Architektur/Repräsentation/Restriktion – Schaufassaden im mittelalterlichen Stadtraum.
CfP zum 10. Workshop der Arbeitsgruppe Mittelalter im Netzwerk Jüdisches Kulturerbe,
Leitung: Simon Paulus, Martin Sladeczek und Maria Stürzebecher
Die Arbeitsgruppe Mittelalter im Netzwerk Jüdisches Kulturerbe lädt interessierte Kolleginnen und Kollegen zur Beteiligung an ihrem nächsten Workshop am 25./26. September 2025 nach Erfurt ein. In den Fokus möchten wir dieses Mal einen architekturphänomenologischen Aspekt in seinem stadträumlichen Kontext stellen:
Öffentliche Bauten zeichnen sich in der Regel im Stadtraum dadurch aus, dass sie sich von ihrer Umgebung architektonisch abheben. Dabei interagieren Architektur und Nutzung mit dem angrenzenden Platz- und Straßenraum auf besondere Weise. Architektonisch aufwendig gegliederte Schaufronten bilden oft die Rahmung für einen besonderen Akt oder Ritus, seien es die Präsentation von Reliquien, Huldigungen oder städtische Rechtsakte. Im Gegensatz zu den städtischen oder kirchlichen Institutionen scheinen jüdische Einrichtungen, allen voran die Synagogen, als Folge von Restriktionen bis hin zum Bauverbot im öffentlichen Stadtraum kaum architektonisch in Erscheinung getreten zu sein. Und doch kam es auch hier zumindest während bestimmter Zeitabschnitte (z.B. Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts) zu baulich aufwendigeren und architektonisch anspruchsvolleren Maßnahmen, die wenigstens im halböffentlichen Raum des jüdischen Viertels, mitunter aber auch markanter im Stadtraum sichtbar waren.
Im Workshop wollen wir daher gezielt nach historischen Bedingungen, performativen Ansprüchen und städtebaulichen Parametern fragen, die zu baulichen bzw. planerischen Entscheidungen und Lösungen im Synagogenbau führten, gerade auch im Vergleich zu ihren städtischen oder kirchlichen Pendants (Pfarrkirchen, Rathäuser etc.). Dabei soll ein spezielles Augenmerk auf die besonderen Beziehungen von Außen- und Innenraum und die jeweilig beabsichtigten Wirkungen gelegt werden, z.B. auf die Durchfensterung und die daraus resultierende Lichtwirkung im Raum oder auf akustische und visuelle Bedingungen und Anforderungen bei der Orientierung von Portalen, bodentiefen Öffnungen oder Erkern. Nicht zuletzt soll diskutiert werden, inwiefern auch im Falle jüdischer Bauten von einem Bewusstsein für künstlerische Entwicklungen in der Baukunst ausgegangen
werden kann, das sich in solchen Schaufassaden manifestierte.
Die Einladung, sich mit kurzen Abstracts (max. 2000 Z.) zu konkreten Fallbeispielen oder Quellenstudien zu bewerben, richtet sich an Interessierte aus allen Fachrichtungen (Bauforschung, Archäologie, Bau- und Kunstgeschichte, Geschichtswissenschaften, Judaistik, Denkmalpflege und Museologie). Wir bitten um Zusendung bis spätestens 31. Mai 2025.
Die Teilnehmerzahl für beide Tage ist begrenzt.
Reise- und Unterkunftskosten können leider nicht übernommen werden.
Anmeldung und weitere Informationen:
maria.stuerzebechererfurt.de / simon.paulusifag.uni-stuttgart
Quellennachweis:
CFP: Schaufassaden im mittelalterlichen Stadtraum (Erfurt, 25-26 Sep 25). In: ArtHist.net, 31.03.2025. Letzter Zugriff 03.04.2025. <https://arthist.net/archive/44946>.