CONF 15.10.2026

Polnische Romantik. Transnationale Konstellationen (Frankfurt, 21-24 Oct 26)

Deutsches Romantik-Museum, Haus am Dom, Frankfurt am Main, 21.–24.10.2026
www.deutsches-polen institut.de/assets/projekte/Romantik/Polish_Romanticism_program_folder_A5-Stand-5.10.2026.pdf

Beate Störtkuhl

Die 35. Jahrestagung des Deutsch-polnischen Arbeitskreises Kunstgeschichte und Denkmalpflege findet im großen Rahmen der Konferenz: Polnische Romantik. Transnationale Konstellationen / Polski romantyzm. Konstelacje transnarodowe statt. die das Deutsche Polen-Institut (Darmstadt) mit einer Reihe von Partnern vom 21. bis 24. Oktober 2026 am Deutschen Romantik-Museum in Frankfurt am Main veranstaltet.

Die Romantik stellt eine zentrale und bis in die Gegenwart wirkende Epoche der polnischen Literatur- und Kulturgeschichte dar. Sie wird mit guten Gründen als entscheidende, geradezu paradigmatische Formation für die polnische Nationalkultur betrachtet. Der romantische Literatur- und Deutungskanon hat eine identitätsstiftende Funktion und übt auch in seiner Nachwirkung mit teils stark politisch motivierter Ideologisierung auf das nicht nur nationale Selbstverständnis in Polen Einfluss aus. Allerdings stößt dies bisweilen auch auf heftige Gegenreaktionen oder polemische Abgrenzungen gegenüber einer in der Kultivierung der Romantik postulierten nationalen Identität der Polen. Die Debatten über die polnische Romantik dauern bis heute – unbestritten sind ihr Rang und ihre Bedeutung.

Im Sommer 2027 wird eine Ausstellung im Deutschen Romantik-Museum Frankfurt am Main („Geister der Freiheit. Die polnische Romantik und ihre Folgen” – Arbeitstitel) Einblicke in die charakteristischen Merkmale der polnischen Romantik geben und ihre Verbindungen im europäischen Kontext beleuchten. Die Konferenz bereitet diese Ausstellung aus akademischer Sicht vor, indem gezielt die transnationalen Dimensionen der polnischen Romantik in den Blick genommen werden. Mit diesem Zugang soll im Rahmen der Konferenz der Versuch einer Rekontextualisierung der polnischen Romantik in einem breit gefächerten transnationalen Referenzrahmen unternommen werden. Insbesondere die Beziehungen zur deutschen Kultur, zu deren Literatur und Philosophie, waren für die polnische Literatur der Romantik eine prägende Erfahrung, die sich auf vielfältige und originelle Weise bemerkbar machte (etwa durch den Einfluss von Herders Begriff vom Volk oder von Goethes Werther auf Mickiewicz). Aber auch andere europäische Kulturen bilden einen Anlehnungskontext (Niklas Luhmann) – oder auch einen Ablehnungskontext – für die Entfaltung einer eigenständigen polnischen Romantik.

Nicht zuletzt ist aber auch an die intrinsische transnationale bzw. transkulturelle Eingebundenheit der polnischen Kultur in der Epoche der Romantik zu denken. Die Teilungen und damit verbunden die Herrschaft durch fremde Mächte bzw. mit Fremdherrschaft einhergehende kulturelle Hegemonie, die Staatslosigkeit, aber auch die multiethnische und multikonfessionelle demographische Situation im geteilten Polen-Litauen sowie die Erfahrung der Emigration – all dies zusammen hat entscheidenden Einfluss auf die Spezifik der polnischen Romantik, die vielfältiger erscheint als der kanonische Deutungsansatz, der eine homogene Nationalkultur als geschlossene Entität setzt.

Die Konferenz zielt darauf ab, ein besseres Verständnis der polnischen Romantik zu vermitteln, nicht als nationale Ausnahmeerscheinung, sondern in ihrer Wechselwirkung mit benachbarten europäischen Kulturen. Aus diesem Kontext ergeben sich die hier nur umrissartig skizzierten Leitthemen. Einzelne Beiträge können auch mehrere Themen gleichzeitig behandeln, wobei Beiträge mit vergleichender Ausrichtung besonders willkommen sind. Darüber hinaus werden sich mehrere Panels speziell mit den europäischen Dimensionen der polnischen Romantik in Kunstgeschichte und Denkmalpflege befassen.

Das komplette Programm finden Sie hier:
https://www.deutsches-polen institut.de/assets/projekte/Romantik/Polish_Romanticism_program_folder_A5-Stand-5.10.2026.pdf

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PROGRAMM
Panels des Deutsch-Polnischen Arbeitskreises für Kunstgeschichte und Denkmalschutz / Panele Polsko-Niemieckiej Grupy Roboczej ds. Historii Sztuki i Konserwacji Zabytków

DONNERSTAG, 22. OKTOBER 2026
Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt

9.00-10.30 Interferenzen
Moderation: Prof. Dr. Tomasz Torbus (Gdańsk)

Prof. Dr. Michał Mencfel (Poznań)
The Romantic Movement in Polish Museum History Revisited. Izabela Czartoryska’s Puławy

Dr. Maria Nitka (Wrocław)
The medievalism of the Nazarene movement and the discovery and iconography of the Middle Ages in Polish historical painting – a case study of Aleksander Lesser

Paulina Łuczak (Poznań)
The Reception of the Idea of Aesthetic Education in Polish Philosophy: Józef Kremer, Karol Libelt and Bronisław Trentowski

10.30-11.00 Kaffeepause / Coffee brea

11.00-12.30 Erinnerungslandschaften
Moderation: Prof. Dr. Hanna Grzeszczuk-Brendel (Poznań)

Dr. Anna Oleńska (Warszawa)
A Fervour for Glorious Men. On the cult of the family and the national past, and the creation of new heroes, as illustrated by several gardens from the first half of the 19th century

Marcin Filary (Poznań)
Ländliche protestantische Friedhöfe im Posener Land im Spiegel transnationaler romantischer Landschaftskonzepte

Dr. Filip Binder (Praha)
Romantische Residenzen der Aristokratie

12.30-14.00 Mittagspause / Lunch break

14.00-15.30 Infobörse
Moderation: Lorenz Frank

Christina Ladda (Bochum)
Verflechtungen zwischen westdeutschen und polnischen Architekt:innen und Stadtplaner:innen im Kalten Krieg

Dr. Jan Lutteroth (Mainz) / Sławomir Brzezicki (Marburg)
Optimizing 3D models of endangered Cultural Heritage (Opt3D). A critical analysis of AI- and Human-generated HBIM models for Jewish Heritage Sites in East Central Europe

Prof. Dr. Piotr Korduba (Poznań)
Das Staatliche Unternehmen „Desa” – Kunstwerke und Antiquitäten, oder: Der Vertrieb von Kunst und Kunstgegenständen im kommunistischen Polen

Anna Petrova (Frankfurt/Oder)
Ukrainian Contemporary Art in the German Exhibition Space

FREITAG, 23.OKTOBER 2026

9.00-10.30 Fluide Identitäten
Moderation: Prof. Dr. Rafał Makała (Gdańsk)

Dr. Milena Chilińska (Warszawa), Dr. Jakub Hauser (Praha)
Erotic Messianism: Wlastimil Hofman, Jiří Karásek ze Lvovic and the Naked Man in the National Contexts

Prof. Dr. Agnieszka Lajus (Warszawa)
From Prophet to Jester: The Legacy of Romanticism in Artist's Figures of Young Poland Movement

Dr. Emiliana Konopka (Gdańsk)
From Warsaw to Copenhagen: Elisabeth Jerichau-Baumann and the Transnational Dimensions of Romanticism

10.30-11.00 Kaffeepause / Coffee break

11.00-12.30 Rezeption & Neubewertung
Moderation: Dr. Dietmar Popp (Marburg)

Dr. Marek Maksymczak (Warszawa)
Warsaw, Katowice, Paris. The Exhibition The Spirit of Romanticism in 19th and 20th Century Polish Art from 1975

Julia Röttjer (Darmstadt)
Of Resurrection and Ruins: Polish Romanticism in Universal Heritage Discourses

Kacper Radny (Gießen)
Decolonising Romanticism? Ukraine in the Art of Józef Brandt

Resümee des AK Kunstgeschichte und Denkmalschutz
(Prof. Dr. Piotr Korduba & PD Dr. Beate Störtkuhl)

Quellennachweis:
CONF: Polnische Romantik. Transnationale Konstellationen (Frankfurt, 21-24 Oct 26). In: ArtHist.net, 15.10.2026. Letzter Zugriff 16.10.2026. <https://arthist.net/archive/54645>.

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