Vortragsreihe "Ein Gott -- kein Bild?
Konstitutionen von Bildpraxis und Bilderverbot zwischen Judentum,
Christentum und Islam"
in Basel und Berlin 2010
In aktuellen Diskussionen wird der christliche Umgang mit Bildern immer
wieder der islamischen Bilderfeindlichkeit entgegengesetzt. Das war
jedoch nicht immer so -- vielmehr wird beispielsweise in den Berichten
der ersten Kreuzfahrer ganz im Gegenteil betont, dass die Muslime im
Gegensatz zu ihnen heidnische Bildverehrer seien. Kurz: Die Geschichte
der monotheistischen Bilddebatten ist geprägt von wechselseitigen
Abgrenzungen, Zuschreibungen und Identifikationen -- von der
Entstehungszeit der Religionen bis heute.
So rückt die Vortragsreihe -- entgegen den oft postulierten Oppositionen
-- in den Blick, dass sich christliche, jüdische und islamische
Bildkulturen nicht etwa unabhängig von einander im Rückgriff auf die
jeweils dogmatischen Texte entwickelt haben, sondern vielmehr im Kontakt
und in der Auseinandersetzung miteinander. Dabei wird auch deutlich,
dass sich theologische Dogmen und populäre Praxis nicht notwendig
entsprechen -- und welche Unterschiede innerhalb der einzelnen
Religionen bestehen.
Ein erster Block fokussiert gegenwärtige Bildkulturen in jüdischen,
christlichen und islamischen Kontexten. Der zweite zieht historische
Beispiele hinzu, um Zuschreibungen, Argumentationen und Beziehungen zu
historisieren und zu relativieren. In dieser Perspektive werden die
Bildpraktiken der abrahamitischen Religionen statt in einer
fundamentalen Gegensätzlichkeit in einem gemeinsamen kulturellen
Zusammenhang verständlich.
I. Bildpraxis und Bilderverbot in der Gegenwart
Silvia Naef, Genf (Basel: 21. April/Berlin: 22. April 2010)
Vom Bilderverbot zur Bilderflut - islamische Positionen zu einem
globalen Phänomen
Gabriel Hanganu, Oxford (Basel: 5.Mai/Berlin: 6. Mai 2010)
Social lives of Orthodox Christian icons - biography and politics
David Morgan, Duke University (Basel: 19.Mai/Berlin: 20. Mai 2010)
Media and Mediation: Protestantism and the Power of Sacred Information
Margaret Olin, Yale University (Basel: 10. Juni/Berlin: 17. Juni 2010)
Visible/Invisible: What do Jewish visual practices look like?
II. Bildpraxis und Bilderverbot zwischen Spätantike und Mittelalter
Jas Elsner, Oxford (Basel: 27. Oktober 2010)/ Barbara Schellewald, Basel
(Berlin: 28. Oktober 2010)
Iconoclasm as visual discourse: from Antiquity to Byzantium/
Bilderverbot ohne Bildersturm - Der byzantinische Bilderstreit
Steven Fine, Yeshiva University (Basel: 10. November, Berlin: 11.
November 2010)
God's Artisan: Bezalel the Tabernacle Builder and the History of Jewish
Art in Late Antiquity
Finbarr Barry Flood, New York University (Basel: 1. Dezember/Berlin: 2.
Dezember 2010)
Rethinking Representation: Islamic Law as a Source for Image Theory
Thomas Lentes, Münster (Basel: 15. Dezember/Berlin: 16. Dezember 2010)
Wer Bilder stürmt, tötet Religion. Ein Blick aus dem christlichen
Mittelalter
Die Vorträge finden jeweils einmal in Basel und einmal in Berlin statt,
der Eintritt ist frei.
Basel: Jeweils um 19.00 Uhr im Forum des NFS Bildkritik -- eikones, Alte
Universität, Rheinsprung 11, Basel.
Berlin: Jeweils um 19.00 Uhr im Mschatta-Saal des Museums für Islamische
Kunst im Gebäude des Pergamonmuseums.
Konzeption: Prof. Dr. Barbara Schellewald, Kunsthistorisches Seminar der
Universität Basel und Dr. Vera Beyer, DFG Emmy Noether-Nachwuchsgruppe
"Kosmos/Ornatus. Ornamente in Frankreich und Persien um 1400 im
Vergleich", Kunsthistorisches Institut der Freien Universität Berlin in
Kooperation mit dem Nationalen Forschungsschwerpunkt Bildkritik --
eikones, Basel und dem Museum für Islamische Kunst, Berlin.
Kontakt: vera.beyerfu-berlin.de / barbara.schellewaldunibas.ch
www.fu-berlin.de/kosmos_ornatus
Quellennachweis:
ANN: Vortragsreihe "Ein Gott - kein Bild?" (Basel/Berlin, Apr-Dec 10). In: ArtHist.net, 09.04.2010. Letzter Zugriff 02.04.2026. <https://arthist.net/archive/32628>.