die Gegenstände nach Regeln
zusammengestellt, die Oberfläche, Farbigkeit und Reflexion ins Zentrum
rücken. Farbe als Phänomen wird unabhängig vom Gegenstand ins Bild
gesetzt. In der Literatur lässt sich zum Beispiel die dialogische
Methode bei Fontenelle, Shaftesbury und Lessing mit Bezug auf das
Sokratische Modell beschreiben. Die hier entworfenen Konzepte
konstituieren "Dialog" als ein aufgeklärtes Paradigma.
Ausgehend von diesen Befunden möchte die Tagung künstlerische und
literarische Formen, Wissen darzustellen, aufzugreifen und zu
reflektieren, mit dem historisch-zeitgenössischen Methodenverständnis in
Verbindung bringen. Die heterogene Breite zeitgenössischer
Methodenkonzeptionen erweist sich bereits durch einen Blick in
Nachschlagewerke oder erkenntnistheoretische Literatur. So wird im
"Zedler" die Methode als diejenige Ordnung bestimmt, nach welcher man
die Wahrheit erfindet und auch beurteilt. Als Grundsatz gilt dabei, dass
"eine Erfindung von Wahrheit nach Belieben angeordnet werden kann",
solange dies "nicht ungeschickt oder lächerlich" geschieht. Der
Mathematiker und Philosoph Heinrich Engelhard Poley benennt in seiner
1757 erschienenen und ausführlich kommentierten Übersetzung von John
Lockes "Essay Concerning Human Understanding" als Inventar der
Erkenntnisfindung nicht nur die (mathematisch-deduktive) Methode der
Vernunft, sondern auch die Methode der Zusammenfügung von Gedanken nach
ihrer Ähnlichkeit, sowie die (empirisch-induktive) Methode der Sinne,
der Phantasie und des Witzes. Die im 18. Jahrhundert verwendeten
Methoden basieren auf der Konzeption einer rationalen Methode durch
Descartes und einer empirischen Methode durch Bacon und Locke im 17.
Jahrhundert. Jedoch gehen sie über diese hinaus und verbinden sich je
nach Wissensfeld mit Kunst- und Literaturtheorien, mit der formalen
Anordnung in Texten und Bildern, mit einem künstlerischen Stil oder mit
den Darstellungen der Artefakte.
Das Thema der Tagung schließt an Untersuchungen der letzten Jahre an,
die spezifisch künstlerische und literarische Verfahren der
Wissensgenerierung zu ihrem Gegenstand machen (Michael Baxandall, Werner
Busch, Horst Bredekamp, Barbara Maria Stafford, Joseph Vogl, Nicolas
Pethes). Die Tagung möchte einen Beitrag zur Beantwortung der Frage
leisten, welche Verfahrensweisen im 18. Jahrhundert als Methode
diskutiert werden und auf welche Weise diese in Artefakten zur
Produktion von Wissen eingesetzt werden. Dazu ist sowohl der Bezug auf
theoretische Texte der Methodendiskussion als auch die detaillierte
Analyse künstlerischer Werke und literarischer Texte notwendig. Anhand
von aussagekräftigen Fallstudien aus Kunst und Literatur soll das
Verhältnis von Theorie und Praxis aufgezeigt werden. Die Vorträge können
die gesamte Breite von Wissensgebieten des 18. Jahrhunderts zum Ausgang
nehmen (zum Beispiel naturhistorisches, anthropologisches,
philosophisches, theologisches, ökonomisches, juridisches, pädagogisches
sowie künstlerisches oder literarisches Wissen).
Ziel der Tagung ist eine Bestandsaufnahme von künstlerischen
Verfahrensweisen, die Ordnungsmuster der Wissensgenerierung in Texten
und Bildern der Aufklärung bilden und die sich mit dem
historisch-zeitgenössischen Methodenverständnis in Verbindung bringen
lassen oder von methodischen Konventionen abweichen. Ebenfalls von
Interesse ist die Frage nach dem möglichen Einfluss der vorgestellten
Artefakte auf Paradigmen der Aufklärung, auf Ordnungen von Wissen und
auf Bestandteile aufgeklärter Methoden.
Folgende Fragestellungen können als Ausgangspunkte für Vorträge dienen:
- Welchen literarischen Formen oder künstlerischen Genres wird in der
zeitgenössischen Selbstreflexion der Aufklärung das Potential
zugesprochen, für die Vermittlung von Wissen oder die Beförderung der
Erkenntnisfähigkeit besonders geeignet zu sein?
- Wie wird das Verhältnis von Erkenntnis, Methode und Artefakten
formuliert? Welche Rolle soll der Rezipient, der Leser oder
Betrachter, einnehmen?
- Anhand welcher formalen und stilistischen Mittel können aus einer
heutigen Perspektive Prozesse der Wissensvermittlung und
Erkenntnisfindung beschrieben werden?
Die Tagung findet vom 27.01.-29.01.2011 in Halle (Saale) statt. Erbeten
werden bis zum 15.10.2010 Exposés von maximal 300 Wörtern aus den
Fachbereichen Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft,
Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Wissenschaftsgeschichte und
Philosophie sowohl an nina.hahnenetzwerk-arw.uni-halle.de als auch an
silke.foerschlernetzwerk-arw.uni-halle.de. Die Vortragsdauer sollte 30
Minuten nicht überschreiten. Das CfP richtet sich ausdrücklich auch an
Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. Wir freuen
uns auf Ihre Vorschläge und eine angeregte Diskussion.
Landesforschungsschwerpunkt Aufklärung - Religion - Wissen.
Transformationen des Religiösen und des Rationalen in der Moderne
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Franckeplatz 1, Haus 24
06110 Halle (Saale)
www.exzellenz-netzwerk-arw.uni-halle.de
Quellennachweis:
CFP: Methoden der Aufklaerung (Halle, 27-29 Jan 11). In: ArtHist.net, 16.09.2010. Letzter Zugriff 18.04.2026. <https://arthist.net/archive/32913>.