ANN 18.09.2011

Ringvorlesung: Fotografie "Aufzeigen oder Beweisen? (Univ. Koeln)

Universität zu Köln (HS XXI), 19.10.2011–25.01.2012

Herta Wolf, Kunsthistorisches Institut

Ringvorlesung: Fotografie

Aufzeigen oder Beweisen?
Die Fotografie als Kulturtechnik und Medium des Wissens

Ab 19. Oktober 2011, mittwochs 17.45 – 19.15 Uhr, HS XXI (Hauptgebäude der Universität zu Köln)

Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. Herta Wolf
Geschichte und Theorie der Fotografie,
Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln

Inhalt
Die Unterscheidung, dass die Fotografie einerseits aufzuzeigen, andererseits zu beweisen vermag, geht auf den italienischen Historiker Carlo Ginzburg zurück. Dieser führte 1982 aus, dass die Untersuchung der Verbindung von wissenschaftlichen und gerichtlichen Beweisen von Interesse ist - gerade in Hinblick auf die in den Wissenschaften gültigen "Gesetze des ‚Aufweisens'" und die juristischen "Gesetze des ‚Beweises'".

Im Zentrum der Vorlesung steht die Frage, ob sich diese Unterscheidung auch auf die Kulturtechnik Fotografie übertragen lässt. Wissenschaftliche Untersuchungen bedienen sich oftmals fotografischer Bilder als Dokumente, Argumente oder Belege. Dies ist nur möglich, weil Fotografien das, was sich vor dem Objektiv der Kamera befunden hat, abbilden und damit sichtbar machen und aufzeigen. Durch dieses bildliche "Aufweisen" jedoch kann das Abgebildete nicht nur als Bezeichnung (Designation), sondern auch als Beweis der dargestellten Dinge missverstanden werden. Fotografien wären dadurch dem Indizienparadigma nach Ginzburg zu subsumieren. Doch inwieweit können Fotografien als Beweis dienen?

Gegenstand der Ringvorlesung ist zum einen die historische Darstellung und kritische Auseinandersetzung mit den Bestätigungen, Normierungen und Identifizierungen vermittels fotografischer Bilder; zum anderen setzen sich einzelne Vorlesungen mit fotografie-, kunst-, medien- und wissenschaftshistorischen Texten sowie künstlerischen Arbeiten auseinander, die diese Aspekte beleuchten und kritisch reflektieren lassen.

Programm
19. Oktober
"Spur und Fährte / Index und Indiz. Fotografisches Registrieren und Beweisen"
Prof. Dr. Herta Wolf, Geschichte und Theorie der Fotografie, Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln

26. Oktober
"Fotografische Gegenstände unter der Lupe. Die Fotografie in Geologie, Altertumskunde und Astronomie um 1850"
Dr. Jan von Brevern, Kunsthistorisches Institut der Freien Universität Berlin

02. November
"Rahmungen des Gesichts. Zur Geschichte der I.D.-Fotografie in Kenia, Ostafrika"
Prof. Dr. Heike Behrend, Ethnologie, Institut für Afrikanistik der Universität zu Köln

09. November
"Belichtete Augen. Optogramme und die photographische Augenzeugenschaft"
Prof. Dr. Bernd Stiegler, Neuere deutsche Literatur, Fachbereich Literaturwissenschaft der Universität Konstanz

16. November
"Max von Oppenheim, Gertrude Bell, Agatha Christie. Frühe archäologische Fotografien als 'weltgültiges Beglaubigungsschreiben in fremden Ländern'"
Dr. Charlotte Trümpler, Institut für Archäologische Wissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt

23. November
"Regime der Anwesenheit. Das legale Bild"
Dr. Dr. Fabian Steinhauer, Geschichte und Theorie der Kulturtechniken, Bauhaus-Universität Weimar

30. November
"Vom Gesicht des Verbrechens und vom Verschwinden der Verbrecher. Polizeifotografie um 1900"
PD. Dr. Jens Jäger, Heisenberg-Stipendiat, Historisches Seminar der Universität zu Köln

07. Dezember
"Die Kunst der Kontrastbewältigung. Vom Abwedeln bis zur HDR-Bildtechnik"
Prof. Dr. Ing. Gregor Fischer, Phototechnik, Institut für Medien- und Phototechnik der Fachhochschule Köln

14. Dezember
"Fingierte Dokumentationen. Fotoserien Clare Strands zwischen ‚dokumentarischem' und ‚inszeniertem' Charakter"
Prof. Dr. Doris Schuhmacher-Chilla, Kunsttheorie, Institut für Kunst- und Kunsttheorie der Universität zu Köln

21. Dezember
"Das Ende der Evidenz? Zeitgenössische Fotografie und Bildgeschichte"
Prof. Dr. Ursula Frohne, Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln

11. Januar
"What happens to Peirce's 'collateral knowledge' of photography in the digital era?" (Charles S. Peirce' Zeichentheorie und das digitale Zeitalter)
Prof. Dr. François Brunet, Amerikanische Kunst und Literatur, Université Paris Diderot-Paris7

18. Januar
"Marks of Being. Photographs, Histories and a Critical Forensics" (Kritische Spurensicherung: Über das Verhältnis von Fotografien und Geschichte)
Prof. Dr. Elizabeth Edwards, Direktorin des Photographic History Research Centre, Leicester

25. Januar
"Ein Geschlecht bestimmen. Sichtbarkeit und Norm um 1900"
Prof. Dr. Kathrin Peters, Geschichte und Theorie gegenwärtiger Medien, Kulturwissenschaftliches Institut der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Weitere Informationen unter:
http://www.uni-koeln.de/phil-fak/khi/fotografie.html

Bei der Ringvorlesung handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt des Professional Centers der Universität zu Köln, der Koordinierungsstelle Wissenschaft + Öffentlichkeit und des Kunsthistorischen Instituts, Geschichte und Theorie der Fotografie.

Quellennachweis:
ANN: Ringvorlesung: Fotografie "Aufzeigen oder Beweisen? (Univ. Koeln). In: ArtHist.net, 18.09.2011. Letzter Zugriff 23.05.2025. <https://arthist.net/archive/1864>.

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