Mediale Vermittlung von Architektur - Hochwachttagung 2027.
Architektur ist weit mehr als gebaute Umwelt. Sie ist Ausdruck gesellschaftlicher Leitbilder, politischer Ordnungen und kultureller Identitäten. Ihre Wirkung entsteht jedoch nicht allein durch das Bauwerk selbst, sondern ebenso durch dessen mediale Vermittlung. Publikationen und Ausstellungen sowie Fotografien und Filme prägen die Wahrnehmung von Architektur, ordnen sie in historische Zusammenhänge ein und beeinflussen ihre öffentliche wie fachwissenschaftliche Bewertung. Vorstellungen von Moderne, Tradition oder Zeitlosigkeit sind daher stets auch das Ergebnis gezielter Inszenierungen und diskursiver Aushandlungsprozesse.
Zahlreiche Architekturströmungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden von den schnell wechselnden politischen Systemen sowie deren normativen Organen beeinflusst und polarisierten die Architektenschaft in ihrem Sinne. Im deutschsprachigen Raum und den Nachbarländern lässt sich angesichts der großen Umbrüche dieser Zeit gut untersuchen, wie Institutionen und Akteure – etwa Denkmal- und Baupflegeämter, Heimatvereine, Verlage und Redaktionen von Fachzeitschriften und Monografien sowie Ausstellungshäuser und Galerien – durch ihre medialen Strategien die Vorstellung und Bewertung von Architektursprachen, -stilen und -haltungen prägten und welche dieser Zuschreibungen bis in die Gegenwart fortwirken.
Die zu diesem Thema vorliegenden Forschungen widmen sich häufig einzelnen Medien, Akteuren oder Institutionen und betrachten spezifische Fragestellungen. Eine vergleichende Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen institutionellen Strategien, medialer Vermittlung und der Herausbildung entsprechender architektonischer Leitbilder steht dagegen vielfach noch aus. Das Kolloquium möchte diese Fragestellungen in einem interdisziplinären Austausch bündeln und weiterführend diskutieren.
Weitere Informationen und Anmeldung unter: https://www.denkmalpflege-bw.de/service/veranstaltungskalender/veranstaltung/mediale-vermittlung-von-architektur-hochwachttagung-2027
Programm
Freitag, 22. Januar 2027
10:30 Uhr
Begrüßung: Claudia Mohn, Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart
Einführung: Eva v. Engelberg, Universität Siegen
11:15 Uhr
Der neuerstrebte Zusammenhang zwischen Baukunst und plastischer Bildnerei. Architekturmodelle auf Kunstausstellungen um 1900
Klaus Jan Philipp, Universität Stuttgart
12:00 Uhr
Zeichnung versus Modellfotografie. Architekturdarstellung in Bauzeitschriften im frühen 20. Jahrhundert
Leonard Borowski, Universität Bonn
13:45 Uhr
Architekturausstellungen in der Weimarer Republik 1914–1934: Kanon, Wandel, Krise
Florian Heinrich, DDK-Bildarchiv Marburg
14:30 Uhr
Das Gestern und das Morgen, das Wir und die Anderen – Architektur(modelle) als Hoffnungsträger und Systemstütze in deutschen Kino-Wochenschauen zwischen 1930 und 1960
Anja Link, Bauhaus-Universität Weimar
15:15 Uhr
Der Pavillon als Medium. Ausstellungsarchitektur und mediale Selbstinszenierung auf der Internationalen Presseausstellung 1928 in Köln
Anna Gonchar, Technische Universität München
16:30 Uhr
Die Werkbundausstellung „Die Wohnung“ 1927 in Stuttgart: starke Propaganda und die Reaktionen darauf
Inken Gaukel, Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart
17:15 Uhr
Kontinuität inszenieren: Das Ausstellungssymposium „mensch + Raum“ (Darmstadt 1951) und Architektur als gesellschaftliches Programm der frühen Bundesrepublik
Inah Kim, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
18:00 Uhr
„Bauen darf kein Abenteuer sein“ – Die mediale Vermittlung von Fertighausarchitektur am Beispiel der „Quelle-Fertighaus-Fibel“ und des Ausstellungskataloges „Fertighaus 63“
Stefan Zimmermann, Freilichtmuseum am Kiekeberg
Samstag, 23. Januar 2027
9:00 Uhr
Beispiel und Gegenbeispiel? Über die Didaktik des vergleichenden Sehens bei Paul Schultze-Naumburg
Ole W. Fischer, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
9:45 Uhr
Die Vielfalt der Architekturdiskurse vor der Kanonisierung. Architekturbesprechungen in Zeitschriften der Weimarer Republik
Lilian Kraft, Universität Siegen
11:00 Uhr
Kontinuität und Widerspruch. Architekturpublikationen zwischen 1933 und 1945
Birgit Schillak-Hammers, RWTH Aachen
11:45 Uhr
Fritz Schopohl in den „Büchern der Form“
Amelie Ochs, Universität Bremen
13:30 Uhr
„Neue Stadtbaukunst“ – Eine unbeachtete Buchreihe als Quelle zur Pluralität, Ambiguität und Widersprüchlichkeit der Architekturmoderne in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Oliver Trepte, Bauhaus-Universität Weimar
14:15 Uhr
Keine Zukunft ohne Herkunft. Der Bilderkanon der „Blauen Bücher“ als Medium kollektiver Selbstvergewisserung
Britta Fritze, Simone Boldrin Architettura Berlin
15:00 Uhr
Architekturpublikationen als diskursive Objekte. Walter Müller-Wulckows „Blaue Bücher“ zwischen Produktion und Rezeption
Sarah Borree, Goethe-Universität Frankfurt am Main
15:45 Uhr Abschlussdiskussion
Quellennachweis:
CONF: Mediale Vermittlung von Architektur (Esslingen am Neckar, 22-23 Jan 27). In: ArtHist.net, 06.11.2026. Letzter Zugriff 07.11.2026. <https://arthist.net/archive/57084>.