25. Internationaler Barocksommerkurs der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin. Kolloquium zum Thema Barock: Religion – Konfessionen.
Alles nicht neu!? Der Abbau von Religion und noch deutlicher von ‘religiösen Praktiken’ ist längst Geschichte. Man hat sich in dem eingerichtet, was man gerne im nur oberflächlichsten Sinne als «Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft» las. Beschäftigt man sich hingegen mit den Künsten und anderen kulturellen Erscheinungsformen der Barockzeit, so kommt man um Konfession bzw. um Konfessionskulturen als Formationen, in denen bekenntnisgebundene Zugänge zum christlichen Glauben die gesellschaftliche und kulturelle Lebenswelt (mit-) prägten, nicht herum. Bilder und ihr Gebrauch sind vielleicht das markanteste Beispiel dafür: Auf protestantischer wie katholischer Seite Gegenstand der Regulierung durch Theologen, reicht das Spektrum des Umgangs mit ihnen von scharfer Ablehnung samt Säkularisierung oder gar physischer Vernichtung über die Indifferenz des Adiaphorons bis hin zur Bestätigung und Aufwertung ihrer angestammten Aufgabe als Medium von Schmuck und Instruktion. Neue Formen von Bekenntnisbildern, die Nutzung markanter Bildthemen sowie eine Intensivierung und gleichzeitige Einhegung von Formen des Bildkultes suchen konfessioneller Spezifik bildliche Evidenz zu verleihen. Auch in der Architektur lässt sich, freilich erst seit etwa 1650/1700, die Herausbildung konfessionsspezifischer Traditionen beobachten, wie etwa die Entstehung und Verbreitung der sog. Querkirchen in einigen protestantischen Territorien des Reiches zeigt. Entsprechend tadelt Leonhard Christoph Sturm 1718 den von ihm verehrten Goldmann dafür, «den Unterschied unter den Kirchen vor das Pabsthum / und denn vor diejenige Religionen / die von der Römischen Kirche ausgegangen sind», nicht berücksichtigt zu haben und stellt erstmals in aller Deutlichkeit Entwürfe für «päbstische» und protestantische Kirchen einander gegenüber. Die Frage, wie sich denn konfessionelle Überzeugungen konkret und im Einzelfall in künstlerische Form und – noch mehr – in ‘barocke Inszenierung’ übersetzen liessen, ist nach wie vor relevant und nie ganz zu erschöpfen. Umgekehrt ist inzwischen vielfach aufgewiesen worden, dass die Konfessionen selbst keineswegs als monolithische Blöcke zu verstehen sind und die vermeintlich unverrückbar gezogenen Grenzen zwischen ihnen alles andere als undurchlässig waren.
Programm
Sonntag, 21. Juni
09.10–09.40 Uhr
Jens Niebaum, Werner Oechslin
Begrüssung und Einführung
I. Konzil, Gegenreformation, konfessionelle Differenzen in der Architektur
09.40–10.00 Uhr
Sophie Kirsten, TU Dresden
Florenz zwischen den Stühlen – Ghibertis Porta del Paradiso und das Konzil von Ferrara-Florenz
10.20–10.40 Uhr
Martin Lottermoser, TU Dresden
Die Anfänge einer neuen Religion. Über die Bedeutung der conversio in den Tapisserien für die Sixtinische Kapelle
11.00–11.30 Uhr
Kaffeepause
11.30–11.50 Uhr
Kilian Wolf, Alexander von Kienlin, TU München
Il Gesu und die Folgen: Die Kirchen der Gegenreformation in Italien und im deutschsprachigen Raum
12.10–12.30
Antje Fehrmann, TU Dresden
Konfessionelle Differenz und architektonische Referenz im protestantischen barocken Sakralbau
13.00–14.30 Uhr
Mittagspause
14.30–14.50 Uhr
Madleine Riedenklau, Basel
Konfessionelle Formensprache oder Aufgreifen einer Mode?
15.10–15.30 Uhr
Peter Heinrich Jahn, TU Dresden
Rex catholicus esto und art à la cour du Pape – die Konversion Augusts des Starken zum Katholizismus und deren Niederschlag in der Architekturgeschichte (Dresden und Rom, um 1700)
15.50–16.20 Uhr
Kaffeepause
16.20–16.40 Uhr
Thomas Wilke, Stuttgart
Katholischer Fürst in protestantischem Land – Hofkapellen in Württemberg im 18. Jahrhundert
17.00–17.20 Uhr
Jana Schröder, Universität Münster
Kirchenbau im frühneuzeitlichen Mannheim im Spannungsfeld der Konfessionen
17.40–18.00 Uhr
Janina Nassauer, Universität Münster
Auf der Suche nach lutherischer Identität im barocken Sakralbau im habsburgischen Schlesien: die Schweidnitzer Friedens- und Hirschberger Gnadenkirche
19.00 Uhr
Gemeinsames Abendessen
Montag, 22. Juni
II. Performanz und Inszenierung des Konfessionellen
09.10–09.30 Uhr
Peter Bexte, Universität Köln
Sedes confesssionales. Betrachtungen zu Beichtstühlen, mit besonderer Berücksichtigung der Beichtstühle in der Stiftskirche St. Gallen, entworfen von Joseph Anton Feuchtmayer
09.50–10.10 Uhr
Ulrich Fürst, München
HAEC EST GLORIA SANCTORUM / IN COELIS TRIUMPHANTIUM – Öffentliche Reliquienkapellen und Schaubühnen für Heiltumsweisungen im süddeutschen Barock
10.30–11.00 Uhr
Kaffeepause
11.00–11.20 Uhr
Ingrid Erb, TU Wien
Deus ex machina. Maschinerie des Göttlichen
11.40–12.00 Uhr
Margit Thøfner, The Open University, Milton Keynes
Musicality and Materiality in early modern Lutheran churches
12.30–14.00 Uhr
Mittagspause
III. Caritas
14.00–14.20 Uhr
Emmanouela Kyriakopoulou, Kapodistrian University of Athens
Care Like Nobody’s Saving You: Charity, the Dutch Society, and the Plague in an emblem by Jan Luyken
14.40–15.00 Uhr
Yufei Guo, Universität München
Confessional Care in Public: The Visual Politics of Hospitals and Pharmacies
15.20–15.50 Uhr
Kaffeepause
16.00–19.00 Uhr
Werner Oechslin
Führung durch die Bibliothek und Einführung in Bücher zum Thema des Barocksommerkurses
19.30 Uhr
Gemeinsames Abendessen
Dienstag, 23. Juni
IV. Konfessionelle Polemiken im Bild
09.10–09.30 Uhr
Magdalena Bushart, TU Berlin
Die Transformation gedruckter Bilder im Zeitalter der Konfessionalisierung. Das Beispiel der Passionsfolge «Sündenfall und Erlösung des Menschengeschlechts» von Albrecht Altdorfer
09.50–10.10 Uhr
Reinhard Gruhl, Universität Hamburg
Christliche Kabbala und lutherisches Bekenntnis: Die Teinacher Lehrtafel der Antonia von Württemberg
10.30–11.00 Uhr
Kaffeepause
11.00–11.20 Uhr
Miriam Holtkamp, Universität Münster
Konfessionelle Bildpolemik und historische Evidenz: Der Fusskuss Friedrich Barbarossas als frühneuzeitliches Bildargument
11.40–12.00 Uhr
Eelco Nagelsmit, Vrije Universiteit Amsterdam
Displaying Early Franciscan Images as ‘Evidentia’ in Religious Polemics: Carolus van Arenberg’s Icones Antiquae
12.20–12.40 Uhr
Tim Gough, London
English Baroque and the delights of adiaphoria
13.0–14.30 Uhr
Mittagspause
14.30–14.50 Uhr
Nina Niedermeier, Universität Augsburg
Kampf der Konfessionen in der venezianischen Kirche San Sebastiano – ein Widerhall des päpstlichen Antijudaismus?
15.10–15.30 Uhr
Evangelos Zoidis, Universität Westattika Athen
Die Anatomie des Dr. Tulp von Rembrandt von Rijn. Das Bild als Wissensgebiet und Moralbegründung im protestantischen Barock
15.50–16.20 Uhr
Kaffeepause
V. Konfessionalität in Skulptur, Porzellan und Schatzkunst
16.20–16.40 Uhr
Veronika Knedlikova Wankova , University of Padua
Confessional Negotiation and Emotional Expression in Late 16th- and Early 17th-Century Bohemian Epitaphs
17.00–17.20 Uhr
Stephan Boll, München
Maria Josepha von Sachsen und die Konfessionalisierung des Meissener Porzellans
17.40–18.00 Uhr
Sabrina Leps, Universität Münster
Reliquien und Reliquienkult bei Friedrich Christian von Sachsen
19.00 Uhr
Gemeinsames Abendessen
Mittwoch, 24. Juni
VI. Jesuiten und andere ‚exotische‘ Schauplätze
09.10–09.30 Uhr
Eckart Kühne, Biel
Die Interpretationen der Jesuitenmissionen als Argumente in konfessionellen und politischen Auseinandersetzungen
09.50–10.10 Uhr
Konrad Krčal, University of Copenhagen
Gedanken zur Religionspolitik des frühneuzeitlichen Kolonialismus. Oder die Bedeutung des Fetischismus in Theodor de Brys Amerika
10.30–10.50 Uhr
Pablo Mahía Rello, Universidad Autónomia de Madrid
The adaption of Catholic confession to the New World: translation, devotion and identity
11.10–11.40
Kaffeepause
11.40–12.00 Uhr
Kerstin Borchhardt, Katholische Privatuniversität Linz
Zwischen Ursprungs- und Sinnsuche: Holistische Naturgeschichte zwischen Kunst, Wissenschaft und Religion
12.20–12.40 Uhr
Harald Tesan,
František Bílek: Moderne, Nationalmythos und Hussitismus
13.00 Uhr
Abschiedsapéro
Mit Unterstützung der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
Die Veranstaltung ist öffentlich. Gasthörer sind herzlich willkommen. Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldung an: infobibliothek-oechslin.ch
Quellennachweis:
CONF: Barock: Religion – Konfessionen (21-24 Jun 26). In: ArtHist.net, 21.05.2026. Letzter Zugriff 21.05.2026. <https://arthist.net/archive/52528>.