FULGET CAESARIS ASTRUM
Studientag zur Rudolfinischen Hofkunst
04. Mai 2006 Dresden
Im Vortragssaal der Staatlichen Kunstsammlungen
Dresden, Residenzschloss, Eingang Sophienstraße
Eingang zu Grünem Gewölbe und Kupferstich-Kabinett, 1.Obergeschoss
"Es leuchtet des Kaisers Gestirn" - so lautete das Motto Kaiser Rudolfs II.
(1552-1612). Der Habsburger Kaiser gehört seit jeher zu den schillernden
Persönlichkeiten. Sah die frühe Forschung in ihm zumeist einen Freund der
Alchemie und magischen Künste, wird er heute als moderner Herrscher
erachtet, der zu den bedeutendsten Sammlern nördlich der Alpen gehörte.
Sechs Vorträge wollen in die Rudolfinische Hofkunst einführen und mit den
Problemen der Forschung vertraut machen. Dabei werden mit Themen aus den
Bereichen Architektur, Schatzkunst und Malerei unterschiedliche Facetten
einer herausragenden Blütezeit manieristischer Kunst auf dem Prager
Hradschin betrachtet.
Der Studientag wendet sich nicht nur an ein universitäres Publikum, sondern
möchte ebenfalls interessierte fachfremde Hörerkreise ansprechen. Es ist den
Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Technischen Universität Dresden
gelungen, bedeutende Forscher aus Prag zu gewinnen, die gemeinsam mit jungen
Dresdner Wissenschaftlern exemplarische Ergebnisse aus ihren Arbeiten
vorstellen.
P R O G R A M M :
9.30 Uhr Begrüßung: Dirk SYNDRAM / Jürgen MÜLLER, Dresden
9.40 Uhr Lubomir KONEÈN, Prag
Ars Rudolphina
10.25 Uhr Ivan P. MUCHKA, Prag
Die Prager Burg zur Zeit Rudolfs II.
11.10 Uhr Kaffepause
11.30 Uhr Esther MÜNZBERG, Göttingen
Preziöse Räume für Pferde und Sammlungen.
Sammlungsgebäude auf der Prager Burg zu Rudolfinischer Zeit
12.15 Uhr Sylva DOBALOVÁ, Prag
Kaiserliche Gärten in unbekannten Zeichnungen Hans Puechfeldners
12.45 Uhr Mittagspause
14.15 Uhr Beket BUKOVINSKÁ, Prag
Die Kunstkammer Kaiser Rudolfs II., "die größete und
qualitätsvollste Sammlung aller Fürsten seiner Zeit"
15.00 Uhr Tim DEUBEL, Dresden
Von Prag nach Dresden. Die Kugellaufuhr des Grünen Gewölbes im
Dienste herrschaftlicher Legitimation
15.30-16.00 Abschlussdiskussion
REFERENTENLISTE MIT ABSTRACTS:
Dr. Beket BUKOVINSKÁ
Leiterin der Studia Rudolphina an der Akademie der Wissenschaften der
Tschechischen Republik in Prag
Die Kunstkammer Kaiser Rudolfs II., "die größete und qualitätsvollste
Sammlung aller Fürsten seiner Zeit".
Der Beitrag soll sowohl eine kurze Rekapitulation des schon Bekannten über
die rudolfinische Kunstkammer bieten, als auch Informationen über die
neuesten Identifikationen, die in den letzten Jahre gelungen sind. Zuletzt
soll angedeutet werden, was wir noch nicht wissen und noch weiterer
Erforschung bedarf.
Tim DEUBEL
Student der Kunstgeschichte und Geschichte an der TU Dresden
Von Prag nach Dresden. Die Kugellaufuhr des grünen Gewölbes im Dienste
herrschaftlicher Repräsentation.
In dem Referat wird eine ikongraphische Deutung der Uhr unternommen, die
zeigt, dass die Kugellaufuhr der Verherrlichung des Hauses Habsburg als
erstes und scheinbar immerwährendes Kaiserhaus diente. Weil Kaiser Rudolf
II. aus patentrechtlichen Gründen die ihm zum Kauf angebotene Uhr nicht
kaufen konnte und weil Sachsen um 1600 aus innenpolitischen Gründen ein
Interesse an der Freundschaft zu Habsburg und deren Darstellung hatte,
gelangte die Uhr in dieser Zeit nach Sachsen.
Sylva DOBALOVÁ, M.A.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Studia Rudolphina an der Akademie der
Wissenschaften der Tschechischen Republik in Prag
Kaiserliche Gärten in unbekannten Zeichnungen Hans Puechfeldners
In den letzten Jahren entdeckte man insgesamt drei Alben mit Zeichnungen von
Gärten in der Art des Hans Vredemann de Vries, die der Gärtner Hans
Puechfeldner dem Kaiser in den Jahren 1591-1594 widmete. In ihnen offenbart
sich die Gartenkunst als wichtiger Bestandteil der kaiserlichen
Repräsentation. Zugleich erlauben sie uns eine Vorstellung vom ehemaligen
Erscheinungsbild des sogenannten königlichen Gartens am Hradschin.
Prof. Lubomír KONEÈN
Direktor des Kunsthistorischen Institutes an der Akademie der Wissenschaften
der Tschechischen Republik in Prag
Ars Rudolphina
Der Vortrag möchte eine Einführung bieten in die Welt der bildenden Kunst,
die am Prager Hof Kaiser Rudolfs II. zwischen 1580 und 1620 entstand. Das
Ziel ist ein zweifaches: ad 1) die Künstler vorzustellen, die den
entscheidenden Einfluss auf die Entstehung des sog. "rudolfinischen Stils"
hatten und ad 2) einige Werke, deren Ikongraphie für Prag um 1600 als
typisch bezeichnet werden kann, vorzuführen und zu interpretieren.
Dr. Ivan MUCHKA
Leiter der Abteilung "Kunst der Frühen Neuzeit" an der Akademie der
Wissenschaften der Tschechischen Republik in Prag
Die Prager Burg zur Zeit Rudolfs II.
Architektur stand im Rahmen der rudolfinischen Forschung immer im
Hintergrund; die Werke der Malerei, der Plastik und des Kunstgewerbes sind
zwar fast alle in der ganzen Welt zerstreut, aber ihre Existenz in Prag ist
gut nachweisbar. Die Bauten des Kaisers hingegen haben in Prag überlebt -
allerdings wurden sie im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. Der Vortrag
versucht eine ideelle Rekonstruktion der damaligen kaiserlichen Residenz
unter Einbeziehung - teils zufälliger - neuer Entdeckungen.
Esther MÜNZBERG, M.A.
Doktorandin an der International Max-Planck-Research-School "Werte und
Wertewandel in Mittelalter und Neuzeit" in Göttingen
Preziöse Räume für Pferde und Sammlungen. Sammlungsgebäude auf der Prager
Burg zu Rudolfinischer Zeit.
In den achtziger Jahren des 16. Jh. ließ Rudolf II. in Prag die Spanischen
Stallungen bauen. Gleich einem Riegel wurden Burgareal und speziell
Kunstkammerflügel nach Norden abgeschlossen. Im Vortrag soll versucht
werden, die Baugeschichte anhand von Aktenfunden zu präzisieren. Ausgehend
von der Betrachtung frühneuzeitlicher Repräsentationssammlungen soll
weiterhin der manieristische Kunstwerksbegriff, der m. E. die ideelle
Klammer der baulichen Struktur darstellt, diskutiert werden.
Kontakt:
Bertram Kaschek
TU Dresden
Institut für Kunst- und Musikwissenschaft
Tel. 0351-463 35862
mail: bertram.kaschektu-dresden.de
Reference:
CONF: Studientag zur Rudolfinischen Hofkunst (Dresden, 4. Mai 2006). In: ArtHist.net, Apr 26, 2006 (accessed Mar 14, 2026), <https://arthist.net/archive/28109>.