CFP Apr 16, 2024

Jean Tinguely Revisited (Basel, 20-22 Mar 25)

Museum Tinguely, Basel, Mar 20–22, 2025
Deadline: Sep 1, 2024

Janine Moroni

[English version below]
[version française ci-dessous]

Jean Tinguely Revisited:
Kritische Re-Lektüren und neue Perspektiven.

Internationale Konferenz des Museum Tinguely in Basel, organisiert von Dr. Sandra Beate Reimann zusammen mit Roland Wetzel, Dr. Andres Pardey, Annja Müller-Alsbach, Tabea Panizzi und Andrea Absenger.

Museum Tinguely, Basel, 20.-22. März 2025
Eingabeschluss 1. September 2024

Anlässlich des 100. Geburtstags Jean Tinguelys im Jahr 2025 richtet das Museum Tinguely in Basel von 20. bis 22. März 2025 eine wissenschaftliche Tagung aus. Ziel der Konferenz ist es, neue kunsthistorische Forschung sowie interdisziplinäre Analysen zum Werk des Künstlers wie seines Umfeldes anzustossen, zu fördern, zu diskutieren und zu veröffentlichen. Es ist das primäre Anliegen der Konferenz, Tinguelys Kunst aus der Sicht heutiger Fragestellungen, Theorien und Diskurse zu aktualisieren sowie kritisch zu hinterfragen.

Jean Tinguely (1925–1996) zählt zu den wichtigsten Künstler:innen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Arbeiten hat er die Erneuerung in der Kunst in den 1950er und 1960er Jahren mitgeprägt. Hauptmerkmal seines Œuvres ist die Bewegung. Ab 1954 schuf er in seinem Atelier in der Impasse Ronsin in Paris kinetische Reliefs und Skulpturen. Er nutzte Klang als integralen Bestandteil seiner Arbeiten (Reliefs sonores), integrierte den Zufall und konzipierte interaktive Kunstwerke, wie beispielsweise seine Zeichenmaschinen (Machines à dessiner und Méta-Matics). Tinguely war Teil des Nouveau Réalisme und pflegte zahlreiche Kontakte zu Künstler:innen und Kunst-Netzwerken.

Weitreichende internationale Bekanntheit erlangte er mit der Zerstörungsaktion Homage to New York, die er am 17. März 1960 im Skulpturengarten des Museum of Modern Art in New York aufführte. Mit seinen Aktionen und Happenings zählt Tinguely auch zu den frühen europäischen Akteuren performativen Kunstschaffens. Zu Beginn der 1960er Jahre sind seine kinetischen Assemblagen insbesondere durch die Verwendung von Schrott und Zivilisationsmüll gekennzeichnet. Von dieser Werkphase und der damit einhergehenden Assoziation mit dem Nouveau Réalisme löste er sich ab 1963, indem er seine Maschinenskulpturen nun in einer matten, schwarzen Farbe einheitlich fasste.

Gemeinschaftliches Arbeiten bildet einen wichtigen Bestandteil von Tinguelys Kunstpraxis. Dies reicht von gemeinsamen Projekten mit Yves Klein, Eva Aeppli, Niki de Saint Phalle, Robert Rauschenberg und Larry Rivers bis hin zu Projekten, die als Ausstellungen oder Architekturen die Form eines Gesamtkunstwerks annahmen und unter Beteiligung von bis zu 15 Künstler:innen entstanden (Dylaby, HON – en katedral, Le Crocodrome de Zig et Puce, Le Cyclop). Tinguely engagierte sich künstlerisch in verschiedenen Theaterprojekten: Er schuf Bühnenbilder und agierte auch selbst als Schauspieler zusammen mit befreundeten Künstler:innen bei gemeinschaftlichen Theateraufführungen.

Ab den 1970er Jahren ist Tinguelys Schaffen durch eine Tendenz zur Grösse gekennzeichnet: Seine grossen Räderwerke werden immer spektakulärer und erreichen ihren Höhepunkt in der über 8 Meter hohen und knapp 17 Meter langen, begehbaren Grossen Méta-Maxi-Maxi-Utopia von 1987. Eine zentrale Werkgruppe seines Œuvres ab 1970 sind seine Musikmaschinen (Méta-Harmonien). Auch Tinguelys Faszination für das Auto und den Motorrennsport finden in dieser Zeit Eingang in sein Werk. Ein besonderes Merkmal seines Spätwerks ist die Verwendung von Tierknochen und -schädeln, häufig auch in Form von Altären, die auf den Katholizismus referieren.

Tinguelys skulpturales Schaffen wurde stets begleitet von seiner konstanten Praxis des Zeichnens. Seine Zeichnungen sind auf einem weiten Spektrum von kreativ gestalteten Notizen, über Briefzeichnungen, vorbereitende und prozesshafte Werkzeichnungen bis hin zu Zeichnungen als Werke eigenen Rechts angesiedelt und durch Spontanität, Technik der Collage, Mehrsprachigkeit und ein ironisch-assoziatives Spiel in Wort und Bild gekennzeichnet.

Während Tinguely bereits ab 1959 als Künstler seinen Durchbruch erlebte und ab 1960 international erfolgreich agierte, spielte sein Werk in der Kunstgeschichte lange eine nebengeordnete Rolle. Erst ab den 2000er Jahren und dann insbesondere ab den 2010er Jahren wurde sein Werk in der kunsthistorischen Forschung aber auch im Rahmen von Ausstellungsprojekten und den begleitenden Katalogpublikationen weiter erforscht und kontextualisiert. Zahlreiche Aspekte seines Werks sind nach wie vor wenig oder nicht aufgearbeitet. Die Pionierleistungen des Künstlers (Performativität, Auflösung der Skulptur in ephemere Ereignisse, Materialwahl und Konsumkritik, Interaktivität, immersive Situationen, etc.), welche bereits Ende der 1950er Jahre entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Kunst und ihres Verständnisses hatten, sind im Hinblick auf die im Wesentlichen an der Minimal und Postminimal Art orientierte Skulpturgeschichtsschreibung wenig bekannt. Zugleich bieten diskursive Veränderungen (Perfomativitäts- und Ereignisbegriffe, Akteur-Netzwerk-Ansätze, Maschinenbegriff, etc.) Anlass, Tinguelys Schaffen aus einer heutigen Sicht neu zu perspektivieren und vor allem auch kritisch zu hinterfragen (insbesondere im Hinblick auf Gender und postkoloniale Diskurse sowie Animal Ethics and Aesthetics). Das Museum Tinguely möchte damit der neuesten Forschung zum Werk des Künstlers eine Diskussionsplattform bieten und zu neuem Nachdenken inspirieren.

Nachwuchsforscher:innen möchten wir daher ausdrücklich ermutigen, einen Beitrag einzureichen. Neben kunsthistorischen/-wissenschaftlichen Ansätzen sind Beiträge mit medienwissenschaftlichem Hintergrund und anderen relevanten geisteswissenschaftlichen Disziplinen ebenfalls sehr willkommen.

Die folgenden möglichen Themenkreise sind für die Konferenz vorgesehen (ohne andere Vorschläge auszuschliessen):
- die Rolle der kinetischen Kunst für die Entwicklung und Entgrenzung von Skulptur und Installation in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts; ephemere, performative, partizipative und multisensorische Aspekte seiner Kunst ebenso wie seines künstlerischen Kontextes; Immersion; Gesamtkunstwerk, Art total
- Institutionskritik; Kritik des Monuments; Antikunst; Kunst auf der Strasse; Kunst und Alltag/Leben
- eine postkoloniale Perspektive auf Tinguelys Werkgruppe der Balubas sowie die Rezeption von Patrice Lumumba in Kunst- und Kulturkreisen der 1960er Jahre
- Codierungen von Gendermerkmalen im Werk des Künstlers sowie in Gemeinschaftsarbeiten mit Niki de Saint Phalle und Eva Aeppli (bspw. Le Paradis fantastique, La Vittoria)
- die Verwendung von Knochen in Tinguelys Spätwerk und ethische Aspekte im Umgang mit Tierknochen und Human Remains
- Kollektive Kunstprojekte bei Tinguely und in seinem künstlerischen Kontext; die Bedeutung von Tinguelys europäischen wie transatlantischen Künstler:innennetzwerken für sein Werk und für die Entwicklung der Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
- Tinguelys Theater- und Bühnenprojekte und die Annäherung von Bildender Kunst und Theater ab den 1960er Jahren
- Tinguelys Maschinenbegriff und die Entwicklung des Maschinenbegriffs in der Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
- Tinguelys «Gedankenwelt» und seine Rekurse auf spezifische philosophische Positionen (z. B. Werkgruppe der Philosophen)
- Gesellschaftskritische Ansätze und Konsumkritik im Œuvre des Künstlers
- Verbindung von Hoch- und Populärkultur; Strategien der Zugänglichkeit; Rolle und Aufwertung der Dimension des Spielerischen in der Kunst des 20. Jahrhunderts
- Ironie als künstlerische Strategie
- Grösse und Spektakel als künstlerische Strategie
- die Medienstrategie des Künstlers und künstlerische Selbstdarstellungen bei Tinguely und in Künstler:innenkreisen ab den 1960er Jahren
- Rezeptionsgeschichte von Tinguelys Œuvre
- etc.

Vorschläge zu alternativen Formaten, wie moderierte Diskussion, Kurz-Workshops, Performances, oder Interventionen zum Thema der Konferenz sind ebenfalls sehr willkommen.

Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Die Konferenz findet in Anwesenheit statt.
Bitte kontaktieren Sie uns im Falle von Sprachbarrieren und/oder körperlichen Einschränkungen. Gerne finden wir individuelle Lösungen.
Das Vortragshonorar beträgt: 600,- CHF. Die Beiträge sollen für eine Veröffentlichung auf der Webseite des Museums per Kamera in Bild und Ton aufgezeichnet werden. Im Anschluss an die Konferenz ist eine schriftliche Veröffentlichung ausgewählter Beiträge als Online-Publikation in Originalsprache vorgesehen.

Einreichung:
Bitte reichen Sie ein kurzes Proposal (max. 500 Wörter) für eine 20-minütige Präsentation und ein CV mit wissenschaftlichem Profil (max. 250 Wörter) per Email an folgende Adresse ein: tinguelybasel.conferenceroche.com
Die Beiträge können in deutscher und englischer Sprache eingereicht werden.
Vorschläge zu alternativen Formaten können ebenfalls per Email an die Kongress-Adresse mit einer detaillierten Darstellung des Vorhabens und der angedachten Beteiligten geschickt werden.

Einreichungsfrist: 1. September 2024
Eine Rückmeldung über die Teilnahme erfolgt bis zum 30. September 2024.

Travel-Policy: Aus ökologischen Gründen bevorzugen wir, die Anreise per Bahn (2. Klasse) zu organisieren. Die Unterbringung vor Ort organisiert und übernimmt das Museum Tinguely.

Ort:
Museum Tinguely
Paul Sacher-Anlage 1
4058 Basel
Schweiz
www.tinguely.ch
Das Museum Tinguely ist ein Kulturengagement von Roche

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[English version]

Jean Tinguely Revisited:
Critical Rereadings and New Perspectives.

An international conference at Museum Tinguely in Basel. Organized by Dr. Sandra Beate Reimann with Roland Wetzel, Dr. Andres Pardey, Annja Müller-Alsbach, Tabea Panizzi and Andrea Absenger.

Museum Tinguely, Basel, March 20–22, 2025
Deadline for submissions: September 1, 2024

To mark the centenary of Jean Tinguely’s birth in 2025, Museum Tinguely in Basel will host an academic conference from March 20 to 22, 2025. The conference aims to initiate, encourage, discuss, and publish new art-historical research as well as interdisciplinary studies on the work of Tinguely and his circle. The conference’s main objective is to update and critically examine Tinguely’s art in terms of contemporary issues, theories, and discourse.

Jean Tinguely (1925–1996) was one of the most important artists in the second half of the twentieth century. His oeuvre was fundamental to the renewal of art that occurred in the 1950s and 1960s. The key feature of his work is movement. Starting in 1954, he created kinetic reliefs and sculptures in his studio on Impasse Ronsin in Paris. Tinguely used sound as an integral part of his works (Reliefs sonores), integrating chance and conceiving interactive works such as his drawing machines (Machines à dessiner and Méta-Matics). He was an adherent of Nouveau Réalisme and maintained many contacts with artists and artist networks.

Tinguely’s destructive performance Homage to New York, held on March 17, 1960, in the sculpture garden of the Museum of Modern Art in New York, catapulted the artist to international fame. His actions and happenings make him one of the early European practitioners of performative art. Particularly characteristic of his kinetic assemblages from the early 1960s is the use of scrap metal and waste products of civilization. In 1963 he decisively ended this phase of his work as well as his association with Nouveau Réalisme when he began to uniformly cover his machine sculptures with matte, black paint.

Collaborative work was central to Tinguely’s art practice, ranging from his shared projects with Yves Klein, Eva Aeppli, Niki de Saint-Phalle, Robert Rauschenberg, and Larry Rivers to exhibition and architecture projects that took on the form of a Gesamtkunstwerk and involved up to fifteen artists (Dylaby, HON—En Katedral, Le Crocodrome de Zig et Puce, and Le Cyclop). Tinguely was also active as an artist in various theater projects, creating stage sets and working as an actor with his artist friends in shared theater productions.

In the 1970s Tinguely’s work became increasingly monumental; his large mechanisms became more and more spectacular, culminating in 1987 with Grosse Méta-Maxi-Maxi-Utopia, which extends over eight meters high and seventeen meters long. In this period, his music machines (Méta-Harmonies) were a pivotal group of works. Tinguely’s interest in cars and car racing were also reflected in his oeuvre. The use of animal bones and skulls, often in the form of altars that refer to Catholicism, was particularly characteristic of his late work.

Tinguely’s sculptural oeuvre was accompanied by constant drawing. His drawings include a broad spectrum—ranging from creative jottings, letter drawings, preparatory sketches, and processual production drawings to independent works—that are characterized by their spontaneity, collage technique, multilingualism, and an ironically associative interplay of words and images.

Although Tinguely experienced his breakthrough as an artist in 1959 and was successfully pursuing an international career by 1960, his work has played a subordinate role in art-historical research for a long time. It was not until the first and especially the second decade of the twenty-first century that his work began to be studied and contextualized in art-historical research as well as in exhibition projects and accompanying catalog publications. Many aspects of his oeuvre have not been explored extensively or have yet to be examined at all. The artist’s pioneering achievements (including performativity, dissolution of sculpture into ephemeral occurrences, choice of material and criticism of consumerism, interactivity, and immersive situations), which in the late 1950s already had a decisive influence on the development and understanding of art, are not well known, considering that writing on the history of sculpture is essentially focused on the development of Minimalism and Postminimalism. At the same time, changes in discourse (performativity and event terms, actor-network theory, and machine concepts) provide scholars with an opportunity to view Tinguely’s work from a contemporary perspective and, most of all, to challenge it critically (especially in terms of gender, postcolonial discourse, as well as animal ethics and aesthetics). With this call, the Museum Tinguely would like to create a platform for the newest research on Tinguely’s oeuvre and inspire scholars to consider it in new ways.

We would particularly like to encourage young scholars to submit a contribution. In addition to art-historical studies, we also welcome contributions from the context of media studies and other relevant humanities.

While the following possible subjects are envisioned for the conference, this does not rule out other proposals:
- the role of kinetic art in the development of sculpture and installation, especially the overcoming of its status as an object in the second half of the twentieth century; ephemeral, performative, participatory, and multisensorial aspects of Tinguely’s art as well as his artistic context; immersion; Gesamtkunstwerk, art total
- institutional criticism; criticism of monuments; antiart; art in the streets; art and everyday life
- a postcolonial perspective on Tinguely’s Baluba series and the reception of Patrice Lumumba in art and culture circles of the 1960s
- codification of gender characteristics in the work of the artist and in collaborations with Niki de Saint Phalle and Eva Aeppli (such as Le Paradis fantastique and La Vittoria)
- the use of bones in Tinguely’s late work and ethical aspects regarding animal bones and human remains
- collective art projects in Tinguely’s work and artistic context; the meaning of European and transatlantic artist networks for Tinguely’s work and for the development of art in the second half of the twentieth century
- Tinguely’s theater and stage projects and the convergence of visual arts and theater starting in the 1960s
- Tinguely’s understanding of machines and the development of machine concepts in art in the second half of the twentieth century
- Tinguely’s realm of thought and his recourse on specific philosophical positions (such as the Philosophers series)
- social criticism and criticism of consumerism in the artist’s work
- connection between high art and popular culture; strategies of accessibility; role and enhancement of the dimension of playfulness in twentieth-century art
- irony as an artistic strategy
- size and spectacle as an artistic strategy
- the artist’s media strategy and artistic self-representation in Tinguely’s work and in artistic circles starting in the 1960s
- history of the reception of Tinguely’s oeuvre
- etc.

Proposals for alternative formats such as moderated discussions, short workshops, performances, and interventions on the conference’s subject matter are equally welcome.

The conference will be held in German and English. The physical presence of participants is required.
Please contact us regarding any language barriers or physical limitations; we are happy to propose individual solutions.
Lectures will be remunerated with 600 Swiss Francs. Video and audio recordings of the contributions are to be posted on the museum’s website. Following the conference, a written publication of chosen contributions in their original language will be made available online.

Submissions:
Please submit a short proposal (no more than 500 words) for a twenty-minute presentation and a CV of your academic profile (no more than 250 words) by email to tinguelybasel.conferenceroche.com
Submissions may be made in German or English.
Suggestions for alternative formats may be submitted by email to the same address with a detailed proposal and the intended participants.

Deadline for submissions: September 1, 2024
You will receive a response regarding your participation by September 30, 2024.

Travel policy: For ecological reasons, we prefer to organize transportation by train (second class). The museum will organize accommodation in Basel for all participants.

Location:
Museum Tinguely
Paul Sacher-Anlage 1
4058 Basel
Switzerland
www.tinguely.ch
The Museum Tinguely is a cultural commitment of Roche

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[version française]

Jean Tinguely revisité:
Relectures critiques et perspectives nouvelles.

Colloque international au Musée Tinguely de Bâle, organisé par Dr. Sandra Beate Reimann avec Roland Wetzel, Dr. Andres Pardey, Annja Müller-Alsbach, Tabea Panizzi et Andrea Absenger.

Musée Tinguely, Bâle, du 20 au 22 mars 2025
Date de clôture : 1er septembre 2024

À l’occasion du centième anniversaire de Jean Tinguely en 2025, le Musée Tinguely de Bâle organise, du 20 au 22 mars 2025, un congrès scientifique. L’objectif de ce colloque est de susciter, de promouvoir, de débattre et de publier des nouvelles recherches en histoire de l’art, ainsi que des analyses interdisciplinaires sur l’œuvre de l’artiste et de son entourage. Le colloque entend avant tout replacer l’art de Tinguely dans le contexte des questions, théories et discours actuels, et ce faisant, l’interroger de manière critique.

Jean Tinguely (1925-1996) compte parmi les artistes majeurs de la deuxième moitié du XXe siècle. Ses travaux ont contribué à un renouveau de l’art des années 1950 et 1960. La caractéristique première de son œuvre est le mouvement. À partir de 1954, dans son atelier de l’impasse Ronsin à Paris, il produit des reliefs et sculptures cinétiques dont le son fait partie intégrante (reliefs sonores) ; il y intègre aussi le hasard et conçoit des œuvres interactives, comme ses Machines à dessiner ou ses Méta-Matics. Tinguely faisait partie du mouvement du Nouveau Réalisme, et entretenait de nombreux contacts avec des artistes et réseaux artistiques.

C’est avec l’œuvre autodestructrice Homage to New York, qu’il présente le 17 mai 1960 dans le jardins des sculptures du Museum of Modern Art à New York, que Jean Tinguely gagne une reconnaissance internationale. Les actions et happenings de Tinguely en font l’un des pionniers de l’art performatif en Europe. Au début des années 1960, ses assemblages cinétiques sont principalement caractérisés par l’utilisation de ferrailles et de débris de civilisation. Il se détachera à partir de 1963 de cette phase de travail et, conséquemment, du Nouveau Réalisme, pour se tourner vers la réalisation de sculptures-machines, uniformément peintes en noir mat.

Chez Tinguely, le travail collectif constitue un pan important de la pratique artistique. Il en va ainsi des projets communs avec Yves Klein, Eva Aeppli, Niki de Saint Phalle, Robert Rauschenberg et Larry Rivers, ou des expositions et des projets architecturaux qui prennent le tour d’œuvres d’art globales impliquant de nombreux artistes, parfois jusqu’à 15 personnes (Dylaby, HON – en katedral, Le Crocodrome de Zig et Puce, Le Cyclop). Tinguely s’est engagé aussi dans différents projets théâtraux : il a réalisé des décors de scène, et a même été comédien dans des représentations théâtrales montées collectivement avec des amis artistes.

À partir des années 1970, la production de Tinguely se caractérise de plus en plus par le gigantisme. Ses machines à rouages deviennent toujours plus spectaculaires et atteignent leur paroxysme avec la Grosse Méta-Maxi-Maxi-Utopia de 1987, haute de plus de 8 mètres et longue de presque 17 mètres. Un élément central de son œuvre à partir de ces années-là sont ses machines musicales (Méta-Harmonies). La fascination de Tinguely pour la voiture et la course automobile trouve alors elle aussi une place dans son travail. Un élément caractéristique de son œuvre tardive sera l’utilisation d’os et de crânes d’animaux, prenant souvent la forme d’autels en référence au catholicisme.

Le travail plastique de Tinguely a constamment été accompagné d’une pratique régulière du dessin : notes créatives, lettres-dessins, esquisses préparatoires, ébauches, mais également des dessins constituant des œuvres à part entière, et se caractérisant par la spontanéité, la technique du collage, le multilinguisme et le jeu ironique avec les mots et les images.

Tandis que Tinguely perce à partir de 1959 et acquiert une reconnaissance internationale à partir des années 1960, son œuvre a longtemps joué un rôle mineur dans la recherche en histoire de l’art. Il a fallu attendre le début des années 2000, et plus précisément les années 2010, pour que son œuvre soit objet d’études, mais aussi contextualisée dans des projets d’exposition et de publications. De nombreux aspects de son travail restent peu ou pas étudiés. Les actes pionniers de l’artiste (performativité, transformation de la sculpture en événement éphémère, choix des matériaux et critique de la société de consommation, interactivité, situations immersives, etc.) qui, dans les années 1950, avaient déjà une influence décisive sur l’évolution de l’art et sa compréhension, sont assez peu connus, au vu d’une historiographie de la sculpture portant essentiellement le Minimal et Postminimal Art. Dans le même temps, des transformations discursives (notions de performativité et d’occurrence, théorie de l’acteur-réseau, notion de machine) donnent l’occasion de saisir l’œuvre de Tinguely dans une perspective actuelle, mais également dans une perspective critique (en particulier du point de vue des discours postcoloniaux et sur le genre, Animal Ethics and Aesthetics). Le Musée Tinguely voudrait ainsi offrir à la recherche la plus récente un forum de discussion, ainsi que susciter de nouvelles pistes de réflexion.

Nous voudrions expressément encourager les jeunes chercheur·ses à participer à ce colloque. En plus des recherches en histoire de l’art, les contributions en sciences des médias et issues d’autres disciplines de sciences humaines sont les bienvenues.

Les thématiques possibles à ce propos sont les suivantes (sans que soient exclues d’autres propositions) :
- Le rôle de l’art cinétique pour le développement et la délimitation entre sculpture et installation dans la deuxième moitié du XXe siècle ; aspects éphémères, performatifs, participatifs et multisensoriels de l’art de Tinguely, tout comme son contexte artistique ; immersion ; œuvre d’art globale, art total.
- Critique des institutions ; critique du monument ; anti-art ; l’art dans la rue ; l’art et le quotidien.
- Perspective postcoloniale sur le groupe de travail des Balubas, tout comme la réception de Patrice Lumumba dans les sphères artistiques et culturelles des années 1960.
- Codification des caractéristiques genrées dans l’œuvre de l’artiste ainsi que dans les œuvres communes avec Niki de Saint Phalle et Eva Aeppli (ex. Le Paradis fantastique, La Vittoria).
- Utilisation d’os dans l’œuvre tardive de Tinguely et questions éthiques autour de son utilisation d’os d’animaux et de restes humains.
- Projets artistiques collectifs chez Tinguely, et dans le cadre de son contexte artistique ; signification des réseaux d’artistes européens et transatlantiques pour l’œuvre de Tinguely, ainsi que pour le développement de l’art dans la deuxième moitié du XXe siècle.
- Projets théâtraux et scéniques de Tinguely, le rapprochement entre arts plastiques et théâtre à partir des années 1960.
- Notion de machine et évolution de cette notion chez Tinguely et dans l’art de la deuxième moitié du XXe siècle.
- Le « monde des idées » de Tinguely et sa référence à des positions philosophiques précises (ex. le groupe d’œuvres des Philosophes).
- Approches critiques de la société et de la consommation dans l’œuvre de l’artiste.
- Association entre culture populaire et culture savante ; stratégies d’accessibilité ; rôle et valeur de la dimension ludique dans l’art du XXe siècle.
- L’ironie comme stratégie artistique.
- Le gigantisme et le spectaculaire comme stratégie artistique.
- La stratégie médiatique de l’artiste et l’autoreprésentation artistique chez Tinguely ainsi que dans les sphères artistiques à partir des années 1960.
- Histoire de la réception de l’œuvre de Tinguely
- etc.

Des propositions de formats alternatifs, tels que débats avec modération, workshops de courte durée, performances ou interventions autour du thème du colloque, sont elles aussi bienvenues.

Les langues du colloque sont l’allemand et l’anglais. La conférence aura lieu en présentiel.
Merci de nous contacter en cas d’empêchements linguistique ou physique, ceci afin de trouver des solutions au cas par cas.
Chaque intervention est rémunérée à hauteur de 600 CHF. Les contributions pourraient être enregistrées et filmées en vue d’une publication sur le site du musée. Pour faire suite à ce colloque, nous prévoyons une publication écrite, et en ligne, de contributions choisies, en langue originale.

Envoi :
Merci de bien vouloir nous faire parvenir une proposition (500 mots max.) pour une présentation de 20 minutes, ainsi qu’un CV avec votre profil scientifique (250 mots max.) par mail, à l’adresse suivante :
tinguelybasel.conferenceroche.com
Les contributions peuvent être envoyées en anglais ou en allemand.
Des propositions de formats alternatifs peuvent également être envoyées par mail à l’adresse du colloque, avec une présentation détaillée du projet et des participant·es envisagé·es.

Date limite d’envoi : 1er septembre 2024
Nos réponses sur une éventuelle participation vous parviendront au plus tard le 30 septembre 2024

Politique de voyage : pour des raisons environnementales, nous préconisons les déplacements en train (2e classe). L’hébergement sur place est organisé et pris en charge par le Musée Tinguely.

Lieu :
Musée Tinguely
Paul Sacher-Anlage 1
4058 Bâle
Suisse
www.tinguely.ch
Le musée Tinguely est un engagement culturel Roche

Reference:
CFP: Jean Tinguely Revisited (Basel, 20-22 Mar 25). In: ArtHist.net, Apr 16, 2024 (accessed May 19, 2024), <https://arthist.net/archive/41668>.

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