Prof. Dr. Thomas Etzemüller
Kulturgeschichte der Moderne
Universität Oldenburg
thomas.etzemuelleruni-oldenburg.de
CfP – Beiträge für einen Sammelband
Arbeitstitel: Der Auftritt. Performanz in der Wissenschaft
Der Band wird im Transcript-Verlag erscheinen, vorauss. Sommer/Herbst 2019 (geplante Abgabe der Beiträge Anfang Dezember 2018).
In der Forschung zu Theatralität und Performanz wird die Wissenschaft bislang weitgehend ausgeblendet, dabei, so die These, gehören Performanz, performance oder self fashioning zu wichtigen wissenschaftlichen Instrumenten. Es handelt sich um mehr als nur eine trügerische Oberfläche, denn durch den Auftritt setzt man sich vor aller Augen impliziten wissenschaftlichen Prüfungen aus. Ohne inhaltliche Qualität wird man in der Wissenschaft ohne Zweifel nicht reüssieren. Doch ohne Performanz kann man zwar wissenschaftliche Leistungen erbringen, wird aber von sozialen Netzwerken und damit von notwendigen Ressourcen und Rezeption mehr oder weniger drastisch abgeschnitten. Performanz substituiert nicht wissenschaftliche Qualität, sie ist Voraussetzung und Werkzeug, im Kollektiv der Gleichsubjektivierten das hervorzubringen, was Professionelle anderer Subsysteme nicht vermögen: wissenschaftliche Wahrheit. Das macht sie zu einer paradoxen Sache: Performanz muss für alle sichtbar sein, aber eigentlich unbemerkt bleiben, um ihren instrumentellen Charakter zu verschleiern.
Der Band soll das Phänomen auf verschiedenen Themenfeldern beleuchten, und zwar durch:
• Beiträge, die Performanz, self fashioning usw. in der Wissenschaft explizit beleuchten,
• den vergleichenden Entwurf von „Parallelfiguren“ in anderen Feldern und Professionen, um performative Praktiken zu kontrastieren und zu konturieren,
• (auto-)biografische Beiträge, die zu diesen Fragen eine subjektive Binnenperspektive bieten,
• die Analyse von Formen der Darstellung performativer Praktiken,
• Beiträge, die Praktiken und Mechanismen der Anerkennung und Ausschließung in den Blick nehmen,
• Analysen von Räumen und Bühnen der Performanz,
• usw.
So soll eine Diskussion über Disziplingrenzen und Medientypen hinweg in Gang gesetzt werden, durchaus changierend zwischen klassischer Analyse, (auto-)ethnographischem Bericht und literarisch-künstlerischer Verarbeitung, um die für die Erkenntnistheorie fundamentale Bedeutung des „Auftritts“ in der Wissenschaft deutlicher herauszuarbeiten.
Erbeten werden kurze Exposés (max. 5000 Zeichen) möglicher Beiträge in deutsch oder englisch bis zum 20.7.2018 per E-Mail an thomas.etzemuelleruni-oldenburg.de.
Der Band wird voraussichtlich Beiträge enthalten von Thomas Alkemeyer (Soziologie), Sandra Beaufaÿs (Soziologie), Björn Bertrams (Literaturwissenschaft), Sabrina Deigert (Literaturwissenschaft), Thomas Etzemüller (Kulturgeschichte), Julika Griem (Anglistik), Julian Hamann (Soziologie), David Kuchenbuch (Geschichtswissenschaft), Anna Langenbruch (Musikwissenschaft), Herbert Nikitsch (Europäische Ethnologie), Zuzanna Papierz (Kunst und Materielle Kultur), Sybille Peters (Kunst & Wissenschaft), Elisabeth Timm (Europäische Ethnologie), Lena Vöcklinghaus (Literaturwissenschaft), Rozemarijn van de Wal (Geschichtswissenschaft), Anja Zimmermann (Kunstgeschichte).
Quellennachweis:
CFP: Beiträge Sammelband "Performanz in der Wissenschaft". In: ArtHist.net, 25.06.2018. Letzter Zugriff 05.04.2026. <https://arthist.net/archive/18486>.