CFP Jun 1, 2001

Video als mediales Phaenomen (Ruhr-Universitaet Bochum, 20-21 Oct 2001)

H.

Call for Papers

VIDEO ALS MEDIALES PHAeNOMEN

Tagung des Instituts fuer Film- und Fernsehwissenschaft an der
Ruhr-Universitaet Bochum

zur Einrichtung der Stiftungsprofessur fuer Visuelle Kultur am 20. und 21.
10. 2001 in Bochum. In der aktuellen medienwissenschaftlichen Debatte spielt
Video auf den ersten Blick eine eher untergeordnete Rolle. Zum einen scheint
Video nur ein "Zwischenspiel" der Mediengeschichte oder einer von vielen
spin-offs des Fernsehens zu sein, zum anderen hat Video die Hoffnungen als
emanzipatorisches Medium und somit als politisches Instrument nicht im
erwarteten Masse erfuellt.

Die Tagung moechte diese Marginalisierungen und dem damit verbundenen
Stillstand in der kulturwissenschaftlichen Erforschung von Video aufbrechen,
in dem insbesondere die Flexibilitaet von Video als medialem Phaenomen in
den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Auseinandersetzung gestellt wird. Der
Fokus liegt damit weniger auf irgendeiner Definition von Video als Medium,
sondern vielmehr auf technischen, historischen und soziokulturellen
Konzeptionen von Video. Aufgrund der medienwissenschaftlichen
Vernachlaessigung gegenueber dem Forschungsgebiet Video ist das Ziel der
Tagung, neue Forschungsperspektiven zu entwickeln und zu buendeln. Eine
historische Forschungsperspektive verdeutlicht eindrucksvoll die
Vielfaeltigkeit von Video. Videogeschichte liesse sich unproblematisch als
Fernsehgeschichte, als Industriegeschichte, als Konsumgeschichte, als
Rezeptionsgeschichte, als Kulturgeschichte, als Mentalitaetsgeschichte oder
als Sozialgeschichte schreiben.

Die bislang nicht erschlossene Komplexitaet der historischen Bezuege
spiegelt sich in den verschiedenen Einsatzgebieten des medialen Phaenomens
Video von der Fernsehproduktion bis zum Internet wider. Hieran lassen sich
Fragen nach der Produktivitaet von Video fuer das kulturelle Gedaechtnis,
Vergangenheitsbilder oder visuelle Kulturen stellen. Aesthetische
Forschungsperspektiven ermoeglichen die Beantwortung der Frage nach einer
Videoaesthetik bzw. deren Konstruktion. Die Videoaufzeichnung ermoeglicht
generell aesthetisch-technische Operationen wie Zeitlupe, Zeitraffer,
Wiederholung u.ae. Wie werden diese Verfahren eingesetzt? Wie wird ueber
verwackelte Handkamera, Einblendung des "Rec"-Zeichens, schlechte
Bildqualitaet usw. aktuell Videoaesthetik in Computerspielen oder Film- und
Fernsehproduktionen konstruiert? Ein wichtiger Bereich fuer die Erfassung
von Videophaenomenen ist die Erschliessung einer Perspektive auf die
Rezeptionsforschung. Wie wird Video in seinen vielfaeltigen Kontexten
benutzt? Hier gilt es z.B. einen Bogen zu spannen vom weitgehend
unerforschten Bereich der Bedeutungsproduktion mittels Heimvideo zur web-cam
oder von fast reinen Videoproduktionen (Pornographie, Politik) zur
Zweitverwertung von Spielfilmen. Quer hierzu liegen Fragen nach medialen
Identitaeten und deren Gewinnung aus Video: Fragen nach gender-spezifischen
Umgang mit Video, Fragen nach ethnischer oder religioeser
Identitaetsgewinnung ueber Video usw. Was wurde aus den Initiativen der
siebziger und achtziger Jahre mittels Video eine Gegenoeffentlichkeit
aufzubauen? Inwieweit leben diese Strategien in anderen Medien (z.B.
Internet) oder ausserhalb Europas und Nordamerikas weiter?

Es ist geplant, die Beitraege der Tagung in einem Sammelband zu
veroeffentlichen.

Bitte richten Sie Ihre Themenvorschlaege (hoechstens eine Seite) bis zum
31.07.2001 an folgende Adresse:

Ruhr-Universitaet-Bochum
Institut fuer Film- und Fernsehwissenschaft
Universitaetsstr. 150
44780 Bochum
Tel.: +49 (0)234 32 - 25068 (Veranstalter: Ralf Adelmann, Hilde Hoffmann,
Rolf F. Nohr)
Tel.: +49 (0)234 32 - 25105 (Organisation: Tanja Horstmann, nur Montag und
Dienstag erreichbar)

Email: tanja.c.horstmannruhr-uni-bochum.de
Fax: +49 (0)234 32-14268

Reference:
CFP: Video als mediales Phaenomen (Ruhr-Universitaet Bochum, 20-21 Oct 2001). In: ArtHist.net, Jun 1, 2001 (accessed Aug 16, 2022), <https://arthist.net/archive/24528>.

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