Polnische Romantik. Transnationale Konstellationen / Polish Romanticism. Transnational Constellations / Polski romantyzm. Konstelacje transnarodowe.
Zugleich 33. Tagung des Deutsch-Polnischen Arbeitskreises für Kunstgeschichte und Denkmalpflege
Hauptorganisatoren: Prof. Dr. Anne Bohnenkamp (Deutsches Romantik-Museum/Universität Frankfurt), Prof. Dr. Alfred Gall (Universität Mainz), Dr. Michał Kamiński (Ossolineum Bres- lau), Prof. Dr. Peter Oliver Loew (Deutsches Polen-Institut), Prof. Dr. Magdalena Marszałek (Universität Potsdam).
Für den Arbeitskreis Kunstgeschichte: Sławomir Brzezicki M.A. (Herder-Institut Marburg), Prof. Dr. Piotr Korduba (Universität Posen), Dr. Dietmar Popp (Herder-Institut Marburg), PD Dr. Beate Störtkuhl (Bundesinstitut für Kultur und Geschichte des östlichen Europa, Oldenburg).
Die Romantik stellt eine zentrale und bis in die Gegenwart wirkende Epoche der polnischen Literatur- und Kulturgeschichte dar. Sie wird mit guten Gründen als entscheidende, geradezu paradigmatische Formation für die polnische Nationalkultur betrachtet. Der romantische Literatur- und Deutungskanon hat eine identitätsstiftende Funktion und übt auch in seiner Nachwirkung mit teils stark politisch motivierter Ideologisierung auf das nicht nur nationale Selbstverständnis in Polen Einfluss aus. Allerdings stößt dies bisweilen auch auf heftige Gegenreaktionen oder polemische Abgrenzungen gegenüber einer in der Kultivierung der Romantik postu- lierten nationalen Identität der Polen. Die Debatten über die polnische Romantik dauern bis heute – unbestritten sind ihr Rang und ihre Bedeutung.
Im Sommer 2027 wird eine Ausstellung im Deutschen Romantik-Museum Frankfurt am Main („Geister der Freiheit. Die polnische Romantik und ihre Folgen” – Arbeitstitel) Einblicke in die charakteristischen Merkmale der polnischen Romantik geben und ihre Verbindungen im europäischen Kontext beleuchten. Die Konferenz bereitet diese Ausstellung aus akademischer Sicht vor, indem gezielt die transnationalen Dimensionen der polnischen Romantik in den Blick genommen werden. Mit diesem Zugang soll im Rahmen der Konferenz der Versuch einer Rekontextualisierung der polnischen Romantik in einem breit gefächerten transnationalen Referenzrahmen unternommen werden. Insbesondere die Beziehungen zur deutschen Kultur, zu deren Literatur und Philosophie, waren für die polnische Literatur der Romantik eine prägende Erfahrung, die sich auf vielfältige und originelle Weise bemerkbar machte (etwa durch den Einfluss von Herders Begriff vom "Volk" oder von Goethes Werther auf Mickiewicz). Aber auch andere europäische Kulturen bilden einen Anlehnungskontext (Niklas Luhmann) – oder auch einen Ablehnungskontext – für die Entfaltung einer eigenständigen polnischen Romantik.Nicht zuletzt ist aber auch an die intrinsische transnationale bzw. transkulturelle Eingebunden heit der polnischen Kultur in der Epoche der Romantik zu denken. Die Teilungen und damit verbunden die Herrschaft durch fremde Mächte bzw. mit Fremdherrschaft einhergehende kulturelle Hegemonie, die Staatslosigkeit, aber auch die multiethnische und multikonfessionelle demographische Situation im geteilten Polen-Litauen sowie die Erfahrung der Emigration – all dies zusammen hat entscheidenden Einfluss auf die Spezifik der polnischen Romantik, die vielfältiger erscheint als der kanonische Deutungsansatz, der eine homogene Nationalkultur als geschlossene Entität setzt.
Die Konferenz zielt darauf ab, ein besseres Verständnis der polnischen Romantik zu vermitteln, nicht als nationale Ausnahmeerscheinung, sondern in ihrer Wechselwirkung mit benachbarten europäischen Kulturen. Aus diesem Kontext ergeben sich die hier nur umrissartig skizzierten Leitthemen. Einzelne Beiträge können auch mehrere Themen gleichzeitig behandeln, wobei Beiträge mit vergleichender Ausrichtung besonders willkommen sind. Darüber hinaus werden sich mehrere Panels speziell mit den europäischen Dimensionen der polnischen Romantik in Kunstgeschichte und Denkmalpflege befassen.
A: Einflüsse – Diskurse – Objekte
• Die polnische Romantik im Dialog und in der Polemik mit europäischen Literaturen und Kulturen, insbesondere mit den Nachbarkulturen der Teilungsmächte. Hier interessieren vor allem deutsch-polnische sowie polnisch-russische Konstellationen.
• Verhandlungen der polnischen Kultur als Hegemonialkultur, insbesondere mit Blick auf die Ukraine, aber auch andere ethnische oder konfessionelle Gruppen auf dem Gebiet des geteilten Doppelstaats Polen-Litauen (postkoloniale Zugänge zu Prozessen kultureller Aneignung, exotisierender Faszination, Othering, Orientalismus – sowie Gegenreaktionen).
• Die jüdischen Inspirationen und Hintergründe der polnischen Romantik, vor allem vor dem Hintergrund romantischer messianistischer Konzepte und Geschichtsentwürfe sowie Diaspora-Ideen (v.a. in der Emigration). Die polnisch-jüdischen (postromantischen) Verflechtungen zeigen sich auch in den späteren zionistischen Anlehnungen an die polnischen romantischen Ideen des Nationalen.
• Einzelne Fallstudien: Welche Objekte aus Kunst, Architektur, Musik und Literatur eignen sich besonders für eine transnationale Untersuchung der polnischen Romantik? In welcher Beziehung steht die polnische Romantik in der bildenden Kunst zur europäischen Malerei und Darstellungskunst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts?
B: Ideen – Konzepte – Ästhetik• Romantische Semantiken des Nationalen im internationalen Vergleich: Vergleichende Untersuchungen der Vokabulare des Nationalen mit ihren impliziten bzw. expliziten In- und Exklusionsmechanismen sowie im Verhältnis zum romantischen Regionalismus. Im Fokus steht nicht zuletzt das Dilemma der Nation ohne Staat (relevant u.a. auch für die ukrainische, tschechische, südslawische, aber auch irische, schottische, griechische Romantik).
• Politisches Denken der Romantik: Auseinandersetzungen mit der Revolution, Irredenta, republikanischen Ideen, mit der Gewalt als Mittel der Politik etc. Verflechtungen des politischen und religiösen Denkens (Politisierung der Religion, Sakralisierung der Politik). Besonderes Interesse gilt den Europa-Visionen der Romantik im internationa len Vergleich.
• Romantische Ordnung(en) der Geschlechter – im internationalen und interkulturellen
Vergleich (u.a. Semantiken sowie Praktiken des Männlichen / Weiblichen / Androgynen)
• Fragen der romantischen Ästhetik (u.a. Imagination, Phantasie, Ironie, Autorschaftskonzepte) – im internationalen und interkulturellen Vergleich.
C: Nachwirkungen
• Nachwirkungen und Diskurse der Romantik und des Romantischen bis heute: Das Nachleben der Romantik im 19., 20. und 21. Jahrhundert sowie die damit verknüpften ideologischen Implikationen bzw. politischen Zielsetzungen. Hier interessierten sowohl polnische Auseinandersetzungen mit dem romantischen Erbe (u.a. Maria Janions Werk) als auch kritische Diskussionen der Romantik im internationalen Vergleich.
Tagungssprachen sind Deutsch, Polnisch und Englisch. Ein Teil der Konferenz wird Deutsch- Polnisch simultan gedolmetscht. Vorträge können in allen drei Sprachen gehalten werden. Die Organisatoren gewährleisten – eine ausreichende Finanzierung vorausgesetzt – die Übernahme von Reise- und Übernachtungskosten.
Erbeten werden Abstracts (max. eine Seite, 2500 Zeichen, Biogramm 500 Zeichen) mit The menvorschlägen zu Vorträgen (25 Minuten) oder zu kurzen Panels (90 Minuten) mit mehreren thematisch koordinierten Vorträgen unter Leitung einer oder mehrerer Personen. Diese Ausschreibung richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Karrierestufen.
Vorschläge bitte bis zum 15. Januar 2026 einreichen bei:
maj-mehrvarzdpi-da.de und loewdpi-da.de
Reference:
CFP: Polnische Romantik (Frankfurt am Main, 21-24 Oct 26). In: ArtHist.net, Nov 29, 2025 (accessed Nov 29, 2025), <https://arthist.net/archive/51247>.