CFP: Die Nische

Universität Bern
Eingabeschluss: 15.04.2017

Publikation (inkl. zwei Workshops zur Vorbereitung)

Die Nische - Geschichte eines künstlerischen Rückzugsorts in der Europäischen Moderne

Architektonisch gesehen ist die Nische Aussparung und Ausweitung. Gesellschaftlich, kulturell-künstlerisch oder ökonomisch gesehen ist die Nische der Sitz des Alternativen, Elitären oder auch Innovativen: Wir sprechen von Nischenkulturen, Nischenkünsten, Nischenprodukten oder Marktnischen. Sämtliche dieser Konzepte setzen voraus, dass sich Individualismus und Pluralismus von der Majoritätsgesellschaft bzw. -kultur räumlich isolieren müssen, um kreativ zu sein. Dieser traditionellen und bis heute äußerst relevanten Praxis des Rückzugs wurde von Seiten der Forschung bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Mit Blick auf das kommende Jubiläumsjahr zur 68er-Bewegung möchten wir dies ändern und bitten um Themenvorschläge für die ungefähren Zeitabschnitte 1730-1789, 1880-1920 und 1961-1989. Im Zentrum können nachfolgende Themen stehen:

- Diskurse und Medien, die sich der Nische widmen inkl. Nischenpositionen in der Geschichte der Kunstgeschichte/-wissenschaft
- Künstlerische Nischenkulturen in ihrer Beziehung zur Mehrheitsgesellschaft, politischen Systemen etc. oder zu gesellschaftlichen Minderheiten
- Nischen mit ihren Ausstattungen, Techniken und Materialien: z.B. Salon, Boudoir, Club oder städtische Nischen von Einwanderern (Frage des Kulturtransfers oder konkrete Beispiele wie Chinatown o.ä.)
- Verwandtschaft zu anderen künstlerischen Frei- und Spielräumen oder Randphänomenen
- Nischenentwürfe als exotische, ferne und fantastische Welten
- Lebensstil als künstlerische Nische: z.B. Opponenten-, Verweigerer-, Hedonisten- oder Queer-Kulturen
- Nischendarstellungen in Literatur, Bildender Kunst etc.
- Entwicklungen von der Nischenkultur zum Mainstream

Die Themen sollen so gefasst sein, dass dabei ein Bezug zwischen der Nischenbildung in Kunst/Kultur und den gesellschaftlich-politischen Rahmenbedingungen greifbar wird. Ziel ist es, die Grundlagen, Konzepte wie die Spannungen zur Mehrheitskultur sichtbar zu machen und einen ersten historischen Überblick zur Nische zu geben.

Die gemeinsame Arbeit am Thema soll sich in zwei Stufen vollziehen: Auf einem ersten Workshop im Spätsommer 2017 (KW 38) sollen Ausarbeitungen von etwa 5 Seiten vorgestellt werden, die nach dem Treffen weiter ausgearbeitet und auf einem zweiten Workshop (KW 49) erneut diskutiert werden. Das Ziel ist die endgültige Abgabe des ca.15-seitigen Beitrags inkl. 5-6 Abbildungen bis Ende Februar 2018 und die Veröffentlichung einer inhaltlich und argumentativ möglichst kohärenten Publikation (Sommer 2018).

Wir bitten um Vorschläge mit einem deutsch-, französisch- oder englischsprachigen Exposé (max. 1.5 Seiten) mit der für Sie relevanten Fragestellung, Quellengrundlage und Arbeitshypothese. Bewerbungen inklusive Kurzbiografie können bis zum 15. April 2017 bei PD Dr. Julia Burbulla (julia.burbullaikg.unibe.ch) eingereicht werden. Ausgewählte Teilnehmer werden bis zum 15. Mai 2017 informiert.

Quellennachweis:
CFP: Die Nische. In: H-ArtHist, 10.02.2017. Letzter Zugriff 27.04.2017. <https://arthist.net/archive/14751>.

Beiträger: Julia Burbulla

Beitrag veröffentlicht am: 10.02.2017

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