Die weitverzweigte Konjunktur kleiner Formen in der digitalen Medien- und Alltagskultur bietet nach historischen und interdisziplinären Erkundungen aktuell Anlass, verstärkt auch nach dem oszilliereden und spannungsreichen Mit- und Gegeneinander kleiner Formen zu fragen. Das Kleine, das als inhaltliches Relevanzkriterium mit einem durchaus widerständigen Potenzial der Polarität identifiziert wurde (vgl. Autsch/Öhlschläger/Süwolto, Kulturen des Kleinen, Fink 2014), setzt Prozesse der Entgrenzung und Zerstreuung in Gang, die aus kulturellen Akten der Zerschlagung großer Sinneinheiten hervorgehen. Im Oszillieren zwischen Dingen, Zuständen, Maßstäben usw. nehmen sie, so ein Befund, eine An-, Um- und Neuordnung von Dingen, Materialien, Texten und Bildern und somit auch von Sichtweisen und Denkbildern vor. Gleichzeitig resultiert die Profilierung und Konturierung kleiner Formen, z. B. als Selfie, Modell oder Miniatur, als Detail oder Fragment aus jenen hybriden Prozessen und relationalen Zusammenhängen, in denen sie sich bewegen. Kleine Formen als Bewegungsfiguren provozieren somit stets andere Formen und veränderte Ordnungen. Der Begriff Konstellation scheint im Vergleich zu Ordnungsmetaphern wie Dispositiv, System, Kontext, Netzwerk, Gewebe besonders geeignet, um interaktiv und intermedial verflochtene Phänomene, zirkulierende und zerstreute Bewegungen und polarisierende Bedingungen kleiner Formen und Formate sowie ästhetische und soziale Faktoren und Resonanzen sichtbar und als optische Figuren beschreibbar zu machen.
Der wissenschaftliche Workshop zielt mit Beiträgen aus Kunst-, Musik-, Medien- und Literaturwissenschaft auf eine kritische Lesart und Überprüfung des Konstellationen-Begriffs ab. Durch die am Gegenstand entfalteten Mikroanalysen ist beabsichtigt, die in den flüchtigen und prozessualen Bewegungen und relationalen Gefügen gespeicherten Denk-Figuren optisch lesbar zu machen.
Programm
Freitag, 24. Juni 2016
12.00h
Welcome Statements:
Sabiene Autsch (Paderborn)
Jens Birkmeyer (Münster)
Andreas Käuser (Siegen)
Sarah Maaß (Dortmund)
Tim Pickartz (Paderborn)
Mini-Lunch
13.30h
Jens Schröter (Bonn)
Omega Minus - Konstellationen des Allerkleinsten
14.00h
Matthias Thiele (Dortmund)
Dispositiv und Konstellation
14.30h
Thomas Krettenauer (Paderborn)
„Little teenage symphonies“ und Mini- Opern: Musikalische Dramaturgie und
Erzählstrategie(n) in Pop/-Rocksongs der 1960/70er Jahre.
Diskussion: Jens Birkmeyer
15.30h
Coffee Break
16.00h
Nicola Glaubitz (Darmstadt)
Der moderne Langroman: Eine Konstellation des Kleinen?
16.30h
Antje Quast (Siegen)
„Constellation“ bei Mallarmé und einigen Künstlern des 20. Jahrhunderts.
Überlegungen zu Konstellation als kritischem und poetischem Verfahren
17.00h
Coffee Break
17.30h
Caroline Torra-Mattenklott (Aachen)
Figuren mit Variationen. Das va-et-vient der Gedanken in Paul Valérys Cahiers
Diskussion: Claudia Öhlschläger
ab 20h
Workshop Dinner
Samstag, 25. 6. 2016
9.00-9.30h
Christian Schulz (Düsseldorf)
Selfies - kleine Ichs zwischen Subjekt und Objekt
9.30-10.00h
Kirsten von Hagen (Gießen)
Telefonmonodramen als kleine Form
Diskussion: Andreas Käuser
11.00h
Coffee Break
11.30h
Perspektiven, Planungen, Projekte
Ende gegen 13h
Quellennachweis:
CONF: Konstellationen des Kleinen (Paderborn, 24-26 Jun 16). In: ArtHist.net, 12.06.2016. Letzter Zugriff 03.04.2026. <https://arthist.net/archive/13244>.