Belagerungsburgen an der Mosel, in Rheinland-Pfalz und in Europa
CALL FOR PAPERS
English version see below
Bleidenberg und Burg Thurant - Belagerungsburgen an der Mosel, in
Rheinland-Pfalz und in Europa Wissenschaftliche Tagung in Oberfell,
Freitag 18.03.2005 bis Sonntag 20.03.2005.
Die Burgenforschung hat in den letzten Jahren verstärkt die zeichenhafte
Funktion von Burgen und auch die symbolische Bedeutung von Wehrfunktionen
in den Vordergrund der Betrachtung gerückt. Dabei geriet der Wehraspekt
ein wenig aus dem Blickfeld. Als Gegenbewegung wurde daher in jüngster
Zeit der Burg im Krieg wieder mehr Beachtung geschenkt. Im Mittelpunkt
standen dabei die „umkämpfte Burg“ und deren Wehrelemente. Weitgehend
ausgeschlossen blieben die vielfältigen Belagerungswerke,
Belagerungsmaschinen und Belagerungsburgen – wohl nicht zuletzt deshalb,
weil sie sich bis auf wenige Ausnahmen nicht erhalten haben.
Dementsprechend sind Belagerungsburgen und –schanzen auf
wissenschaftlichem Niveau bis heute nicht eingehend untersucht worden.
Das Schrifttum beschränkt sich auf kurze Abschnitte in Überblickswerken
wie dem Handbuch „Burgen in Mitteleuropa“ der Deutschen Burgenvereinigung
oder dem kürzlich erschienen „Wörterbuch der Burgen, Schlösser und
Festungen“, sowie diverse Studien zu einzelnen Belagerungen, oftmals
leider nicht auf wissenschaftlichem Niveau.
Viele Fragen sind offen. Einleitend muß immer noch geklärt werden, was
eine Belagerungsburg überhaupt ist. Sie ist eng verwandt mit anderen
Belagerungswerken wie Schanzen, aber auch mit Gegenburgen. Wo wurden
Belagerungsburgen errichtet? War es immer ein überhöhter Standort? Was
für andere Belagerungswerke gibt es? Zu denken ist neben den
Belagerungsschanzen auch an Angriffsstollen. Auch Bliden, Wandeltürme
oder Katzen können eine Rolle spielen, aber nur, sofern sie auf die
Belagerungswerke Auswirkung haben. Belagerungsburgen liegen teilweise in
Sicht- und Geschützweite der belagerten Burg. Sie wandeln sich daher mit
der Änderung von Wurfmaschinen und Geschützen und dem Aufkommen der
Feuerwaffen. Belagerungsburgen können aber auch zum Erschweren der
Kommunikation der Belagerten errichtet worden sein und Zuwegungen
blockieren. Sie haben immer auch defensiven Charakter als sicherer
Zufluchtsort der Belagerer bei Ausfällen und Entsatzversuchen. Dann soll
geklärt werden, in welchem Zeitraum Belagerungsburgen und
Belagerungswerke auftraten. Wohl sind wir über Belagerungen aus der Zeit
des 10. Jahrhunderts bis in die Neuzeit hinein unterrichtet, unsere
Kenntnis von den Belagerungswerken ist aber eher spärlich. Ferner ist es
beabsichtigt herauszuarbeiten, welcher rechtliche Charakter den
Belagerungsburgen und –schanzen von den Zeitgenossen zugebilligt wurde.
Waren es nur temporäre Zweckbauten, reine Schanzen? Hatten sie, wie
einige der von Balduin von Trier errichteten Anlagen, von Beginn an den
Charakter „vollwertiger“ Burgen? Gibt es eine Möglichkeit der Abgrenzung
von Belagerungsburg und Belagerungsschanze? Es soll ebenfalls
thematisiert werden, ob es sich bei der Belagerungsburg um einen
eigenständigen Burgtyp handelt, definiert über seine Funktion, oder ob es
sich um eine reine Funktionsbezeichnung handelt – eine Funktion, die eine
günstig gelegene Burganlage im Laufe ihres Bestehens zeitweilig oder
ausschließlich angenommen hat. Somit sollen drei eng miteinander
verwandte Themenkomplexe untersucht werden: Belagerungsburgen,
Belagerungwerke und –geräte sowie ihre Entwicklung und Veränderung
zwischen 1000 und 1500. Aufgrund des mangelnden Forschungsstandes
erscheint eine übergeordnete und vergleichende Betrachtung der einzig
gangbare Weg, die wissenschaftliche Erkenntnis nachhaltig zu erweitern.
Daher sind Fachleute verschiedener Disziplinen und Regionen aufgerufen,
in Oberfell zusammenzukommen und ihre Erkenntnisse mit den Kollegen zu
teilen sowie gemeinsam Antworten auf die ausstehenden Fragen zu finden.
Der Austausch verschiedener Wissenschaftler zu einer Zusammenführung und
eventuellen Neubewertung einzelner Forschungsergebnisse wird ein hoher
Wert beigemessen. Hier ist das eigentliche wissenschaftliche Interesse
der Tagung zu suchen. Der Diskussion wird breiter Raum gewährt werden.
Der Tagungsort Oberfell wurde gewählt, da hier die Reste der
Belagerungsburg auf dem Bleidenberg erhalten sind. Von hier aus wurde das
nahegelegene Thurant immerhin fast zwei Jahre von 1247 bis 1248
erfolgreich belagert. Im Rahmen der Erstellung eines kulturhistorischen
Themenwanderwegs in den Gemeinden Oberfell und Alken an der Mosel wurden
auch der „Bleidenberg“ und seine Umgebung mittels Infotafeln erschlossen.
Einer der zentralen Orte ist die Wallfahrtskapelle auf dem Bleidenberg,
welche zum Gedenken der erfolgreichen Belagerung der Burg Thurant einen
Ausbau erfahren hat. Sie steht in unmittelbarer Näher zu den vermuteten
Blidenstellungen, deren Befestigungen bei Grabungen in jüngster Zeit
angeschnitten wurden. Der Bleidenberg wird auf der Tagung im Rahmen einer
Exkursion vorgestellt werden. Zugleich ist das Bundesland Rheinland-Pfalz
ein gutes Untersuchungsgebiet, da hier einige Belagerungsburgen,
namentlich des 13. und 14. Jahrhunderts, bekannt sind (Blidenecker und
Aachener Schanze bei Rheinberg 1279, Rauschenburg und Trutzeltz 1331/36,
die Belagerungsburgen der Schmidtburger Fehde um Schloss Dhaun –
Martinstein, St. Johannisberg, Geyersley 1340). Eine wirkliche
Beurteilung des Phänomens kann aber nur auf internationalem Gebiet
erfolgen, war doch auch die herrschende Schicht des Mittelalters
international orientiert, man denke etwa an die Kreuzzüge oder den
100jährigen Krieg in Frankreich. Zudem haben die heutigen Staatsgrenzen
nur geringen Bezug zu den Verhältnissen des Mittelalters, was etwa der
Herrschaftsbereich der Luxemburger Dynastie vor Augen führen kann.
Mit der Tagung „Bleidenberg und Burg Thurant – Belagerungsburgen an der
Mosel, in Rheinland-Pfalz und in Europa“ sollen also – ausgehend vom
konkreten Beispiel vor Ort – die Fragestellungen, welche an das Thema zu
richten sind, spezifiziert werden und es soll nach Lösungsansätzen
gesucht werden. Mögliche Fragestellungen erstrecken sich nicht nur auf
das Erscheinungsbild der Belagerungsburg, ihre Lage im Verhältnis zu
belagerten Burg und ihre Entwicklung im Laufe des Mittelalters, sondern
auch auf folgende Themenkomplexe: — Wie ist eine Belagerungsburg zu
definieren? Gibt es eine Möglichkeit der Abgrenzung zu Belagerungsschanze
und zur Gegenburg? Besteht eine Möglichkeit der Definition als
Belagerungswerk unter Einbeziehung von Schanzen und Angriffsstollen?
Handelt es sich um eine reine Funktionsbezeichnung oder um einen
funktionsdefinierten Burgentypus? — Welcher rechtliche Charakter wurden
den Belagerungsburgen von den Zeitgenossen zuerkannt? Waren es reguläre
Burgen oder waren es nur zeitweise genutzte Schanzen? — Inwieweit weist
eine Belagerungsburg offensive Elemente auf, oder ist sie als defensive
Struktur zum Schutz der Belagerer zu sehen? — Inwiefern haben die
verwendeten Angriffsmittel die Gestaltung und Lage der Belagerungsburg
mitbestimmt? — Wie ging der Vorgang der Errichtung einer Belagerungsburg
in der Nähe der belagerten Burg vor sich? Wieviel Zeit wurde dafür
benötigt, wieviele Arbeitskräfte wurden für die Errichtung benötigt? Ist
etwas über die Kosten bekannt? — Wie viel Beispiele für Belagerungsburgen
sind überhaupt bekannt, von denen noch Überreste im Gelände vorhanden
sind? Ziel der Tagung ist es, die Zusammenarbeit und Kommunikation der
verschiedenen Forschungszweige untereinander zu stärken, da nicht nur die
Burgenforschung und die ihr verbundenen Fachgebiete der Geschichte,
Kunstgeschichte, Architektur und Archäologie zu beachten sind, sondern es
für das Verständnis des Phänomens der Belagerungen und Belagerungsburgen
unerläßlich ist, auch beispielsweise Kriegsforschung,
Mentalitätsgeschichte und historische Wegeforschung einzubinden. Es soll
über den bisher von der Burgenforschung thematisierten Komplex der
umkämpften Burg hinaus der Blick gerichtet werden auf die aus den
Belagerungshandlungen heraus resultierenden Bauwerke und deren Einbettung
in den siedlungs- mentalitäts- und kriegsgeschichtlichen Kontext.
Erwünscht sind Vorträge von 20-30 Minuten. Dabei kann es sich um
Einzelanalysen und Überblicksuntersuchungen handeln. Die Tagungssprache
ist Deutsch. Das bedeutet zwar nicht, daß Vorträge nicht auch in Englisch
oder Französisch gehalten werden können, Diskussion und Aussprache wird
aber auf Deutsch erfolgen.
Die Tagung findet vorbehaltlich der Finanzierung statt. Honorare können
nicht gezahlt werden, eine Unterkunft wird jedoch vor Ort gestellt und
die Reisekosten werden erstattet. Oberfell liegt wenige Kilometer
südwestlich von Koblenz an der Mosel und ist günstig mit Bahn und Auto zu
erreichen. Referenten können auch vom nahegelegenen Flughafen Haan
abgeholt werden.
Bitte schicken Sie ein kurzes Exposé (nicht länger als eine Seite) bis
zum 15.08.2004 per Post an den: Marburger Arbeitskreis für europäische
Burgenforschung e.V. Heinrich Heine Str. 11 A 35039 Marburg
oder als email an:
Olaf Wagener
olaf.wagener @gmx.de
oder
Heiko Laß
heiko.lass @gmx.de
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Deutsche Version siehe oben
Bleidenberg and castle Thurant – siege castles on the banks of the
river Moselle, in Rhineland-Palatinate and in Europe Scientific
conference in Oberfell, Friday, 18.03.2005 to Sunday, 20.03.2005.
The castle research in the last years stressed the indicationful function
of castles and moved the symbolic meaning of military functions into the
foreground. The military aspect was only mentioned in passing. As
reaction in recent time more attention was given to the „castle in war“.
In the center were located the „contested castle“ and its military
elements. The various siege works, siege machines and siege castles were
not looked at, probably because in many cases nearly nothing of them
remained to be seen. That´s perhaps the reason, why siege castles and
siege works are not examined on a scientific level until today. The
bibliography is very short – only some short articles in books as „Burgen
in Mitteleuropa“ by the „Deutsche Burgenvereinigung“ or „Wörterbuch der
Burgen, Schlösser und Festungen“ and various studies on individual
sieges, unfortunately often not on a scientific level, exist. Many
questions are not answered until now: In the beginning it has to be
defined, what a siege castle is at all.It is closely related to other
siege works as for example earthen ditch / rampart constructions (in the
following text called „siege constructions“) and to counter castles.
Where were siege castles built? Was it always an elevated location? What
other kinds of siege works exist? There are siege constructions, siege
mines - and even trebuchets, siege towers and cats can play a role, as
far as they have effects on siege works.Sometimes siege castles are in
view or even in cannon range of the besieged castle, so that they change
corresponding to the evolution of guns and cannons. Siege castles are
often built to block the roads leading to the besieged castle or at least
make communication for the besieged more complicated. But they also have
a defensive character as shelter for the besiegers, against weather, the
besieged making a sortie and the allies of the besieged. It has to be
clarified, in which times siege works existed – we know about sieges from
the 10th century onwards, but we know very little about the siege works.
Furthermore it is intented to shed a light on the legal status and
character the contemporaries gave to siege castles and siege
constructions. Havee they only been temporary, functional structures? Did
some have the character of „real“ castles from the beginning? Is there a
possibility to draw a line between siege castles and siege constructions?
It shall also be discussed, if the siege castle is an own type of castle,
defined by its function or if „siege castle“ is only the name of a
function – a function given temporarily or exclusively to a castle in the
course of its existence. Thus three closely related topics have to be
examined: Siege castles, siege works and siege machines and their and
their development and changes, mainly between 1000 and 1500. Due to the
state of research a comparative view seems to be the only way to get more
knowledge on a scientific level. Therefore specialists of different
disciplines and regions are called at to meet in Oberfell to share their
knowledge with colleagues as well as to find answers to the pending
questions together. The discussion and exchange of different views to a
unification and possibly a re-valuation of individual research results
will be attached a high value. This is the actual scientific interest in
this conference. Broad space will be granted to discussion. The meeting
place in Oberfell was chosen because the remainders of a siege castle on
the „Bleidenberg“ can be seen here. From there nearby castle Thurant was
successfully besieged nearly two years from 1247 to 1248. In the context
of the conception of a footpath with boards informing about historical
facts in the villages of Oberfell and Alken, many boards were placed on
the Bleidenberg, and the chapel there (which was rebuilt in memory of the
successful siege) is a central place of this footpath. It is located near
the place, where the trebuchets stood at the time of the siege, and where
now archaeological excavations take place. The „Bleidenberg“ will be
visited at the conference. The whole area is an interesting place in this
regard, as many siege castles are known there, for example at Eltz /
Trutz-Eltz 1331/36, Rheinberg 1279 or Schmidtburg 1340. A real evaluation
of the phenomenon of siege works can however only take place in
international context, because it is not limited to the borders of modern
states. With the conference „Bleidenberg and Thurant – siege castles on
the banks of the river Moselle, in Rhineland-Palatinate and in Europe“
shall the questions which need to be asked be specified and it shall be
looked for solutions and answers. Possible questions do not only extend
to the appearance of the siege castle, its topographical situation in
context to the besieged castle and its development in the course of the
Middle Ages, but also to the following topics: - How can a siege castle
be defined? Is there a possibility to draw a clear line between siege
castle, siege constructions and counter castles? Can a definition be
found for „siege works“ including mines? Is „siege castle“ only the name
of a function of a castle or is it a type of castle defined by its
function? - Which legal character was given to siege castles by the
contemporaries? Were they regarded as „real“ castles or only as
temporarily used constructions? - In how far does a siege castle show an
offensive character and in how far has it to be seen as defensive
structure for the defence of the besiegers? - Did the weapons and
machines used in a siege have an impact on the design of the siege castle
and the place where it was errected? - How did the act of building a
siege castle take place in the surrounding of the besieged castle? How
much time and how many men were needed? Do we know anything about the
costs? - How many siege castles do we know at all, and what can still be
seen there?
It is the aim of the conference to strengthen the co-operation with and
the communication between the different branches of research, i.e. not
only the classical branches of castle research (history, art history,
architecture and archaeology), but also branches concerning the history
of war, the history of mentality or the research for historical streets
and trading connections. The topic of the conference is not only the
„contested castle“, but the buildings which were created because of a
siege and their embedding in the context of settlement, mentality and
war.
Lectures of 20-30 minutes are desired, which can be about single analyses
as well as general investigations. The conference language is German.
That means that lectures can also be held in English or French, but the
discussions will take place in German.
The conference takes places subject to the financing. Fees cannot be
paid, but an accommodation will be paid and the travel expenses will
become refunded. Oberfell is situated a few kilometers southwest from
Koblenz on the banks of the river Moselle and can easily be reached by
train and car. Participants can also be fetched from the airport Haan
nearby.
Please send a short draft (not more than one page) up to 15.08.2004 by
post to: Marburger Arbeitskreis für europäische Burgenforschung e.V.
Heinrich Heine Str. 11 A 35039 Marburg Germany
or via email to:
Olaf Wagener
olaf.wagener @gmx.de
or
Heiko Laß
heiko.lass @gmx.de
Reference:
CFP: Belagerungsburgen an der Mosel (Oberfell, 18.-20.3.05). In: ArtHist.net, Jul 12, 2004 (accessed Apr 5, 2026), <https://arthist.net/archive/26514>.