CONF 21.05.2026

Barock: Religion – Konfessionen (21-24 Jun 26)

Einsiedeln, Bibliothek Werner Oechslin, 21.–24.06.2026
Anmeldeschluss: 18.06.2026

Anja Buschow Oechslin

25. Internationaler Barocksommerkurs der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin. Kolloquium zum Thema Barock: Religion – Konfessionen.

Alles nicht neu!? Der Abbau von Religion und noch deutlicher von ‘religiösen Praktiken’ ist längst Geschichte. Man hat sich in dem eingerichtet, was man gerne im nur oberflächlichsten Sinne als «Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft» las. Beschäftigt man sich hingegen mit den Künsten und anderen kulturellen Erscheinungsformen der Barockzeit, so kommt man um Konfession bzw. um Konfessionskulturen als Formationen, in denen bekenntnisgebundene Zugänge zum christlichen Glauben die gesellschaftliche und kulturelle Lebenswelt (mit-) prägten, nicht herum. Bilder und ihr Gebrauch sind vielleicht das markanteste Beispiel dafür: Auf protestantischer wie katholischer Seite Gegenstand der Regulierung durch Theologen, reicht das Spektrum des Umgangs mit ihnen von scharfer Ablehnung samt Säkularisierung oder gar physischer Vernichtung über die Indifferenz des Adiaphorons bis hin zur Bestätigung und Aufwertung ihrer angestammten Aufgabe als Medium von Schmuck und Instruktion. Neue Formen von Bekenntnisbildern, die Nutzung markanter Bildthemen sowie eine Intensivierung und gleichzeitige Einhegung von Formen des Bildkultes suchen konfessioneller Spezifik bildliche Evidenz zu verleihen. Auch in der Architektur lässt sich, freilich erst seit etwa 1650/1700, die Herausbildung konfessionsspezifischer Traditionen beobachten, wie etwa die Entstehung und Verbreitung der sog. Querkirchen in einigen protestantischen Territorien des Reiches zeigt. Entsprechend tadelt Leonhard Christoph Sturm 1718 den von ihm verehrten Goldmann dafür, «den Unterschied unter den Kirchen vor das Pabsthum / und denn vor diejenige Religionen / die von der Römischen Kirche ausgegangen sind», nicht berücksichtigt zu haben und stellt erstmals in aller Deutlichkeit Entwürfe für «päbstische» und protestantische Kirchen einander gegenüber. Die Frage, wie sich denn konfessionelle Überzeugungen konkret und im Einzelfall in künstlerische Form und – noch mehr – in ‘barocke Inszenierung’ übersetzen liessen, ist nach wie vor relevant und nie ganz zu erschöpfen. Umgekehrt ist inzwischen vielfach aufgewiesen worden, dass die Konfessionen selbst keineswegs als monolithische Blöcke zu verstehen sind und die vermeintlich unverrückbar gezogenen Grenzen zwischen ihnen alles andere als undurchlässig waren.

Programm

Sonntag, 21. Juni

09.10–09.40 Uhr
Jens Niebaum, Werner Oechslin
Begrüssung und Einführung

I. Konzil, Gegenreformation, konfessionelle Differenzen in der Architektur

09.40–10.00 Uhr
Sophie Kirsten, TU Dresden
Florenz zwischen den Stühlen – Ghibertis Porta del Paradiso und das Konzil von Ferrara-Florenz

10.20–10.40 Uhr
Martin Lottermoser, TU Dresden
Die Anfänge einer neuen Religion. Über die Bedeutung der conversio in den Tapisserien für die Sixtinische Kapelle

11.00–11.30 Uhr
Kaffeepause

11.30–11.50 Uhr
Kilian Wolf, Alexander von Kienlin, TU München
Il Gesu und die Folgen: Die Kirchen der Gegenreformation in Italien und im deutschsprachigen Raum

12.10–12.30
Antje Fehrmann, TU Dresden
Konfessionelle Differenz und architektonische Referenz im protestantischen barocken Sakralbau

13.00–14.30 Uhr
Mittagspause

14.30–14.50 Uhr
Madleine Riedenklau, Basel
Konfessionelle Formensprache oder Aufgreifen einer Mode?

15.10–15.30 Uhr
Peter Heinrich Jahn, TU Dresden
Rex catholicus esto und art à la cour du Pape – die Konversion Augusts des Starken zum Katholizismus und deren Niederschlag in der Architekturgeschichte (Dresden und Rom, um 1700)

15.50–16.20 Uhr
Kaffeepause

16.20–16.40 Uhr
Thomas Wilke, Stuttgart
Katholischer Fürst in protestantischem Land – Hofkapellen in Württemberg im 18. Jahrhundert

17.00–17.20 Uhr
Jana Schröder, Universität Münster
Kirchenbau im frühneuzeitlichen Mannheim im Spannungsfeld der Konfessionen

17.40–18.00 Uhr
Janina Nassauer, Universität Münster
Auf der Suche nach lutherischer Identität im barocken Sakralbau im habsburgischen Schlesien: die Schweidnitzer Friedens- und Hirschberger Gnadenkirche

19.00 Uhr
Gemeinsames Abendessen

Montag, 22. Juni

II. Performanz und Inszenierung des Konfessionellen

09.10–09.30 Uhr
Peter Bexte, Universität Köln
Sedes confesssionales. Betrachtungen zu Beichtstühlen, mit besonderer Berücksichtigung der Beichtstühle in der Stiftskirche St. Gallen, entworfen von Joseph Anton Feuchtmayer

09.50–10.10 Uhr
Ulrich Fürst, München
HAEC EST GLORIA SANCTORUM / IN COELIS TRIUMPHANTIUM – Öffentliche Reliquienkapellen und Schaubühnen für Heiltumsweisungen im süddeutschen Barock

10.30–11.00 Uhr
Kaffeepause

11.00–11.20 Uhr
Ingrid Erb, TU Wien
Deus ex machina. Maschinerie des Göttlichen

11.40–12.00 Uhr
Margit Thøfner, The Open University, Milton Keynes
Musicality and Materiality in early modern Lutheran churches

12.30–14.00 Uhr
Mittagspause

III. Caritas

14.00–14.20 Uhr
Emmanouela Kyriakopoulou, Kapodistrian University of Athens
Care Like Nobody’s Saving You: Charity, the Dutch Society, and the Plague in an emblem by Jan Luyken

14.40–15.00 Uhr
Yufei Guo, Universität München
Confessional Care in Public: The Visual Politics of Hospitals and Pharmacies

15.20–15.50 Uhr
Kaffeepause

16.00–19.00 Uhr
Werner Oechslin
Führung durch die Bibliothek und Einführung in Bücher zum Thema des Barocksommerkurses

19.30 Uhr
Gemeinsames Abendessen

Dienstag, 23. Juni

IV. Konfessionelle Polemiken im Bild

09.10–09.30 Uhr
Magdalena Bushart, TU Berlin
Die Transformation gedruckter Bilder im Zeitalter der Konfessionalisierung. Das Beispiel der Passionsfolge «Sündenfall und Erlösung des Menschengeschlechts» von Albrecht Altdorfer

09.50–10.10 Uhr
Reinhard Gruhl, Universität Hamburg
Christliche Kabbala und lutherisches Bekenntnis: Die Teinacher Lehrtafel der Antonia von Württemberg

10.30–11.00 Uhr
Kaffeepause

11.00–11.20 Uhr
Miriam Holtkamp, Universität Münster
Konfessionelle Bildpolemik und historische Evidenz: Der Fusskuss Friedrich Barbarossas als frühneuzeitliches Bildargument

11.40–12.00 Uhr
Eelco Nagelsmit, Vrije Universiteit Amsterdam
Displaying Early Franciscan Images as ‘Evidentia’ in Religious Polemics: Carolus van Arenberg’s Icones Antiquae

12.20–12.40 Uhr
Tim Gough, London
English Baroque and the delights of adiaphoria

13.0–14.30 Uhr
Mittagspause

14.30–14.50 Uhr
Nina Niedermeier, Universität Augsburg
Kampf der Konfessionen in der venezianischen Kirche San Sebastiano – ein Widerhall des päpstlichen Antijudaismus?

15.10–15.30 Uhr
Evangelos Zoidis, Universität Westattika Athen
Die Anatomie des Dr. Tulp von Rembrandt von Rijn. Das Bild als Wissensgebiet und Moralbegründung im protestantischen Barock

15.50–16.20 Uhr
Kaffeepause

V. Konfessionalität in Skulptur, Porzellan und Schatzkunst

16.20–16.40 Uhr
Veronika Knedlikova Wankova , University of Padua
Confessional Negotiation and Emotional Expression in Late 16th- and Early 17th-Century Bohemian Epitaphs

17.00–17.20 Uhr
Stephan Boll, München
Maria Josepha von Sachsen und die Konfessionalisierung des Meissener Porzellans

17.40–18.00 Uhr
Sabrina Leps, Universität Münster
Reliquien und Reliquienkult bei Friedrich Christian von Sachsen

19.00 Uhr
Gemeinsames Abendessen

Mittwoch, 24. Juni

VI. Jesuiten und andere ‚exotische‘ Schauplätze

09.10–09.30 Uhr
Eckart Kühne, Biel
Die Interpretationen der Jesuitenmissionen als Argumente in konfessionellen und politischen Auseinandersetzungen

09.50–10.10 Uhr
Konrad Krčal, University of Copenhagen
Gedanken zur Religionspolitik des frühneuzeitlichen Kolonialismus. Oder die Bedeutung des Fetischismus in Theodor de Brys Amerika

10.30–10.50 Uhr
Pablo Mahía Rello, Universidad Autónomia de Madrid
The adaption of Catholic confession to the New World: translation, devotion and identity

11.10–11.40
Kaffeepause

11.40–12.00 Uhr
Kerstin Borchhardt, Katholische Privatuniversität Linz
Zwischen Ursprungs- und Sinnsuche: Holistische Naturgeschichte zwischen Kunst, Wissenschaft und Religion

12.20–12.40 Uhr
Harald Tesan,
František Bílek: Moderne, Nationalmythos und Hussitismus

13.00 Uhr
Abschiedsapéro

Mit Unterstützung der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften

Die Veranstaltung ist öffentlich. Gasthörer sind herzlich willkommen. Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldung an: infobibliothek-oechslin.ch

Quellennachweis:
CONF: Barock: Religion – Konfessionen (21-24 Jun 26). In: ArtHist.net, 21.05.2026. Letzter Zugriff 21.05.2026. <https://arthist.net/archive/52528>.

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