CFP Feb 20, 2026

10. Forum Kunstgeschichte Italiens 2027 (Düsseldorf, 11-13 Mar 27)

Düsseldorf, Mar 11–13, 2027
Deadline: Mar 31, 2026

Anna Magnago Lampugnani

[English version below]

"Grenzverhandlungen. Dynamiken von Markierung und Überschreitung",
Forum Kunstgeschichte Italiens, Düsseldorf, 11.-13. März 2027.

Organisation: Anna Magnago Lampugnani, Astrid Zenkert, Valeska von Rosen

Grenzen sind präsenter und umstrittener denn je. Während im politischen Diskurs oft ein Alltagsverständnis von Grenzen als starre Demarkationslinien (zwischen Staaten, Ideologien, Haltungen, etc.) dominiert, rücken die Geistes- und Kulturwissenschaften Konzepte der Fluidität, Vernetzung und Hybridität in den Fokus. Globale, postkoloniale und posthumanistischen Ansätze stellen die tradierten Logiken territorialer, epistemischer und ontologischer Grenzen auf den Prüfstand. Im Spannungsfeld dieser gegenläufigen Tendenzen von rebordering und debordering ist die Auseinandersetzung mit der Komplexität von Grenzen dringlicher denn je.

Vor diesem Hintergrund wollen wir im 10. Forum Kunstgeschichte Italiens die Grenze als Gegenstand und theoretische Kategorie des Fachs neu befragen. Welche Potenziale und Perspektiven kann die Kunstgeschichte, und speziell die Italienforschung, in die aktuellen wissenschaftlichen „Grenzverhandlungen“ einbringen?

Zum einen untersucht die Kunstgeschichte materielle Grenzen visueller Artefakte, etwa Konturen, Rahmungen oder architektonische Trennlinien (borders), und verknüpft sie mit sozialen, politischen, religiösen oder kunsttheoretischen, also immateriellen Grenzziehungen (boundaries). In diesem Prozess setzt die Disziplin zugleich neue Grenzen, indem sie bestimmte Räume, Objekte und Deutungsperspektiven zugunsten etablierter Gegenstände und Kategorien ausschließt. Zum anderen fungiert Kunst in vielerlei Hinsicht als Medium der Grenzüberschreitung. Die aktuelle kunsthistorische Forschung untersucht die Grenze weniger als statische Barriere denn als dynamisches Agens: Normverstöße, mediale Transgressionen und Gattungsüberschreitungen machen die Grenze als produktiven Ort der Aushandlung, Transformation und künstlerischen Innovation begreifbar. Die Erforschung von Schwellenräumen und deren ritueller oder performativer Funktion hebt die Grenze als Zone des Übergangs und der Neukonfiguration hervor. Transfers und Hybridisierungen von Bildsprachen akzentuieren die verbindenden und generativen Aspekte von Grenzen.

Welche Grenzen aber setzen wir als gegeben voraus, indem wir Prozesse der Überschreitung beschreiben und wo halten wir dabei unbemerkt an verkrusteten Grenzkonzepten fest? Welche Perspektiven können durch die Tendenz zur „Verflüssigung“ verstellt werden?

Das Thema „Grenzverhandlungen“ fordert auch dazu heraus, grundsätzlich darüber nachzudenken, wo die Grenzen unserer Disziplin verlaufen, welche Formen der Überschreitung sie ermöglichen und welche sie blockieren. Nicht zuletzt stellt sich für dieses Forum immer wieder die Frage nach den – geographischen und temporalen – Binnengliederungen unseres Fachs und den damit verbundenen Grenzziehungen. Inwiefern lässt sich angesichts der wachsenden Bedeutung globaler und transkultureller Forschungshorizonte die Italienforschung fruchtbar machen?

Mögliche thematische Schwerpunkte und Fragestellungen umfassen u.a.:

1. Methodik & Theorie: Gibt es genuin kunsthistorische Grenzkonzepte? Was kann unser Fach zu den interdisziplinären Border Studies beitragen? Welche neuen Konzepte kann es umgekehrt daraus aufgreifen (nodale und mobile Grenzkonzepte, selektive Permeabilität, etc.)?

2. Materialität & Raum: Wie manifestieren sich Grenzen physisch (Rahmen, Mauern, Schwellen, skulpturale und kartographische Markierungen, Lineamente, Konturen, Ränder, Objektgrenzen, urbanistische Strukturen, wie Plätze, Straßen, Befestigungsanlagen, etc.) und wie funktionieren sie? Wo liegen Grenzen künstlerischer Materialien?

3. Thematisierung & Diskursivierung: Wie werden Grenzen mit künstlerischen Mitteln reflektiert (Ikonographien der Grenze, Spiel mit Rahmungssystemen und Wirklichkeitsebenen etc.)? Welche Grenzziehungen strukturieren aktuelle und historische Kunst-Diskurse (Disegno-Konzepte, Kunst-Geographien, etc.)? Wie werden sie problematisiert und kritisiert?

4. Liminalität & Transformation: Wo und wie werden Grenzen zu Zonen des Übergangs und der Verwandlung gestaltet (künstlerische Steuerung performativer und ritueller Praktiken der Grenzüberwindung, etc.). Wo weiten sich Grenzen zu Grenzlandschaften (borderscapes)?

5. Transgression & Transfer: Welche produktiven und innovativen Dynamiken werden durch institutionelle, territoriale und soziale Grenz-Systeme und ihre Überschreitung in Gang gesetzt (Verstöße gegen Normen, Gattungs- und Mediengrenzen, Überschreitung sozialer Stratifikationen, kulturelle Hybridisierungen, Austauschprozesse von Bild-und Architektursprachen, Motiven und Techniken, Zirkulationen von Objekten, Akteur:innen und Konzepten, usw.)

6. Rezeption & Präsentation: Wie determinieren Epochen-Einteilungen, Rahmen, Ränder und Raumgrenzen die Wahrnehmung von Kunst? Wie wird in Museen, Kirchen, Gärten inkludiert und ausgegrenzt?

7. Kanon & Kritik: Welche Grenzen formen Urteile über Kunst, wie wird künstlerische Anerkennung durch Grenzregulierung vermittelt? Wer agiert als gatekeeper?

8. Italienforschung im Fokus: Inwieweit sind Konzepte kultureller oder nationaler Entitäten als Forschungsrahmen vor dem Hintergrund einer fortschreitenden Deterritorialisierung kunsthistorischer Narrative noch tragfähig?

Einreichungsmodalitäten:
Das 10. Forum Kunstgeschichte Italiens lädt Wissenschaftler:innen aller Karrierestufen ein, Vorschläge für Sektionen (mit 3-4 Beiträgen) oder für 20-minütige Einzelvorträge einzureichen. Einreichungen von Doktorand:innen sind besonders willkommen. Wir begrüßen Beiträge, die theoretische Reflexionen mit konkreten Fallbeispielen aus der italienbezogenen Kunstgeschichte verbinden.

Bitte reichen Sie folgende Unterlagen ein:
- Abstract (max. 300 Wörter, Deutsch oder Italienisch/Englisch)
- Kurz-CV (max. 1/2 Seite)
Einsendeschluss: 31.3.2026 an astrid.zenkerthhu.de und anna.magnago.lampugnanihhu.de

Kosten für Übernachtung, An- und Abreise von Sektionsleitenden und Vortragenden werden vorbehaltlich der Einwerbung von Drittmitteln übernommen.

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"Negotiating borders. Dynamics of demarcation and transgression",
10. Forum Kunstgeschichte Italien, Düsseldorf, March 11-13, 2027.

Organization: Anna Magnago Lampugnani, Astrid Zenkert, Valeska von Rosen

Borders are more present and contested than ever. While political discourse often relies on a commonsense understanding of borders as rigid demarcations — be it to divide nation states, ideologies, or identities—the humanities increasingly emphasize concepts of fluidity, connectivity, and hybridity. Global, postcolonial, and posthumanist approaches are coming to challenge traditional logics of territorial, epistemological, and ontological boundaries. In this tension between rebordering and debordering, the critical engagement with the complexity of boundaries has become more urgent than ever.

Against this backdrop, the 10th Forum for Italian Art History invites a renewed interrogation of the border as both a subject in its own right and theoretical umbrella within the discipline of art history. What potentials and perspectives can art history, and in particular Italian art history, contribute to current scholarly “border negotiations”?

On the one hand, art history examines the literal material boundaries of visual artifacts – such as contours, frames, or architectural divisions (borders) – and strives to link them to immaterial, social, political, religious, or theoretical boundaries. In doing so, the discipline simultaneously draws new lines by privileging certain spaces, objects, or interpretive frameworks, while excluding others. On the other hand, art functions as a medium of transgression. Contemporary art historical research no longer sees the boundary as a static barrier, but as a dynamic agent: norm violations, media transgressions, and genre crossings reveal the boundary as a productive site of negotiation, transformation, and artistic innovation. The study of liminal spaces and their performative or ritual functions highlights the boundary as a zone of transition and reconfiguration. Hybridizations of visual languages and iconographies accentuate the unifying, constitutive roles of boundaries – not as obstacles, but as spaces of encounter and renewal.

This perspective raises critical questions: Which boundaries do we take for granted when describing processes of transgression – and where do we unconsciously uphold rigid, entrenched conceptual frameworks? What perspectives might be obscured by the tendency toward “fluidity”?
Where do the boundaries of our discipline lie—and which forms of transgression does it enable, and which does it block?
And finally, how do internal divisions—both geographical and temporal—within the field, shape its self-conception? In an era that places growing emphasis on global and transcultural research, how can Italian studies remain productive and innovative?

Potential topics and questions include:

1. Methodology & Theory: Are there specific art-historical conceptualizations of the border? What can our discipline contribute to interdisciplinary border studies? Conversely, which new theoretical frameworks (e.g. nodal and mobile boundaries, selective permeability) might it adopt?

2. Materiality & Space: How do boundaries manifest physically (frames, walls, thresholds, lineaments, contours, object edges, urban structures such as squares, streets, fortifications)? How do they function? Where do boundaries emerge within artistic materials?

3. Thematization & Discursivity: How are boundaries artistically reflected upon (iconographies of the border, playful framing systems and the demarcation of different layers of reality)? What kinds of borderlines and boundaries structure historiographical discourses and contemporary disciplinary practices (e.g. the notion of disegno, artistic geographies)? How are they critiqued or problematized?

4. Liminality & Transformation: Where and how are boundaries transformed into transitionary zones and moments of metamorphosis (e.g. through performative or ritual practices of boundary crossing)?

5. Transgression & Transfer: What productive and innovative dynamics are set in motion by institutional, territorial, and social systems of boundaries—and their transgressions? (e.g. norm violations, genre and media boundaries, social stratification, exchange of visual and architectural languages, motifs, techniques, cultural hybridizations.)

6. Reception & Presentation: How do frames, margins, and spatial boundaries shape the perception of art? How is inclusion and exclusion enacted in museums, churches, and gardens?

7. Canon & Critique: Which boundaries shape judgments about art? How is artistic valuation mediated through boundary regulation?

8. Italian Studies in Focus: To what extent are concepts of cultural or national identity still viable as frameworks for new research?

Submission procedures:
The 10th Forum for Italian Art History invites scholars at all career stages to submit proposals for: sections (3-4 presentations, 1.5–2 hours total) or individual presentations (20-minutes).
We especially welcome submissions from doctoral candidates. We encourage contributions that combine theoretical reflection with concrete case studies from Italian art history, spanning from the early Middle Ages to the present.

Please submit following documents by 31 March 2026:
- Abstract (max. 300 words) in German, Italian, or English
- Short CV (max. ½ page)
Please submit to astrid.zenkerthhu.de and anna.magnago.lampugnanihhu.de

Reference:
CFP: 10. Forum Kunstgeschichte Italiens 2027 (Düsseldorf, 11-13 Mar 27). In: ArtHist.net, Feb 20, 2026 (accessed Feb 20, 2026), <https://arthist.net/archive/51800>.

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