Öffentliche Ringvorlesung.
Sommersemester 2025.
Dienstag, 18:15 Uhr.
Campus Unteres Schloss, Raum US-C 105.
Unteres Schloss 3, 57072 Siegen.
Hergeleitet vom griechischen Wort für „Kreisumfang“, bezeichnet der Begriff „Peripherie“ eine Randlage in Abgrenzung vom Zentrum, beispielsweise einer Stadt. Verbunden ist damit häufig eine wertende Betrachtung von Randständigkeit, wonach jenen Ereignissen größere Bedeutung zukommt, die sich im (behaupteten) Zentrum abspielen.
Derlei hierarchisierende Narrative prägen auch die traditionell eurozentrisch geprägte Kunstgeschichte und ihre Kanonisierungsprozesse. Im Kontext jüngerer Ansätze einer transkulturellen Rekonfiguration ihrer Methodik und Gegenstandsbereiche werden sie daher zurecht kritisiert.
In ihrem Buch „Can Art History Be Made Global? Meditations from the Periphery“ (2023) verknüpft die Kunstwissenschaftlerin Monica Juneja ihre Kritik einer euroamerikanisch zentrierten und an nationalen Kategorien orientierten Kunstgeschichte mit einer positiven Umwertung des Konzepts. „Von der Peripherie aus schreiben“ bedeutet ihr zufolge die strategische Einnahme eines alternativen methodisch-theoretischen Standpunkts mit dem Ziel, die sogenannten Zentren wie die vermeintlichen Peripherien in ihren transkulturellen Verflechtungsgeschichten zu betrachten.
Die Vortragsreihe nimmt diesen Vorschlag zum Ausgangspunkt, um Einordnungen und Verhältnisse von Zentrum und Peripherie zu problematisieren sowie Handlungsstrategien der in ihnen angesiedelten Akteur*innen zu kennenzulernen.
Programm:
15.4. Anne-Grit Becker (Universität Siegen)
Fluchtpunkt. Anna Maria Maiolino und Hélio Oiticica im New Yorker Exil
22.4. Dominik Schieder (Universität Siegen)
Stigma und Ressource. Ozeanien und die „Peripherie“ aus Sicht fidschianischer Migrant*innen
29.4. Franziska Koch (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)
Another Casualty of Modernity? Wie die globale Kunstgeschichte für die Avantgarde sorgen kann
6.5. Anna Helfer (Freie Universität Berlin)
Kollaborative Forschung zwischen Dakar und Berlin: Postrepräsentative und institutionskritische Perspektiven auf Museen mit Sammlungen senegalesischer Gegenwartskunst
13.5. Johanna Spanke (Universität Hamburg)
Institutionskritik und Identitätsverhandlungen in den borderlands: Das Kunstkollektiv ASCO
20.5. Monica Juneja (Universität Heidelberg)
Wie kommt die Welt in die Kunstgeschichte? Großausstellungen der Gegenwart und die Herausforderung peripherer Standorte
27.5. Monika Wagner (Universität Hamburg)
Afroamerikaner in Menzels „Indianer-Café“ der Wiener Weltausstellung
4.6. Sophie Junge (Ludwig-Maximilians-Universität München)
Den Bildern zuhören: Zum Umgang mit kolonialhistorischen Fotografien
17.6. Katja Stuke & Oliver Sieber (Düsseldorf)
Peripheren. Über das Gehen und die prozessuale Fotografie in der künstlerischen Praxis
24.6. Uta Fenske (Universität Siegen)
(Post-)Kolonialismus in der Geschichtskultur
1.7. Corinna Kühn (Universität Münster)
„KONTAKT“ – Die Überwindung der Isolation durch Netzwerkbildung bei Endre Tót und Jiří Kovanda
8.7. Jürgen Nielsen-Sikora (Universität Siegen)
Peripherien der Geschichte. Reflexionen im Anschluss an Walter Benjamin
Organisiert von Prof. Dr. Christian Berger, Professur für Kunstgeschichte
www.kunst-uni-siegen.de
Kontakt: christian.berger@uni-siegen.de
Reference:
ANN: Von der Peripherie sprechen (Siegen, 15 Apr - 8 Jul 25). In: ArtHist.net, Mar 30, 2025 (accessed Apr 3, 2025), <https://arthist.net/archive/44937>.