CFP: Die Neue Tradition - Materialdiskussionen in historischer Perspektive (Dresden)

TU Dresden, 07. - 08.10.2011
Deadline: May 31, 2011

Tagung des Lehrstuhls für Baugeschichte und des architekturhistorischen Projekts L des Sonderforschungsbereichs 804 „Transzendenz und Gemeinsinn“ an der Technischen Universität Dresden vom 7. bis 8. Oktober 2011.

„What do you want, brick?“ fragte Louis Kahn 1970 den Ziegel, und er erhielt zur Antwort:
„I like an arch!“. Vergeblich blieb der Einwand nach Wirtschaftlichkeit; der Ziegel forderte Materialgerechtigkeit, so wie es schon führende Architekten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, von Frank Lloyd Wright bis Adolf Loos, in ihren theoretischen Äußerungen propagiert hatten.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der Architekt die Qual der Wahl: Aufgrund der neuen technischen Möglichkeiten war die Entscheidung über den Baustoff zunehmend weniger durch Transportwege und Bearbeitungsaufwand eingeschränkt, womit das Material vielfältiger, aber auch beliebiger einsetzbar wurde. Um diese Beliebigkeit zu bändigen, behaupteten die Architekten der Reform, die Materialwahl nach den Kriterien übergeordneter Sachlichkeit zu treffen, was Nikolaus Pevsner bestätigte, wenn er der Stahl- und Glasarchitektur der Fabriken von Walter Gropius attestierte, sie sei „klar und frei vom Mysterium“, und ernüchtere „alle transzendentalen Gedanken“.
Dennoch wurde dem Baumaterial zugleich ein Bedeutungspotenzial untergeschoben, sei es in Richtung auf ein befreiendes gesellschaftlich-revolutionäres Modell, sei es hin zu konstruierten Traditionen. Das gilt gleichermaßen für neue (z. B. Beton) wie für wiederentdeckte Materialien (etwa Backstein). Die Architekten und die Architekturkritiker der Zeit interpretierten sie zwischen suggerierter Handwerklichkeit und offener Industriebejahung, wiesen ihnen also eine technikkompensierende oder technikbetonende Aussage zu.
Für diese Konferenz wird nach den Bedeutungszuschreibungen für Baumaterial in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert gefragt, insbesondere nach Überhöhungen etwa mittels Mythisierung oder Anbindung an Traditionen, aber auch nach Dekonstruktionen von Material-Sinn.

Im Vorfeld der Tagung bitten wir um "Paper", die das jeweilige Vortragsthema in ca. 300 Wörtern zusammenfassend darstellen. Vorschläge bitte bis zum 31. Mai 2011 an:

(e-mail)
Kai.Krauskopftu-dresden.de
Hans-Georg.Lipperttu-dresden.de
Kerstin.Zaschketu-dresden.de

(brieflich)
Dr. Kai Krauskopf/Prof. Dr. Hans-Georg Lippert / Dipl.-Ing. Kerstin Zaschke
Technische Universität Dresden
Sonderforschungsbereich 804 „Transzendenz und Gemeinsinn“
01062 Dresden

Weitere Informationen auf der Homepage des Forschungsverbundes Neue Tradition:
http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/fakultaet_architektur/ibad/neue_tradition

Reference:
CFP: Die Neue Tradition - Materialdiskussionen in historischer Perspektive (Dresden). In: ArtHist.net, Mar 24, 2011 (accessed Oct 2, 2020), <https://arthist.net/archive/1112>.

Contributor: Kai Krauskopf

Contribution published: Mar 24, 2011

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