Internationaler Workshop
Versatile Camcorders: Looking at the GoPro-Movement
ZeM (Brandenburgisches Zentrum für Medienwissenschaften), veranstaltet von Winfried Gerling und Florian Krautkrämer
Die GoPro ist ein sogenannter Action-Camcorder, eine kleine, einfach zu bedienende und besonders robuste Kamera, mittels der man sowohl unter Wasser als auch beim Fallschirm-springen und anderen schwer zu filmenden Gelegenheiten Videoaufnahmen machen kann. Sie kam 2004 noch als analoge Fotokamera für Surfer auf den Markt. Im Markennamen Go-Professional ist eingeschrieben, was das Ziel dieser neuen Kultur ist: vermeintliche Professionalisierung der Bildproduktion unter schwierigen Bedingungen.
Mit der GoPro als die 'worlds most versatile camera', wie es im Werbetext heißt, überträgt sich der Gestus der angepriesenen Beweglichkeit auf die Aktionen der Aufnehmenden bzw. die Möglichkeiten, die Kamera an diverse bewegliche Objekte und Subjekte zu koppeln. So entsteht ein Genre von riskanten (existenziellen) Bildern. Bilder z.B. von Fallenden (Fallschirm-springerInnen, BasejumperInnen und Wingsuit-FliegerInnen) und 'Gefallenen' (bspw. wenn die Helmkamera von Kämpfenden Bilder aus Gefechtssituationen aufzeichnet) sowie von außer Kontrolle geratenen Situationen (Tiere entführen die Kamera). Stärker als in der bekannten Ästhetik der Handkamera taumeln hier Perspektiven; Vertikalität und Horizontalität spielen kaum eine Rolle, die Körper der Filmenden bilden das Zentrum der Perspektive. Die GoPro hat nicht nur ein neues Kamerasegment eingeführt, sie hat auch die Bildwelten der Amateurfilmproduktion verändert, was sicherlich nicht nur den technischen Möglichkeiten geschuldet, sondern auch Ergebnis aggressiver Markenkommunikation ist.
Themen, die aus der Perspektive dieses noch relativ neuen Apparates auf der Tagung diskutiert werden, sind u.a. die Veränderung des Amateurfilms und den damit zusammenhängenden Bildwelten, die Geste der riskanten Aktion und der erhöhten Risikobereitschaft, der Einfluss auf den (Bürger-)Journalismus, Aspekte der Zirkulation der Bilder in sozialen Netzwerken, neue Gesten wie das Selfie sowie Aus- und Einwirkungen des Apparates auf den Körper.
Der Fokus des Workshops liegt auf dem Austausch, nach jeder Präsentation gibt es Raum für ca. 30minütige Diskussion.
Um Anmeldung wird gebeten an: goprocallzem-brandenburg.de
Vollständige Abstracts und weitere Informationen finden sich auf der Konferenz-Homepage unter http://versatilecam.de/
Programm
21.06.2018
10:00-11:00
Introduction
Winfried Gerling and Florian Krautkrämer, Fachhochschule Potsdam/Hochschule Luzern
11:00-11:15 Coffee
11:15-13:15
Going Beyond the Human Perspective: GoPro Cameras as Subversive Image-Making Devices
Philippe Bédard, Université de Montréal
Filming Animals: Portable Media and Non-Human Media Practices
Marek Jancovic, Johannes Gutenberg-Universität, Mainz
13:15-15:00 Lunch
15:00 -17:00
Vision Machines and the Body in Conflict
Svea Bräunert, University of Cincinnati
Neues Sehen. Die Multiperspektivität des GoPro-Cyborgs
Fabian Goppelsröder, Freie Universität Berlin
17:00-17:30 Coffee
17:30-18:30
Mit der GoPro in den Heiligen Krieg
Simon Menner, Berlin
22.06.2018
9:30-11:30
Watching ›a Skyscraper on its Side‹ – From the Sky. Horizontale Macht aus vertikaler Perspektive und Ästhetiken der Konstruktion und Destruktion
Tobias Conradi, ZeM Brandenburg
Sehen lassen. Spekulationen zur Technisierung des Blicks
Jan Distelmeyer, Fachhochschule Potsdam
11:30-12:00 Coffee
12:00-14:00
Driftung und Wirbalisierung: ambulatorische fun-und-thrill-Techniken medio-as-sociativer GoPro-Aufzeichnungsekstasen
Matthias Thiele, TU Dortmund
Der Sumpf film(t). Bewegtes Bild und Umweltlichkeit in ‘Swamp’ (Nancy Holt/Robert Smithson)
Julian Jochmaring, ZeM
14:00-15:30 Lunch
15:30-17:30
Nicht alle Fische haben Augen. Vom Untergehen und Auftauchen
Nanna Heidenreich, Internationale Filmschule Köln
Wie GoPro den Weltraum bewohnbar macht
Anne Quirynen, Fachhochschule Potsdam
Quellennachweis:
CONF: Versatile Camcorders: Looking at the GoPro-Movement (Potsdam, 21-22 Jun 18). In: ArtHist.net, 29.05.2018. Letzter Zugriff 04.04.2026. <https://arthist.net/archive/18264>.