CONF 25.01.2006

Persistenz & Rezeption antik. Werke im MA (Koeln,17-18 Feb 06)

Tagung

"Persistenz und Rezeption - Weiterverwendung, Wiederverwendung und
Neuinterpretation antiker Werke im Mittelalter"

17. - 18. Februar 2006

Ort: Vortragsraum des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln,
Kerpener Str. 30 (Eingang Weyertal), 50923 Köln,

Veranstalter: Lehr- und Forschungszentrum für die antiken Kulturen des
Mittelmeerraums und das Zentrum für Mittelalterstudien der Universität zu
Köln

Das Mittelalter baut in vielen Bereichen des praktischen wie geistigen
Lebens auf Erkenntnissen, Strukturen und Werken der Antike auf oder fügt
diese auf unterschiedliche Weise in seine eigene kulturelle Neuordnung ein.
Die Begriffe Persistenz und Rezeption weisen auf verschiedene Formen des
Weiterlebens der Antike im Mittelalter hin. Während der Begriff der
Persistenz auf das Beharrungsvermögen der antiken Relikte zielt, auf die
scheinbar selbstverständliche Aufnahme und Fortführung überkommener Formen,
Stoffe und Strukturen, wird der Rezeptionsbegriff hier nicht auf das
hermeneutische Textverstehen reduziert, sondern als Leitbegriff einer
aktiven kulturellen Auseinandersetzung mit dem antiken Erbe verstanden. Er
umfaßt den Literatur- und Wissenstransfer ebenso wie die Wahrung oder
Adaption gesellschaftlicher Organisationsformen unter veränderten
Rahmenbedingungen, so zum Beispiel die baulichen Umformungen antiker Städte
und die Wiederverwendung antiker Gemmen und Elfenbeine im religiösen
Kontext. Die Tagung möchte die Aufmerksamkeit schärfen für die Vielfalt der
Rezeptions- und Transformationsprozesse. Sie sind zu verorten vor dem
Hintergrund der komplexen historischen Bedingungen, innerhalb derer sich die
Anknüpfung an bzw. die Abkehr von bestimmten antiken Traditionen jeweils
vollzieht. Dieser Prozeß wird nicht als gleichsam unbewußtes Fortleben
verstanden, sondern als Leistung der institutionellen und personalen Träger
dieser Rezeptions- und Vermittlungsvorgänge, als bewußtes Wollen, das
zugleich mit einer Einordnung in neue kulturelle Zusammenhänge einhergehen
kann.

Programm

Freitag 17.2.2006

9.00 Eröffnung

I Fortdauer und Wirkung antiker Wissenssysteme

9.30 Andreas Speer (Philosophie)
Von Plato zu Aristoteles. Die "Quaternuli" des David von Dinant und die
Rezeption der "libri naturales" in Paris in der ersten Hälfte des 13.
Jahrhunderts

10.15 Bernhard Pabst (Mittellatein)
Die Antike im Welt-Buch. Zum Umgang mit antiken Wissenssystemen und
-inhalten im Bereich der mittelalterlichen Enzyklopädik

11.00 Pause

11.30 Gerrit Bos (Judaistik)
Medizinische Synonymliteratur in hebräischen Quellen und die Schöpfung einer
neuen hebräischen medizinischen Terminologie: Shem Tov Ben Isaac von Tortosa
und seine Übersetzung des Kitab al-tasrif von al-Zahrawi

12.15 Klaus Zechiel-Eckes (Geschichte)
Altes Recht und falsche Päpste. Zu Rezeption und 'kreativer' Transformation
spätantiker Literalität im frühen Mittelalter

II Persistenz und Transformation sozialer und räumlicher Strukturen

14.30 Reinhard Förtsch (Klassische Archäologie)
Charisma und Antike bei Kaiser Friedrich II.

15.15 Thomas Fischer (Provinzialrömische Archäologie)
Romanische Bevölkerung im germanischen Umfeld: Das Beispiel des spätantiken
- frühmittelalterlichen Rätien

16.00 Henner von Hesberg (Klassische Archäologie)
Zur Kontinuität urbanistischer Strukturen

16.45 Pause

17.15 Norbert Nußbaum (Kunstgeschichte)
Antike Bautechnik im Mittelalter. Wissenstransfer oder Lernen durch
Nachahmen?

18.00 Sebastian Ristow (Archäologie der Spätantike)
Wiederaufbau, Wandel, Wiederverwendung. Zur Nutzung antiker Bausubstanz
durch christliche Kultgebäude im Frühmittelalter

Samstag 18.2.2006

III Persistenz und Rezeption antiker Kunstwerke im mittelalterlichen
Kontext

9.00 Erika Zwierlein­Diehl (Klassische Archäologie)
Antike Gemmen im Mittelalter: Wiederverwendung, Umdeutung, Nachahmung

9.45 Susanne Wittekind (Kunstgeschichte)
Umformungen. Antike Werke in mittelalterlichen Kirchenschätzen

10.30 Pause

11.00 Hansgerd Hellenkemper (Byzantinistik)
Verstümmelung und Weiterverwendung antiker Skulpturen in Kleinasien

11.45 Dietrich Boschung (Klassische Archäologie)
Fragmentierung und Persistenz. Antike Statuen im Mittelalter

IV Antike Motive in neuen Bildern

14.00 Barbara Nitsche (Germanistik)
Erzählen vom Trojanischen Krieg. Augenzeugenschaft als
Authentisierungsstrategie in mittelalterlichen illuminierten "Roman de
Troie"-Handschriften

14.45 Stephan Hoppe (Kunstgeschichte)
Architekturstil und Zeitbewußtsein. Nordalpine Bestrebungen zur
Wiedergewinnung einer vorzeitlichen und antikisierenden Formensprache im 15.
Jahrhundert

15.30 Rotraut Wisskirchen (Christliche Archäologie)
Das Triclinium Leos III. (795-816) und die Kirche S. Prassede Paschalis I.
(817-824): Mosaikschmuck als Beispiel der karolingischen Renovatio

Schlussdiskussion

Organisation und Kontakt:
Prof. Dr. Dietrich Boschung, Archäologisches Institut der Universität zu
Köln
Dietrich.Boschunguni-koeln.de, Tel. 0221-470-2259
Prof. Dr. Susanne Wittekind, Kunsthistorisches Institut der Universität zu
Köln
Susanne.Wittekinduni-koeln.de, Tel. 0221-470-2509

Quellennachweis:
CONF: Persistenz & Rezeption antik. Werke im MA (Koeln,17-18 Feb 06). In: ArtHist.net, 25.01.2006. Letzter Zugriff 22.01.2026. <https://arthist.net/archive/27855>.

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