Gustav Frank; Barbara Lange: Einführung in die Bildwissenschaft

Reviewed by: Katharina Eck, Mariann Steegmann Institut, Universität Bremen

Die von Gustav Frank und Barbara Lange verfasste ‘Einführung in die Bildwissenschaft’ setzt eine Diskussion fort, die in einer Reihe seit Mitte der 90er Jahre erschienener Publikationen geführt wird, die sich – in Bezug auf Gottfried Boehms Proklamation des ‘Iconic Turn’ – mit möglichen Konzepten, Zielen und Anwendungen einer Disziplin der Bildwissenschaft auseinandersetzen [1]. Sowohl Titel und Zuordnung zur Verlagsprogrammreihe ‘Studium’ als auch die konzise Erscheinungsform des Bandes sprechen als Zielgruppe StudentInnen an bzw. eine Leserschaft, die gemäß einer Einführung vornehmlich über grundlegende Gegenstände, Terminologien und Methodiken der noch jungen Disziplin informiert sein möchten. Dass nun jedoch gerade nicht ein Grundlagenwerk oder eine Art Sachwörterbuch mit eindeutigen Begriffsdefinitionen und Kategorisierungen zu erwarten ist, wird schnell deutlich: Der Untertitel bezieht sich auf Bilder ‘in der visuellen Kultur’, was in der Gliederung mehrmals wiederholt aufgegriffen wird. In der Einleitung (I) ist vom ‘Forschungsfeld visuelle Kultur’ die Rede, und auch das darauffolgende zweite Kapitel, das die ‘Prinzipien der Systematik’ einer Bildwissenschaft vorstellt, beschäftigt sich mit der kulturellen Verankerung von Bildern und bildgebenden Verfahren in ihrem Gebrauch – d. h. im Alltagskontext – und in den Dimensionen von Raum, Bewegung und psychischer Vorstellungskraft. Dieser Linie folgen dann die beiden Kapitel ‘Wege der Analyse’ (III und IV), die Ausführungen zum ‘Bildwissen’ (V), die ein größeres Spektrum an wissenschaftlichen Betätigungsfeldern aufmachen, sowie die exemplarischen Einzelanalysen als ungemein lehrreicher und spannender Abschlussblock (VI).

Sehr angenehm fallen die Marginalien auf, die schlagwortartig durch den gesamten Text führen und ihn, neben einer Erleichterung der thematischen Suche, optisch ansprechend machen. Das Inhaltsverzeichnis bietet zwar keine typische Auffächerung (wie z. B. ‘das Bild in der Kunst(geschichte)’, ‘das Bild im Film’, ‘das digitale Bild’ etc.), jedoch wird man beim Lesen bald merken, dass das Buch einer gut durchdachten inneren Logik folgt. Beispielsweise stellt Teil 1 der ‘Wege der Analyse’ – Bilder in der symbolischen Praxis – wichtige Aspekte vor, die mit einer Bildwissenschaft untrennbar verbunden sind (Konstruktion und Codierungen des Sehens), während Teil 2 – Bilder als soziale Praxis – ausführlicher auf die soziokulturellen Bedingungen jeglichen bildwissenschaftlichen Arbeitens und den Begriff der ‘Viskurse’ eingeht. Zu dieser Gliederung passen die Hinweise, dass bei Analysen zu unterscheiden sei, ‘wie Bilder zur Erkenntnis und zur Erzeugung der Welt(sicht) beitragen’, und was ‘ihre Funktion in und für verschiedene Umwelten’ ist. Weiterhin wird erklärt‚ ‘dass wir es tatsächlich mit einer wechselseitigen Abhängigkeit des Symbolischen und des Sozialen zu tun haben’ (S 42).

Das Hauptanliegen des Buches wird erwartungsgemäß schon in der Einleitung formuliert und gibt Hinweise für die Wahl der ungewöhnlichen Binnengliederung: Es soll eine gesellschaftliche Praxis, in der Bilder erst entstehen und sich wandeln, ‘zur Grundlage’ dafür gemacht werden‚ ‘die Schwierigkeiten mit dem Bild(-Begriff) bzw. den Bildbegriffen nachzuzeichnen und fruchtbar zu wenden’ (S. 12). An Stelle einer Einführung in bereits zuvor ansatzweise formulierte Theorien einer Bildwissenschaft soll die ‘Neugier auf die Phänomene der visuellen Kulturen’ geweckt und exemplarisch gezeigt werden, wie die bestehenden Differenzen in der Herangehensweise an diese Phänomene ‘produktiv gemacht werden können’ (ebd.). Die AutorInnen tun dies von einem interdisziplinären Standpunkt aus, wobei Barbara Lange als Kunsthistorikerin und Gustav Frank als Dozent der Literatur- und Medienwissenschaft beste Voraussetzungen für eine gemeinsame Arbeit auf dem Gebiet der Bildwissenschaft mitbringen. Ihren Lesern machen sie verständlich, dass es sich bei der Bildwissenschaft um ein sich fortlaufend entwickelndes Projekt handelt, das ‘sich im deutschen Sprachraum zu behaupten versucht’ und das nicht auf die gleiche Weise wie ein etabliertes Fach betrachtet werden kann (S. 11). Dennoch verstehen die AutorInnen es, genau diese Prozessualität als Stärke und Agens einer Erforschung und Beschreibung eines ‘Konglomerats von Artefakten [...] sozialen Praktiken [...] und kulturellen Redeformen’ – so die umfassende Definition des Gegenstandes – herauszustellen (S. 10f.). Damit hat das Projekt nicht nur eine Existenzberechtigung, sondern vielmehr das Potential einer Erneuerung festgefahrener akademischer Forschungspraktiken [2].

Mögliche Anwendungsgebiete für bildwissenschaftliche Untersuchungen werden als Einstieg sehr anschaulich präsentiert, während gegen Ende der Einleitung die Frage diskutiert wird, wie man die Bildwissenschaft von anderen Wissenschaften, mit denen sie doch ‘verwandt’ zu sein scheint, abgrenzen kann. Hierbei werden drei ‘Säulen’ der Bildwissenschaft vorgestellt – die Kunstgeschichte, die Medienwissenschaft und die Neurologie – , die unterschiedliche Zugriffe auf Bilder und Bildlichkeit erlauben. Überdies werden noch andere relevante theoretische Konzepte wie die Phänomenologie, Semiotik und Systemtheorie erwähnt. Leider finden maßgebliche Autoren und Texte in nur ein, zwei Sätzen Beachtung – wenn sie nicht noch kürzer am Rande erwähnt oder in Klammern erscheinen – , wo man sich doch zumindest einen kurzen Kommentar bzw. eine genauere Einordnung in den Zusammenhang des Absatzes gewünscht hätte [3]. Dies ist natürlich dem skizzenhaften Charakter geschuldet, der jeder knappen Einführung zugrunde liegt. Dennoch fragt man sich, ob nun die Einschübe z. B. zu semiotischen Werkzeugen oder dem historischen Betrachter bei Didi-Huberman wieder aufgegriffen werden (wie einige der Fallbeispiele, die die Leser durch Querverweise durch die gesamte Lektüre begleiten) oder nicht. Als durchweg positiv möchte ich hingegen die ausformulierten Arbeitsfragen und klaren Positionierungen hervorheben, die, an keiner Stelle zu aufdringlich, aus dem Einführungsbuch eine ebenso interessante wie anregende Argumentationskette machen, zu der man sich am liebsten sofort äußern möchte [4].

Am ehesten einer klassischen Einführung entspricht Kapitel II, das eine Reihenfolge von bildwissenschaftlichen Untersuchungsgegenständen entsprechend ihrer Entdeckung und Thematisierung in den Wissenschaften vorstellt. Mit Rückbezug auf die erste ‘Säule’ in der Einleitung wird die Kunstgeschichte als historischer Ausgangspunkt von Bildbeschreibungen hervorgehoben und zugleich als eine Disziplin, die ‘heute ihre eigenen Voraussetzungen reflektiert’ (S. 19). Es wird auch klarer, weshalb weder dieses Kapitel noch die Gesamtgliederung als eine auf Festschreibung abzielende Kategorisierung (miss)verstanden werden soll, denn als Ausgangspunkt einer Bildwissenschaft wird hier gerade ein ‘unhierarchisch gedachter Begriff vom Bild’ zugrunde gelegt, der keinesfalls zu einschränkend sein darf. Dadurch kann die ‘Analyse von Visualität als eine Verschränkung von körperlichen Voraussetzungen des Menschen und seiner sozialen Umwelt verstanden werden’ und ist nicht an bestimmte Erscheinungsformen, wie etwa das Bild in der Kunst, gekoppelt (S. 20). Das Verständnis von der sozialen Codierung von Bildern, dass ‘selbst die Frage, ob etwas ein Bild ist, kulturell beständig ausgehandelt wird’ (S. 23), vermitteln die AutorInnen als wichtige Voraussetzung jeglicher bildwissenschaftlichen Betätigung.

Die folgende knappe Übersicht zu einigen für das Projekt Bildwissenschaft relevanten Bereichen zeichnet sich durch eine Konzentration auf innovative Ansätze der aktuellsten Forschung aus. Erwähnung finden dabei sowohl die Raumsoziologie als auch verschiedene Formen von Bewegungsaufzeichnungen und natürlich die Anfänge des Films. Vom ‘fruchtbaren Moment’ einer Laokoon-Ästhetik ist ebenso die Rede wie von bildgebenden Verfahren zur ‘Aufzeichnung und Vermessung der Welt’ und dem Bedeutungsüberschuss errechneter (digitaler) Bilder, der wiederum eine bildwissenschaftliche Betrachtung geradezu herausfordert (S. 28ff.). In einem Abschnitt zu Mimesis und Mimikry wird zur Unterscheidung zwischen bildgebenden und bildverstehenden Verfahren und schließlich zu den Grenzen der Repräsentationstheorien übergeleitet, die davon ausgehen, dass Bilder immer nur etwas (Abwesendes) abbilden oder für etwas Anderes stehen. So überzeugt das Systematik-Kapitel nicht nur durch die gute Nachvollziehbarkeit seiner Struktur und anschauliche Beispiele. Die Zusammenschau von speziellen Herausforderungen, Problemen und Chancen, die mit dem Projekt Bildwissenschaft einhergehen, ergänzt überdies als ein ‘bedeutender Überschuss’ die Einführungslektüre sinnvoll und gleichzeitig unterhaltsam [5]. Dafür steht speziell der letzte Unterpunkt, der die sogenannten ‘Inneren Bilder’ reflektiert und die Gehirnforschung insofern in der Bildwissenschaft verankert, als sie ‘eine Erweiterung des Begriffsumfangs auf eine ganze Reihe von auch nicht optischen Phänomenen’ vornimmt, wobei die Schwierigkeit einer Diskursivierung von ‘inneren’ bzw. ‘unsichtbaren’ Bildern immer wieder betont wird. Die abschließenden Ausführungen zu Metaphern, Emblemen und zum ekphrastischen Schreiben als Formen von Bild-Texten/Textbildern fallen allerdings zu kurz aus, zumal sich wohl jeder an Bildlichkeit interessierte Forschende mit diesen Sonderformen von Bildern auseinandersetzen sollte. Insbesondere im Sammelband von Boehm/Pfotenhauer zur ‘Beschreibungskunst – Kunstbeschreibung’ (1995) [6] werden die Grenzen von Text und Bild, von (sprachlich) vermittelter und vermeintlich unvermittelter Bedeutung ausgelotet und mögliche Definitionen und Herangehensweisen an solche Phänomene präsentiert. Auf diesen im Literaturverzeichnis sehr wohl enthaltenen Sammelband hätte an der Stelle extra verwiesen werden können, wie dies mit Mitchells ‘Bildtheorie’ geschehen ist; darüber hinaus hätte sich für diesen Teil des Kapitels eine bessere Veranschaulichung durch Bildbeispiele angeboten.

Doch dies sind lediglich Randbemerkungen angesichts der insgesamt gelungenen Mischung aus Einstieg in die Materie und Diskussion von für die Bildwissenschaft relevanten Begriffen und Untersuchungsfeldern, die Kapitel II uns zu bieten hat. Die beiden nun folgenden, oben bereits erwähnten Kapitel zu einigen ‘Wegen der Analyse’ warten erneut mit anschlussfähigen und pointierten Thesen auf. Insbesondere zum Materialitätsaspekt äußern sich die Autoren und nehmen Bezug auf die von ihnen immer wieder thematisierte symbolische Praxis: ‘Nicht das Material, die Stofflichkeit an sich, sondern dessen Funktionalität innerhalb der symbolischen Ordnung sind entscheidend’, was gleichsam zu erinnerten Bildern und einem Plädoyer für eine an das bekannte Konzept der Intertextualität angelehnte Interikonizität überleitet (S. 45). Hervorzuheben ist auch das sehr plastische Beispiel einer Polysemie der (Alltags-)Bilder: eine ein Verkehrszeichen abbildende Fotografie mit aufgesprühtem Graffiti. Im zweiten Teil der ‘Wege der Analyse’ – Bilder als soziale Praxis – wird auf die Bildern inhärente Fähigkeit eingegangen, Subjekte und ganze Gesellschaften mit zu konstituieren bzw. deren Zustand zu bedingen [7]. Der (institutions-)kritische Ansatz, der unter anderem auf das vorherrschende eurozentrische Bildverständnis abhebt und sich gegen Elitenfixierungen v. a. auf high art und ‘gesicherte’ Erkenntnisse wendet, mündet in Kapitel V zum ‘Bildwissen’ in eine Aufgabenformulierung, die Performanzen der Bilder zu berücksichtigen und sich mit Ausstellungsorten und deren Modellierung von Sehweisen zu beschäftigen, sowie in eine Verteidigung der sich entwickelnden Bildwissenschaft gegen Vorwürfe des Eklektizismus. Die Bildwissenschaft ist laut der AutorInnen gerade als ein nicht tradiertes Fach besonders geeignet, feststehende Betrachtungsweisen zu relativieren und diesen neue Ansätze entgegen zu setzen. Dass sie sich dennoch unweigerlich des Instrumentariums verschiedenster anderer Disziplinen bedient, steht außer Frage, und daraus entstehende Schwierigkeiten bei der Akademisierung der Bildwissenschaft werden von den Autoren weder ignoriert noch wegargumentiert.

Der inhaltlich stärkste Teil des Buches ist der große Analyseblock, der sich mit sieben unterschiedlichen Bildmodellen beschäftigt. Die Leser können zunächst nachvollziehen, wie Michelangelos ‘David’ im Florenz des Cinquecento politische Ideen sinnlich anschaubar machte, und kommen dann aus dem Bereich der Plastik auf Keplers Planetenmodelle, die ideologisch brisante Visualisierungen sind und als eigenständige Apparaturen mehr als bloße Illustrationen von Wissen. Auch über den Geruchssinn, der in Bildstrategien von Künstlern eindringt und soziale Codierungen aufzeigt bzw. vornimmt, findet sich ein kenntnisreicher Beitrag, ebenso wie zur Relation von Bild, Text und Körperpräsenz in E.T.A. Hoffmanns ‘Prinzessin Brambilla’. Es werden hierzu vorerst die komplexen Interdependenzen von Carl Friedrich Thieles nach Callot gestochenen ‘Illustrationen’, die eigentlich keine sind, mit den Strategien des Textes aufgezeigt. In der weitergehenden Analyse wird die ‘Stimme werdende Schrift’ aus einem vertextlichten Schauspiel thematisiert; was über ein kurzes Fallbeispiel deutlich hinausgeht und den/die LeserIn fordert, ohne sie oder ihn zu überfordern. Die Schlussfolgerung, ‘Text und Bild stören einander bei der Illusionsbildung, so dass deren Künstlichkeit und Macht sichtbar wird’ (S. 106) macht Lust auf eigene Nachforschungen. Gleiches gilt für die anschließenden Ausführungen, die sich mit Bild(wirkungen) zwischen Avantgarde und Massenkultur beschäftigen – von Lotte Reinigers Silhouettenfilm ‘Die Abenteuer des Prinzen Achmed’ über Walter Benjamins mosaikartigen Text ‘Einbahnstraße’, der als ein performativ ins Schrift-Bild gesetzter ‘turning point’ in einer sich anbahnenden post-skripturalen Kultur charakterisiert wird, bis hin zu einer Gegenüberstellung von Madonna-Videoclips und Performances von Valie Export. Trotz des nunmehr verfestigten Gefühls, dass es ‘die Bildwissenschaft’ schlechthin eigentlich nicht gibt und daher sicherlich auch nicht ‘die Einführung’ dazu, regt die Lektüre des Buches vor allem zu eigenen Analysen von Bildern und visuellen Praktiken in der (Alltags-)kultur an und zum kritischen Umgang mit tradierten, konventionellen Interpretationsschemata und kann jedem Interessierten empfohlen werden – nicht zuletzt auch aufgrund der den Text ergänzenden Tipps zu einer ‘Basisbibliothek Bildwissenschaft’ samt Inhaltsangaben zu den genannten Bänden, dem Literaturverzeichnis und einem Personen- und Sachregister. Diese Ausstattung macht das Buch äußerst praktikabel.

Endnoten

[1] Zu nennen wären hier u.a. Gottfried Boehm (Hg.): Was ist ein Bild?, München 1994; Christa Maar/Hubert Burda (Hg.): Iconic Turn. Die neue Macht der Bilder, Köln 2004; Nicholas Mirzoeff: The Visual Culture Reader, London/New York 2002; Klaus Sachs-Hombach: Wege zur Bildwissenschaft. Interviews, Köln 2004. Diese und noch eine Reihe weiterer bildwissenschaftlicher Einführungswerke finden sich auch in der nützlichen ‘Basisbibliothek’ im Anhang des hier rezensierten Bandes.

[2] Die Aktualität einer (Neu-)Ausrichtung der Bildwissenschaften als eigenständige wissenschaftliche Disziplin spiegelt sich auch in dem Titel der Sommerveranstaltung im Juli 2011 des Stone Summer Theory Institute in Chicago wider, ‘Farewell to Visual Studies’ (Chicago, 17.-23.07.).

[3] So wird beispielsweise auf Seite 17 mit Bezug auf Luhmann eingeschoben, dass ‘die Systemtheorie den Einwand der Uneinsehbarkeit des psychischen Systems und der Unsichtbarkeit emotionaler Vorgänge vorgebracht’ hat, gleich im Anschluss wird Bourdieus Distinktionstheorie erwähnt – einerseits könnte die Kürze dieser Verweise für Verwirrung bei den Lesern sorgen, die mit solchen Theorien und soziologischen Ansätzen gar nicht vertraut sind, andererseits fungieren diese interessanten Weiterverweise natürlich auch als ‘Appetitanreger’ für eigenes Forschen innerhalb visueller Kultur(en).

[4] So, wenn es auf Seite 38 mit Bezug auf bildliche Sprache heißt: ‘Und eine Verkürzung ist es auch, wenn nur die literarische Sprache und die Literatur als der einzige Ort betrachtet werden, an dem der Ausnahmefall bildlicher Sprache zugelassen ist.’ Solch eine klare Positionierung lässt ganz anders über Bild-Sprach-Relationen nachdenken als z.B. eine reine Aufzählung ihrer häufigsten Formen.

[5] Ein weiterer evtl. zu ergänzender Aspekt, der sich gerade zu der Hervorhebung der Materialität der Bilder gut fügt, wäre das Forschungsfeld der Mediologie. Es passt zu dem Vorhaben einer Verortung der Bildwissenschaft als eine Auseinandersetzung mit ‘den visuellen Kulturen im Allgemeinen’, also ‘ohne die mediale und materielle Gestalt des Visuellen auszublenden.’, wie es auf Seite 13 heißt. Im Vorwort des Bandes ‘Mediologie als Methode’ wird auch gefragt: ‘Was leistet die Mediologie für eine Bildwissenschaft, die nicht mehr nur Kunstgeschichte sein will, für eine Kulturwissenschaft, die die Materialität des symbolischen Austauschs kultureller Vermittlung zur Kenntnis nimmt [...]’, vgl. Birgit Mersmann/Thomas Weber: Mediologie als Methode, Berlin 2008, 8.

[6] Gottfried Boehm/Helmut Pfotenhauer (Hg.): Beschreibungskunst – Kunstbeschreibung. Die Ekphrasis von der Antike bis zur Gegenwart. München 1995.

[7] Hier hätte auch die Gender-Thematik respektive die Fragestellung, wie Bilder zur Formierung und Differenzierung von Geschlechtern beitragen, Erwähnung finden können.

Recommended Citation:
Katharina Eck: [Review of:] Gustav Frank; Barbara Lange: Einführung in die Bildwissenschaft. Bilder in der visuellen Kultur (= Einführung), Darmstadt 2010. In: ArtHist.net, Jul 15, 2011 (accessed Dec 13, 2019), <https://arthist.net/reviews/902>.

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Gustav Frank; Barbara Lange: Einführung in die Bildwissenschaft. Bilder in der visuellen Kultur (= Einführung), Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2010
ISBN-10: 3-534-20937-0, 157 S., EUR 14.90, sfr 26.90

Review published: Jul 15, 2011

Editor: Karin Leonhard

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