Moderne Kunst zwischen Autonomie und Gesellschaft
Ringvorlesung
Anlässlich des 50. Jubiläums der gesellschaftlichen Revolte richtet sich der Blick verstärkt auf den politischen Charakter der Kunst um 1968 und deren Bedeutung für die Moderne. Das Jahr 1968 wird häufig als Zäsur zwischen einer ästhetisch selbstbezüglichen und einer politisch engagierten Kunst angesehen. Die in der Moderne erhobene Forderung nach Autonomie der Kunst gegenüber gesellschaftlichen Funktionen sowie ihre medienreflexive Selbstbetrachtung hat demnach zur formalistischen Erstarrung der Kunst geführt. Die gesellschaftlichen Anliegen der Generation um 1968 wiederum haben in dieser Sicht den Weg für eine politisch engagierte Kunst gebahnt, bei der Kunst und Leben verbunden sind.
Aus heutiger Perspektive stellt sich allerdings das antagonistische Modell von Kunst als modernistische Selbstbespiegelung einerseits und als konkreter politischer Aktivismus andererseits selbst als historisch relativ dar, gehen zeitgenössische künstlerische Praktiken doch über eine solche Gegenüberstellung hinaus. Es zeigt sich, dass das antagonistische Modell bereits für das 20. Jahrhundert ein zu vereinfachtes Schema darstellt, das die Interdependenz zwischen künstlerischer Form, Produktionsbedingungen, Wirkweisen und deren sozialer Geltung ausblendet. Wir wollen das Jubiläum zum Anlass nehmen, erneut einen Rückblick und auch eine Standortbestimmung zu der Frage nach der Stellung der modernen Kunst zwischen Autonomieforderung und gesellschaftlicher Wirkmächtigkeit zu unternehmen.
PROGRAMM
22.10.2018
Kerstin Thomas (Universität Stuttgart)
Einführung
05.11.2018
Barbara Lange (Eberhard Karls Universität Tübingen)
Über Wasser. Zur Auseinandersetzung mit Migration und Ökologie in der Gegenwartskunst
12.11.2018
Karen van den Berg (Zeppelin Universität Friedrichshafen)
NS-Kunst und die Ikonographie der neuen Rechten
19.11.2018
Holger Kube Ventura (Sammlung für konkrete Kunst Reutlingen)
Was Kunst kann und soll. Überlegungen zu Konsequenz und Relevanz
26.11.2018
Friedrich Weltzien (Hochschule Hannover)
Verschimmelung, Auto-Destruktion, Umherschweifen. Kreative Strategien der Funktionalismuskritik um ‘68
03.12.2018
Iris Dressler / Hans D. Christ (Württembergischer Kunstverein Stuttgart)
Unruhe der Form
10.12.2018
Thomas D. Trummer (Kunsthaus Bregenz)
Parndorf. Kommune, Standstreifen, Outlet
07.01.2019
Katja Diefenbach (Merz Akademie Stuttgart)
Von der Kunst, sich selbst zu überschreiten. Herausforderungen minoritärer Politik nach 1968
14.01.2019
Maria Muhle (Akademie der Bildenden Künste München)
„Aufteilungen des Sinnlichen". Für eine Politik des Erscheinens im Anschluss an Rancière
21.01.2019
Julia Gelshorn (Université de Fribourg)
Kunst als "produktive Aktivität"? Zum performativen Realismus von Thomas Hirschhorn
28.01.2019
Michael Zimmermann (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)
Allan Sekulas Frühwerk „Aerospace Folktales“ (1973). Soziale Selbstverortung als Grundlage partizipativer Dokumentation
04.02.2019
Burcu Dogramaci (Ludwig-Maximilians-Universität München)
Kunst der Migration. Migration der Kunst. Eine politische Kunst(geschichte) der Moderne und Gegenwart
Montag 17.30–19.00 Uhr | Tiefenhörsaal 17.01 | K II |
Universität Stuttgart | Keplerstraße 17
Konzeption und Organisation: Kerstin Thomas, Universität Stuttgart
Quellennachweis:
ANN: Vorträge: Moderne Kunst (Stuttgart, 22 Oct 18-4 Feb 19). In: ArtHist.net, 28.10.2018. Letzter Zugriff 06.04.2026. <https://arthist.net/archive/19368>.