Ästhetische Erfahrung und Reflexion. Das Subjekt in Kunst und Kunstphilosophie.
Tagung zur Eröffnung des Bauhaup- Archivs
Bulthaup lehrte von 1975 bis 2003 Philosophie an der Universität Hannover. Er hatte in Göttingen und Frankfurt zunächst ein Studium der Physikalischen Chemie absolviert und dann bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno Philosophie studiert. Nach einer Professur für Didaktik der Naturwissenschaften in Darmstadt wurde er Professor für Naturphilosophie in Hannover. Seine Lehre umfasste ein breites Spektrum der Philosophie, von der Erkenntnistheorie und Philosophie der Naturwissenschaften über Ethik, Rechts- und Sozialphilosophie, Geschichtsphilosophie bis hin zur Ästhetik, der eine Schlüsselfunktion für Bulthaups Freiheitsbegriff zukommt.
Anknüpfend an die frühe kritische Theorie hat er besondere Akzente auf der Kritik der politischen Ökonomie und der gesellschaftlichen Funktion der Naturwissenschaft gesetzt. Daraus ist eine argumentativ dichte philosophische Erkenntnis der Gegenwart im Bewusstsein ihrer Geschichtlichkeit und Veränderbarkeit entstanden. So geht es beispielsweise darum, bei der Bestimmung der gesellschaftlichen Funktion der Naturwissenschaft deren theoretisches Niveau nicht weltanschaulich zu unterlaufen. Im Gegenteil können auch Philosophie und Gesellschaftskritik außerhalb eines systematisch begründeten Wissenschaftsbegriffs keinen Anspruch auf Wahrheit oder Geltung ihrer Aussagen machen. Philosophische Reflexion hat dann die Aufgabe, über die Vermittlung von Geschichtlichkeit und Systematik des Denkens aufzuklären. Die Aufklärung über das eigene Denken, die Kritik von Ideologie, die historisch aber nicht systematisch notwendig ist, sind theoretische Antizipationen von Freiheit. Die Erfahrung von Kunst kann ästhetische Antizipation von Freiheit sein. Insofern wirft die Philosophie der Kunst auch Licht auf den für Bulthaups Denken substantiellen Zusammenhang von Theorie und Praxis.
Obwohl Peter Bulthaup zu Lebzeiten nur wenig publizierte, hinterließ er ca. 40.000 Seiten Manuskripte und Typoskripte. Außerdem waren in seinen Lehrveranstaltungen ca. 700 Kassetten mit Tonaufnahmen angefertigt worden. 2013 gelangten die archivierten Bestände in die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek. Hier können sie sowohl im Original eingesehen als auch über den Katalog Online als Scann aufgerufen werden.
Mit der Veranstaltung soll das Peter-Bulthaup-Archiv eröffnet werden, um seine Inhalte, Nutzungsmöglichkeiten und Perspektiven der Öffentlichkeit vorzustellen. Für die nächsten Jahre plant das Peter-Bulthaup-Archiv weitere Tagungen zu anderen Themenschwerpunkten der Arbeit Peter Bulthaups.
PROGRAMM
Sonntag, 07.02.2016
11:00 - 11:15
Begrüßung
11:15 - 12:00
Jan Müller (Bad Bederkesa)
Der Nachlass von Peter Bulthaup
12:00 - 12.30
Prof. Michael Städtler (Münster)
Das Peter-Bulthaup-Archiv. Entstehung, Bestand, Zukunft
12:30 - 13:00
Dr. Adrian Pigors (London)
Aufbau des Peter Bulthaup Archivs
13:00- 14:30
Empfang
15:00 - 16:00
Dr. Maxi Berger (Oldenburg)
"Kadenz im Konjunktiv". Das Subjekt im Ästhetischen
16:00 - 17:00
Berhold Wendt (Hannover)
Zwei antinomische Subjektivitäten in einer Person. Zum Gehalt der poetischen Gestaltungsform in Anna Seghers 'Der Ausflug der toten Mädchen'
17:30 - 18:30
Dr. Claudia Kalász (Barcelona)
"Ein Denken, das Bilder erzeugt": Korrespondenzen zwischen dem katalanischen Konzeptkünstler Francesc Abad und Walter Benjamin
18:30 - 19:30
Prof. Martin Büchsel (Frankfurt a.M.)
Symbolische Kommunikation und ästhetische Erfahrung. Dürers Melancholiestich von 1514
Montag, 08.02.2016
18:00 - 19:30
Prof. Helmut Lachenmann und Dr. Oliver Voß
Über das gesellschaftlichskritische Potential des Hörens.
Diskussion mit Klangbeispielen
Quellennachweis:
CONF: Ästhetische Erfahrung und Reflexion (Hannover, 7-8 Feb 16). In: ArtHist.net, 07.01.2016. Letzter Zugriff 19.05.2026. <https://arthist.net/archive/11894>.