K O L L O Q U I U M
Un/Sichtbarkeit und Queerness.
Politiken des Sehens und Aussehens
Ein Symposium des Instituts Cultural Studies in Art, Media and Design (ICS)
in Kooperation mit der RINGVORLESUNG und dem Museum für Gestaltung Zürich
zur Ausstellung "Gay Chic - von der Subkultur zum Mainstream"
(26.04.-16.07.06)
Donnerstag, 08. Juni 2006
Vortragssaal, Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich,
Ausstellungsstrasse 60, CH 8005 Zürich
Welche Effekte treten auf, wenn vormals stigmatisierte, subkulturelle Bilder
plötzlich begeistert von einem heterosexuellen Mainstream aufgenommen
werden? Lange Zeit setzten sowohl progressive als auch konservative Kräfte
auf die Gleichsetzung von Sichtbarkeit und politischer Wirksamkeit: Während
Progressive eine vermehrte Zirkulation von Bildern des Anderen forderten,
setzten Konservative darauf, diese visuellen Repräsentationen zu diffamieren
oder zu zensieren. Neuere queer-theoretische Positionen stellen die vormals
verbreitete Auffassung in Frage, größere Sichtbarkeit führe auch zu größerem
gesellschaftlichem Einfluss. Wenn wir davon ausgehen, dass ein Teil der
Macht der Bilder darin besteht, dass sie sich "einkörpern", so ist stets
aufs Neue nach dem Verhältnis von Stigmatisierung und Vorbildfunktion in der
Vorstellung von "positiven" und "negativen" Bildern von Queerness zu fragen.
Nicht nur, dass Regulierungs- und Normalisierungseffekte mit Blick auf die
Entwicklung der gesellschaftlichen Mehrheitskultur problematisiert werden
müssen, sondern es ist auch danach zu fragen, was die politische Forderung
nach Sichtbarkeit für diejenigen queeren Verkörperungen bedeutet, die keine
visuelle ("sichtbare") Evidenz für ihre dennoch transgressive Gender- oder
sexuelle Identität liefern. Ist nicht auch das Modell "Ohnmacht der
Sichtbarkeit und Macht der Unsichtbarkeit" denkbar?
Das Symposium diskutiert die politischen Chancen und Grenzen der Strategie
der Sichtbarmachung von nicht-normativen geschlechtlichen und sexuellen
Identitäten - wie Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender-Personen,
Transsexuellen, Intersexuellen, BDSM-lerInnen u.a.. Folgende Fragen werden
dabei leitend sein: Welche Rolle spielt Un/Sichtbarkeit für queere
Verkörperungen? Wie lässt sich das Verhältnis zwischen Sichtbarkeit und
Unsichtbarkeit, Macht, Identität und Befreiung bestimmen? Was sind die Vor-
und Nachteile einer typisierenden Sichtbarkeit: Identifikationsangebot,
Vertretung, Präsenz, Überwachung, Normierung, Normalisierung,
Entpolitisierung, Kommerzialisierung? Es bleibt zu fragen, ob durch das
Modischwerden von queeren Zeichen, Verschiebungsprozesse zwischen
kulturellem Zentrum und Rändern eingeleitet werden oder ob schlicht eine
Einverleibung stattfindet.
Konzept: Sigrid Adorf, Sabine Fuchs
PROGRAMM
17:00_Begrüßung
Stefan Kreysler, RINGVORLESUNG
Prof. Dr. Sigrid Schade Tholen, Leiterin des ICS
17:15_Cristina Nord, Filmkritikerin, Berlin: Bekenntnisfallen. Zu einer
Kritik der Sichtbarkeit
17:50_Sabine Fuchs, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Hamburg:
Sexualität und Politik im Feld des Visuellen: Re/Visionen von Queerness
18:20_Kurze Diskussion der beiden Vorträge
18:45_Ines Doujak, Künstlerin, Wien: Kurze Präsentation der künstlerischen
Arbeit
19:00_Eingriffe ins Blickregime. Queere Verkörperungen zwischen Subkultur
und Mainstream: Podiumsgespräch und Diskussion mit dem Publikum. Mit: Ines
Doujak, Sabine Fuchs, Cristina Nord, Dr. Marc Siegel (Filmwissenschaftler,
Berlin), Prof. Dr. Marion Strunk (Leiterin MAS Cultural/Gender Studies,
hgkz. Moderation: Sigrid Adorf
Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Weitere Informationen
zur Ausstellung: http://www.museum-gestaltung.ch/aktuell/ausstellungen.html
zu Veranstaltungen des ICS:
http://ics.hgkz.ch/d/veranstaltungen/tagungen.html
zum MAS Cultural/Gender Studies: http://culturalgenderstudies.hgkz.ch
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icshgkz.ch
http://ics.hgkz.ch
Quellennachweis:
CONF: Un/Sichtbarkeit & Queerness (Zuerich 8 Jun 06). In: ArtHist.net, 18.05.2006. Letzter Zugriff 31.03.2026. <https://arthist.net/archive/28256>.