Materialprobe 4
Die Materialität der Konstruktion. Graphische Verfahren der
Welterzeugung
Kolloquium der Forschungsinitiative "Wissen im Entwurf" am
Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin und dem
Kunsthistorischen Institut (Max-Planck-Institut) in Florenz in
Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunstgeschichte, Universität Wien
Institut für Kunstgeschichte, Universität Wien, 12. - 13. November 2009
>Materialprobe< bezeichnet eine Serie von Kolloquien, die gemeinsam mit
den Mitgliedern Netzwerkes von >Wissen im Entwurf< an wechselnden Orten
Fallstudien aus dem Zusammenhang der Forschungsinitiative präsentieren
und die exemplarisch und materialnah jeweils ein Feld oder einen Modus
des forschenden Schreibens und Zeichnens untersuchen. Die
>Materialproben< stellen unterschiedliche Herangehensweisen an das
Material vor und dienen der gemeinsamen methodischen und theoretischen
Erschließung von >paper tools<.
Die vierte Materialprobe konzentriert sich auf die materielle Realität
von Konstruktionsprozessen, sprich auf den konkreten Akt der
Konstruktion in den Künsten und Wissenschaften der Moderne. Konstruktive
Vorgänge waren und sind häufig an graphische Oberflächen gebunden, auf
denen aufgezeichnet wird, was sichtbar gemacht oder geschaffen werden
soll. Sie kennzeichnet eine Dynamik der Zielorientiertheit, die
vorausgreifend Potenzialität vorstellt. Das Ziel, etwas zur Erkenntnis
und zur Existenz bringen zu wollen, schließt also von Anfang an ein
konstruktives Begehren ein, das ein unkalkulierbares kreatives und/oder
imaginatives Moment einbringt und eine Performanz des Ablaufs erzeugt.
Die Bandbreite der hier angesprochenen Aspekte umfasst so
unterschiedliche Phänomene wie die Methoden der darstellenden Geometrie,
die verschiedensten diagrammatischen und perspektivischen Verfahren in
technischen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Entwurfs- oder
Rekonstruktionsprozessen oder den konstruktiven Zugriff auf Schrift -
beispielsweise in der Erstellung von Wortlisten oder Plänen. Alle diese
graphischen Hilfsmittel der Konstruktion sind keineswegs arbiträr,
sondern gehen von bestehendem Wissen, Apparaturen und Kunstfertigkeiten
aus. Aber trotz der Regelgeleitetheit und der häufig zu beobachtenden
Konventionalisierung oder Standardisierung bleibt ein unvordenklicher
und latenter Faktor des Konstruierens bestehen. Wenn man »techné« als
dem Wissen nicht nachgeordnet versteht, sondern als essentiellen Anteil
der Wissensproduktion, können die beiden zentralen Funktionen der
graphischen Konstruktion in den Blick geraten: zum einen die
Aussonderung all jenes Wissens, das für die gezielte Umsetzung nicht
(mehr) von Relevanz ist; zum anderen die Antizipation von neuen
Quantitäten, Formen oder Raumordnungen.
Anmeldungen bitte per Email an: Jutta Voorhoeve, voorhoeve|at|khi.fi.it
PROGRAMM
Donnerstag, 12. November 2009
14.00 Begrüßung
Lioba Theis (Wien)
14.15 Einleitung
Jutta Voorhoeve (Florenz)
14.30 Wolfgang Pircher (Wien)
Konstruieren aus Begriffen oder aus der Anschauung
15.30 Pause
16.00 Stephan Trüby (Zürich)
Generierungsräume des Architektonischen
17.00 Steffen Bogen (Konstanz)
Planquadrate. Funktionen des kartographischen Index
18.00 Pause
19.00 Abendvortrag
Friedrich Teja Bach (Wien)
Konstruktion: Die Geschichtlichkeit der Präzision
Freitag, 13. November 2009
10.00 Bernhard Siegert (Weimar)
Wasserlinien - Der gekerbte und der glatte Raum als Agenten der
Konstruktion
11.00Cornelia Ortlieb (Berlin)
Jean Pauls 'Punktiermanier'
12.00 Mittagspause
14.00 Jutta Voorhoeve (Florenz)
Konstruktion neoconceptual - Silke Schatz
15.00 Doris Krystof (Düsseldorf)
Die Vermessung der Welt - Jorge Pardo Sculpture, Inc., Los Angeles
Reference:
CONF: Die Materialitaet der Konstruktion (Wien, 12-13 Nov 09). In: ArtHist.net, Nov 9, 2009 (accessed Mar 27, 2026), <https://arthist.net/archive/32067>.