Die feinen Unterschiede. Geschlecht, Alter und Status in Mittelalter und Renaissance.
Wie entstehen Zugehörigkeiten? Was entscheidet über Identität sowie Selbst- und Fremdwahrnehmung? Welche Kategorien und Dynamiken formen Gesellschaften und Gemeinschaften?
Ausgehend von diesen Fragen behandelt die diesjährige Ringvorlesung des Zentrums für Mittelalter- und Renaissancestudien (ZMR) „die feinen Unterschiede“ in Mittelalter und Renaissance. Analysiert werden soziale Unterscheidungsmerkmale wie Geschlecht, Alter und Status sowie (unter anderem) ihre künstlerischen, kulturellen, religiösen, wirtschaftlichen und rechtlichen Dimensionen. Im Zentrum stehen dabei soziale Zuschreibungen und Kategorisierungen in Mittelalter und Renaissance sowie deren Verhandlung, Gebrauch und Missbrauch. Dazu gehört die Diskussion von Rechten und Privilegien ebenso wie damit verbundener Zuschreibungen und Konstruktionen von Macht und Handlungsspielräumen, die sich aus der gesellschaftlichen Position und Situierung Einzelner und Gruppen ableiten.
In interdisziplinärer Perspektive wollen wir uns anhand der ganzen Bandbreite der am Zentrum für Mittelalter- und Renaissancestudien beteiligten Fächer diesem dynamischen Forschungsfeld widmen und den Blick auf Konzepte der Gender Studies, Intersektionalität, Sozialgeschichte, Gerontologie und Körpergeschichte richten.
Programm
29.10.26 Julia Burkhardt, Joanna Olchawa, Alexandra-Sophie Popst (Mittelalterliche Geschichte und Kunstgeschichte): Einführung
05.11.26 Lilli Hölzlhammer (Byzantinistik): Das gepfählte Kollektiv. Geschlecht, Alter und Status in Michael Beheims Anti-Dracula Propaganda
12.11.26 Katja Weidner (Mittellateinische Philologie): Exegese in weiblicher Hand: neue Spuren im Stift Admont
19.11.26 Christa Syrer (Kunstgeschichte): Gebaute Distinktion, gelebte Praxis. Geschlecht, Alter und Status im Schlossbau der Frühen Neuzeit
26.11.26 Ursula Lenker (Englische Philologie): Die alte Frau als Provokation: Chaucers Wife of Bath und die Kunst der Selbstbehauptung
03.12.26 Ilse Sturkenboom (Islamische Kunstgeschichte): Typen und Typ:innen: 1000 Jahre figürlicher Darstellung in der persischen Kunst
10.12.26 Isabelle Mandrella (Philosophie des Mittelalters): Alter, Weisheit und Geschlecht in der Philosophie des Mittelalters
07.01.27 Andreas Schmidt (Nordische Philologie): „Selten weiß, wer zu Hause sitzt / wie edel die sind, die eintreten“?: Der „feine Unterschied“ fremder Herkunft als Statusmarker im mittelalterlichen Island
14.01.27 Laura Schiavone (Geschichte der Frühen Neuzeit): Defining, inspecting, and narrating defloration. Women and medical knowledge in early modern Bologna
21.01.27 Carolin Schreiber, Ursula Stampfer (Bayerische Staatsbibliothek): Frauen in den mittelalterlichen Beständen der BSB – Quellen und Recherchemöglichkeiten
28.01.27 Paula-Irene Villa Braslavsky (Soziologie): Die feinen, verwobenen Unterschiede: Intersektionalität in der Sozialforschung
04.02.27 Ulrich Pfisterer (Kunstgeschichte): Die wenig feinen Unterschiede der Kreativität. Geschlecht und Alter von Künstlern und Künstlerinnen in der Renaissance
Organisation: Prof. Dr. Julia Burkhardt, Prof. Dr. Joanna Olchawa, Dr. Alexandra-Sophie Popst
Ringvorlesung des Zentrums für Mittelalter- und Renaissancestudien der Ludwig-Maximilians-Universität München
Die Vorträge finden jeweils donnerstags, 16-18 Uhr im Vorlesungssaal S 001 (Schellingstr. 3, 80799 München) statt. Die Teilnahme ist kostenlos.
Weitere Informationen finden Sie hier:
https://www.lmu.de/zmr/de/aktuelles/veranstaltungsuebersicht/veranstaltung/die-feinen-unterschiede-geschlecht-alter-und-status-in-mittelalter-und-renaissance-a26257bb.html
Quellennachweis:
ANN: Ringvorlesung: Die feinen Unterschiede (München, 29 Oct 26-4 Feb 27). In: ArtHist.net, 22.10.2026. Letzter Zugriff 23.10.2026. <https://arthist.net/archive/54722>.