REV-CONF Oct 16, 2001

Zukunft des Ulmer Vereins

Berlin, Oct 5–06, 2002

Report by Godehard Janzing, Deutsches Forum für Kunstgeschichte, Paris

Tagungsbericht

Perspektivkonferenz zur Zukunft der Ulmer Vereins
Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften e.V.

Am 5. und 6. Oktober 2001 an der Humboldt-Universitaet zu Berlin

Er zieht haeufig noch Missverstaendnisse nach sich, der Name "Ulmer
Verein". Vor allem Fachfremde denken gleich an einen sueddeutschen Lokalverein.
Dennoch ist der Name Ulm für die deutschsprachige Kunstgeschichte
nach wie vor ein wissenschaftshistorischer Begriff. Die 1968 beim
Kunsthistorikertag in Ulm initiierten Reformen, sowohl die
Fragestellungen wie Strukturen und Hierarchien des Fachs betreffend,
sind aus dem heutigen
Wissenschaftsbetrieb kaum wegzudenken. Etliche der damaligen
Gruendungsmitglieder des Ulmer Vereins besetzen heute wichtige
Professuren, oder haben in ihrer Funktion als HochschullerInnen die
Ausrichtung des Fachs entscheidend mitgepraegt. Vieles erscheint in
unserem Fach heute so selbstverstaendlich, dass die Frage durchaus
berechtigt erschien, welchen Sinn und Zweck der Ulmer Verein als
Zusammenschluss kritischer Kunsthistoriker heute noch haben koenne.

Schon im Vorfeld der in Berlin veranstalteten Perspektivtagung wurde
der dringliche Wunsch vieler Mitglieder nach einem Fortbestand deutlich. Die
Arbeit des Vereins, so wurde in der Zusammenschau deutlich, geschieht vor allem
in seinen zahlreichen Arbeitsgruppen. Gerade fuer diese dezentralen und
themenspezifischen Zusammenschluesse gaebe es ohne den Ulmer Verein kein
Dach und keine unbuerokratischen Finanzierungshilfen. Die AGs bieten ein Forum
für neue Themenfelder und Forschungsansaetze wie "Raum und Geschlecht" oder
"Historismen in der Moderne", und sie dienen der Vernetzung von bestimmen
Berufsfeldern, wie die AG "Freie Berufe".

Die AG-Struktur kann flexibel ausgebaut werden und soll um zeitlich
begrenzte Initiativen ergaenzt werden, die den Vorstand zu aktuellen Fragen
beratend zur Seite stehen. Draengende Themen, wie z.B. die Reformdebatte an den
Hochschulen sollen in einer Arbeitsgruppe "Forschung und Lehre"
erarbeitet werden. Gerade hier kommt dem Ulmer Verein eine besondere
Vermittlungsrolle zu. Da er im Gegensatz zum Verband deutscher
Kunsthistoriker (VdK) auch Studierenden eine Mitgliedschaft erlaubt,
ermoeglicht er problemlos eine unhierarchische Annaeherung.
Selbstverstaendlich ist hier auch der Kontakt zu denVertreterInnen
der Kunsthistorischen Studierenden-Konferenz (KSK) zu nennen, die
ihre Einschaetzung zur Lage der Kunstgeschichte an den Hochschulen
auf der Konferenz in Berlin vortrugen.

An der Frage, wie politisch der Ulmer Verein sein soll, schieden sich
erwartungsgemaess die Geister. Otto Karl Werckmeisters Bericht von
Gruendung des "radical art historians caucus" im Rahmen des Amerikanischen
Kunsthistorikerverbands CAAH wurde zwar mit Interesse gehoert, dennoch
erwies sich die marxistische Kunstgeschichtsschreibung für die anwesende
juengere Generation nicht mehr als zentrale Bezugsgroesse. Viel wichtiger als
eine Festschreibung, ob man denn nun "links" sei und wenn ja, was das
bedeuten wuerde, erschien den meisten die Tatsache, ueberhaupt eine
Sensibilitaet für die politische Relevanz des Fachs und seine
gesellschaftlichen Abhaengigkeiten zu foerdern.

Neben den konkreten Vorbereitungsgruppen für verschiedene Themenprojekte
und Tagungsvorhaben (so wurde eine groessere Tagung zum Thema
"Bild-Wissenschaften" angeregt), war vor allem die Wahl des neuen
Vorstands ein wichtiges Ergebnis des zweitaegigen Treffens. Mit
Christian Fuhrmeister (Sprengel Museum, Hannover), Inken Fries
(Bochum), Martin Hellmold (Neues Museum Weserburg, Bremen), Sigrid
Melchior (Berlin) und Pablo Schneider (Hermann von Helmholtz-Zentrum
für Kulturtechnik, Berlin) findet sich nicht allein eine juengere
Generation im Vorstand vertreten, sondern auch verschiedene
kunsthistorische Berufsfelder. Als neues Redaktionsmitglied des
Verbandsorgans "kritische berichte" wurde Tillmann von Stockhausen
von der Mitgliederversammlung in Berlin gewaehlt.

Recommended Citation:
Godehard Janzing: [Conference Report of:] Zukunft des Ulmer Vereins (Berlin, Oct 5–06, 2002). In: ArtHist.net, Oct 16, 2001 (accessed Nov 29, 2022), <https://arthist.net/reviews/24688>.

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