Bevor es die Ästhetik gab, gab es die Rhetorik. Die Rhetorik ist Europas umfassendste formalisierte Bildungstradition, sie ist mit der Philosophie seit ihren Anfängen in fruchtbarem Streit verbunden – und sie kann, so die Ausgangsthese des Workshops, als ästhetische Praxis beschrieben und erschlossen werden.
Der Workshop verfolgt das Ziel, diese ästhetische Dimension rednerischer Praxis herauszuarbeiten – etwa im Vortrag (elocutio), im Einsatz des rhetorischen pathos, im Gebrauch von Stilmitteln zur Erzeugung von Evidenz wie im inventiv-ingeniösen Umgang mit Topoi als Form reflektierender Phantasie. Dabei wird Rhetorik nicht (nur) als wissenschaftliche Disziplin, sondern vor allem als vielschichtige Praxis verstanden, die gesellschaftliche Konventionen, räumliche Anordnungen und den leiblichen Vollzug umfasst. Neben klassischen Texten stehen auch Felder wie Performance-Kunst, Mode und Dokumentarfilm im Fokus des Workshops: Wo erweitert die Rhetorik als ästhetische Praxis unser Verständnis, und wo liegen ihre Grenzen? Der Workshop fragt darüber hinaus, wie eine ästhetische Perspektive die zeitgenössische Praxistheorie bereichern kann.
Mit Andrea Allerkamp, Dominique Epple, Sören Fiedler, André Hinderlich, Jelena Jeremejewa, Verena Potthoff, Frank Schuhmacher, Emanuel Seitz, Johanna Sinn, Hannah Stangl und Nicola Zambon; organisiert von Andreas Hetzel, Ruben Pfizenmaier und Maren Schüll
PROGRAM
Donnerstag, 19.02.2026
14:00 Begrüßung und Eröffnung durch die Organisator:innen
14:30 Frank Schuhmacher (Uni Tübingen): Amplificatio: Nachdruck und Kraft in der Rede
15:15 Pause
15:45 Dominique Epple (Uni Hildesheim): Das decorum in der persona-Theorie Ciceros: ästhetischer Leitbegriff einer rhetorischen Subjektivierungspraxis
16:30 Sören Fiedler (TU Darmstadt): Die rhetorische Stimme. Ästhetische Praxis zwischen Sprache, Schauspiel und Musik
17:15 Pause
17:45 Andrea Allerkamp (Uni Frankfurt/Oder): Mit Baumgarten Kleist lesen: Zur ästhetisch-rhetorischen (Un)Darstellbarkeit verletzter Rechtsgefühle
18:30 Tagesabschluss. Diskussion
19:30 Gemeinsames Abendessen
Freitag, 20.02.2026
09:00 Begrüßung und Eröffnung des zweiten Tages durch die Organisator:innen
9:15 Nicola Zambon (Uni Würzburg) : Die ästhetische Vernunft. Giambattista Vicos Scienza-Nuova als Programm einer anderen Moderne
10:00 Emanuel Seitz (Uni Basel): Rhetorik – eine Prägnanztechnik des Erkennens
10:45 Pause
11:15 Johanna Sinn (Uni Passau): Beispielgeben als ästhetische Praxis in der Rhetorik
12:00 Mittagessen
13:30 Hannah Stangl (HU Berlin): Ethos zu Tisch: Rhetorische Artikulation des Sozialen bei Schleiermacher und Jean Paul
14:15 Verena Potthoff (PH Karlsruhe): Rhetorik des Sichtbaren: Mode als kulturelle Praxis
15:00 Pause
15:30 André Hinderlich (Uni Hildesheim): Zwischen Menschen und Bäumen – ästhetische Praxis mit oder ohne Rhetorik?
16:15 Jelena Jeremejewa: Film als Bühne – zwischen Selbstdarstellung und Selbstvergessenheit
17:00 Pause
17:15 Abschlussdiskussion
18:00 Ende
18:30 Gemeinsames Abendessen (optional)
Weitere Informationen: https://www.uni-hildesheim.de/media/fb2/projekte/aesthetische-praxis/Veranstaltungen_WiSe_2526/2026-01-26_Rhetorik_als_ästhetische_Praxis_Programmheft_WEB_-_FINAL.pdf
Anmeldung: pfizenmaieruni-hildesheim.de
Reference:
CONF: Rhetorik als ästhetische Praxis (Hildesheim, 19-20 Feb 26). In: ArtHist.net, Jan 28, 2026 (accessed Jan 30, 2026), <https://arthist.net/archive/51586>.