CONF 27.08.2009

Hansische Renaissance? (Luebeck, 24-26 Sep 09)

Beate

Hansische Renaissance?
Kunst und humanistische Kultur in Lübeck und im Hanseraum

Lübeck, 24.-26. 09.2009

Die Tagung wendet sich der Frage nach einer humanistischen Kultur in
Lübeck zu. Als Haupt der Hanse avancierte die Stadt zu dem führenden
ökonomischen und kulturellen Zentrum im norddeutschen und baltischen Raum.
Während in der zweiten Hälfte des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts
namhafte Künstler und Werkstätten in ihrer Produktion die Grenzen
zwischen der Tradition und Neuem ausloten, ist diese entschiedene Haltung
in der wissenschaftlichen Rezeption kaum reflektiert worden. Im
Unterschied zu der politischen und ökonomischen Bedeutung Lübecks im
europäischen Spätmittelalter ist die überlieferte Kunstproduktion nicht in
das Gesamtbild der Kultur- und Kunstgeschichte integriert. Im Bereich des
Buchdrucks und Verlagswesens war Lübeck darüber hinaus von
überregionaler, sogar Nordeuropa dominierender Bedeutung. Für diese
fehlende Rezeption steht eine Begründung noch aus. Auf kaufmännischem
Gebiet blieb die Hanse traditionellem Herkommen verhaftet; in Italien
entwickelte Neuerungen wie die doppelte Buchführung oder neue Formen der
Geldwirtschaft (Banken) wurden kaum aufgegriffen. Ähnliches scheint auch
für die Kunstproduktion zu gelten, für die die Rezeption italienischer
Vorbilder bis in das 16. Jahrhundert ohne grössere Bedeutung blieb. Die
Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem andersartigen Wirtschaftssystem
der Hanse und einer ausbleibenden Ökonomisierung der Kunstproduktion wird
zu untersuchen sein. Konstitutiv ist der unmittelbare Kontakt zu der Kunst
der burgundischen Niederlande und zu den mittel- und süddeutschen Zentren
wie Augsburg und Nürnberg. Wie ein ablesbarer humanistischer Anspruch über
Stiftungen lanciert wird und wie sich die Werke in ein durch überkommene
Normen geprägtes kulturelles Klima integrieren, ist ebenso zu fragen wie,
ob und welche Wirkung sie ihrerseits in Lübeck entfalten. Der reflektierte
Umgang mit dem Import scheint ein durchaus signifikantes Phänomen einer
primär auf Integration ausgerichteten hansischen Kultur. Dieses
Integrationsmodell als eigenständige Leistung zu profilieren, wird eines
der Ziele der Tagung sein. Erst die Reflektion im Kontext der Hanse wird
es erlauben, der Kunst den ihr gebührenden Platz im Gesamthorizont der
Kunstgeschichte zuzuweisen.

Programm der Tagung

Donnerstag, 24. September 2009

I. Kunst und Kultur in Lübeck und ihre Erforschung

Moderation: Achatz von Müller
09.00 Begrüßung

09.15 - 10.15 Barbara Schellewald, Andrea Worm: Lübecker Kunst im
Spiegel der Forschung

10.15 - 11.00 Gabriele Bickendorf: "Am Tiber humorisiert" - Vasari und
die nicht endenden Folgen

11.00 - 11.30 Kaffeepause

II. Lübeck. Stadt. Hanse. Humanismus

11.30 - 12.15 Rolf Hammel-Kiesow: Lübeck - "en hovet der hensestede"

12.15 - 13.00 Rainer Postel: Die Reformation in Lübeck und im Hanseraum
im Kontext von Krise und Niedergang. Eine multifaktorielle Untersuchung
(Arbeitstitel)

13.00 - 14.30 Mittagspause

Moderation: Andrea Worm
14.30 - 15.15 Achatz von Müller: Lübeck: Stadt, die Hanse, das Geld und
der Humanismus

15.15 - 16.15 Hildegard Vogeler / Hartmut Freytag: Über Stadtansichten
von Lübeck und das humanistische Stadtlob auf die Hansestadt

16.15 - 16.30 Kaffeepause

16.30 - 17.15 Marco Vencato: Geschichtsbilder in der städtischen
Chronistik Lübecks und Venedigs

III. Stiftungswesen und Gedächtniskultur im Hanseraum Teil I

17.15 - 18.15 Das Rathaus in Lübeck als Ort der städtischen
Selbstrepräsentation:
Annegret Möhlenkamp: Festhalten an Symbolen alter Macht
Thorsten Albrecht: Später Anstoß zur Erneuerung - Aufgreifen moderner
Repräsentationsformen in der Architektur im 16. Jh.

20.00 Abendvortrag
Martin Warnke: Höfische Kunst im städtischen Raum. Die Rolle fürstlicher
und hocharistokratischer Stiftung und Kunstförderung im norddeutschen
Hanseraum

Freitag, 25. September 2009

III. Stiftungswesen und Gedächtniskultur im Hanseraum Teil II

Moderation: Barbara Schellewald
09.00 - 09.45 Barbara Welzel: Memoria und Kunst in einer Hansestadt.
Das Beispiel Dortmund

09.45 - 10.30 Katharina Corsepius: Orte der Stifter - Überlegungen zur
Stiftungstopographie in Lübeck

10.30 - 11.00 Kaffeepause

IV. Kunst in Lübeck und ihre Auftraggeber

11.00 - 11.45 Jan Friedrich Richter: Lübecker Skulptur im
Spätmittelalter

11.45 - 12.30 Sven Hauschke: Ein Kaufmann und die Kunst: Godert
Wigerinck als Stifter

12.30 - 14.00 Mittagspause

Moderation: Hildegard Vogeler
14.00 - 14.45 Heidrun Feldmann: Die Gregorsmesse von Bernt Notke im
Auftrag der Familie Greverade

14.45 - 15.30 Barbara Schellewald: Ein Künstler und sein Auftraggeber -
Bernt Notke und Bischof Albert Krummediek

15.30 - 16.15 Beate Böckem: Vision, Visualisierung, Zeugenschaft -
Hermen Rode und seine Auftraggeber

16.15 - 16.45 Kaffeepause

16.45 - 17.30 Birgitt Borkopp-Restle: Textile Kirchenschätze in den
Zentren des Fernhandels

17.30 - 18.15 Susanne Warda: Der Lübecker Totentanz - Gedanken zur
Inszenierung von Raum und Standortbezug

19.30 gemeinsames Abendessen

Samstag, 26. September 2009

V. Lübeck als Zentrum des Buckdrucks

Moderation: Beate Böckem
09.00 - 09.45 Andrea Worm: Das Lübecker Rudimentum Novitiorum von 1475
und die Universalchronistik an der Epochenschwelle zur Frühen Neuzeit

09.45 - 10.30 Lothar Schmitt: Die Lübecker Bibel von 1494

10.30 - 11.00 Kaffeepause

11.00 - 11.45 Dieter Lohmeier: Die Anfänge des Buchdrucks in Lübeck

11.45 - 12.30 Livia Cárdenas: Absenz und Präsenz. Die mediale und
ästhetische Rolle des illustrierten gedruckten Buches um 1500

12.30 - 13.15 Barbara Schellewald: Zusammenfassung der Veranstaltung,
Ende

Tagungsort:
Bibliothek der Hansestadt
Scharbausaal, Hundestraße 5-17, 23552 Lübeck
www.stadtbibliothek.luebeck.de

Eintritt frei (ohne Anmeldung)

Veranstalter:
Prof. Dr. Barbara Schellewald, Universität Basel
Prof. Dr. Achatz von Müller, Universität Basel
Dr. Andrea Worm, Universität Augsburg
Dr. Hildegard Vogeler, St. Annen-Museum, Lübeck

Kontaktadressen:
barbara.schellewaldunibas.ch
sandra.bergerstud.unibas.ch
Sekretariat: 0041 (0)61 206 62 92

Quellennachweis:
CONF: Hansische Renaissance? (Luebeck, 24-26 Sep 09). In: ArtHist.net, 27.08.2009. Letzter Zugriff 15.03.2026. <https://arthist.net/archive/31730>.

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