CFP 12.09.2009

Schedula diversarum artium (Koeln, Sep 2010)

Prof.

Internationale Tagung veranstaltet vom Thomas-Institut der Universität
zu Köln und dem Museum Schnütgen der Stadt Köln

9. bis 11. September 2010 im Museum Schnütgen

Die Schedula diversarum artium: Ein Handbuch mittelalterlicher Kunst?

Unter dem Pseudonym "Theophilus Presbyter" ist eine für die Erforschung
und das Verständnis der hochmittelalterlichen Künste zentrale Schrift
überliefert: die Schedula diversarum artium. Die drei von Prologen
eingeleiteten Bücher enthalten äußerst detailreiche Anweisungen über
Fertigungsweisen nahezu aller mittelalterlichen Kunstgegenstände - von
der Buch- und Wandmalerei über die Glas- und Goldschmiedekunst bis hin
zum Glockenguß und Orgelbau. Doch sind der Status dieser Texte und ihr
Verhältnis zu den beschriebenen Tätigkeiten und Objekten unklar. Die bis
heute bestehende Lehrmeinung, in der Schedula einen Schlüsseltext des
romanischen Kunstschaffens zu besitzen, reflektiert daher eher die
kulturelle Praxis der neuzeitlichen Rezipienten, als daß sie
kunstgeschichtliche Entwicklungsprozesse und das Selbstverständnis der
"Künstler" im 12. Jahrhundert erklärt.

Mit der Infragestellung der Autorhypothese (Theophilus) und der
Werkstatthypothese (Roger von Helmarshausen) durch die neuere Forschung
rücken der Text der Schedula und dessen komplexer
Überlieferungszusammenhang in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses.
Hierbei wird offensichtlich, wie ungenügend dessen bisherige Bearbeitung
ist. Die vorliegenden Editionen bieten zumeist einen Mischtext und
verzichten zudem beinahe völlig auf Quellenangaben. So wird der
irreführende Eindruck eines Werkes sui generis erweckt, zumal verwandte
material- und technikspezifische Quellengattungen noch vielfach terra
incognita sind. Eine kontextuelle relecture der Schedula erfordert daher
neue methodische Zugänge, nach denen wir auf der Tagung suchen.
Im Mittelpunkt unserer Tagung steht daher auch nicht der vermeintliche
Autor Theophilus oder Rogerus, sondern der Text der Schedula, seine
Überlieferung, Quellen, Textgattung und der Rezeptionszusammenhang. Ein
entscheidender Schlüssel für ein neues, umfassendes Textverständnis der
Schedula liegt in der Materialität ihrer handschriftlichen Überlieferung
sowie in der Erschließung ihres gattungsmäßigen Kontextes. Damit stellt
sich zugleich die Frage nach dem genauen Verständnis des
zugrundeliegenden "Kunst"begriffs, der nicht nach Art einer
disziplinären Engführung auf die "schönen" Künste verstanden werden
darf.

Der von uns gewählte Ausgangspunkt erfordert eine breite
interdisziplinäre Annäherung an die Schedula diversarum artium, die
Philologen und Kunsthistoriker, Kodikologen und Material- und
Technikhistoriker, Philosophen und Theologen gleichermaßen
herausfordert, eigene Sehgewohnheiten in Frage zu stellen und zu
überdenken. Die Schedula ist primärer Gegenstand des
Forschungsinteresses, aber zugleich auch der Fokus für die
Fragestellungen unterschiedlicher Fachdisziplinen, die wir exemplarisch
zusammenführen wollen.

Mit dieser Ankündigung unserer Tagung verbinden wir zugleich die
herzliche Einladung, uns bis zum 15. November Vorschläge für einen
Beitrag zuzuschicken (Kontakt: andreas.speeruni-koeln.de).

Die internationale Tagung ist Teil eines von der Fritz Thyssen Stiftung
geförderten Forschungsprojekts
(www.thomasinstitut.uni-koeln.de/forschung/theophilus).

Wissenschaftliche Leitung und Organisation:

Prof. Dr. Andreas Speer
Dr. Ilya Dines
David Wirmer M.A.
Thomas-Institut der Universität zu Köln
Universitätsstr. 22
D-50923 KÖLN

Prof. Dr. Hiltrud Westermann-Angerhausen
Dr. Manuela Beer
Dr. Dagmar Täube
Museum Schnütgen der Stadt Köln
Caecilienstr. 29
D-50667 KÖLN

Kontaktadresse: Prof. Dr. Andreas Speer / Tel.: ++49/(0)221/470-2309 /
Fax: ++49/(0)221/470-5011 / Email: thomas-institutuni-koeln.de /
www.thomasinst.uni-koeln.de

Quellennachweis:
CFP: Schedula diversarum artium (Koeln, Sep 2010). In: ArtHist.net, 12.09.2009. Letzter Zugriff 03.04.2026. <https://arthist.net/archive/31791>.

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