Tagung: Bilder am Altar
Termin: 16.-17.7.2010)
Ort: Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln, An
St.Laurentius 8, 50923 Köln
Veranstalter: Dr. Stefanie Seeberg/Prof. Dr. Susanne Wittekind
Konzept
Die Arbeitstagung "Bilder am Altar" im Sommersemester 2010 ist dem
Zusammenspiel von Kunstwerken, Texten und Handlungen in der Liturgie
gewidmet. Wie die vorangegangene Tagung im September 2009 zum Thema
"Kunst im Kontext von Kirchweihe und Patronatsfesten" will sie ein
Forum für aktuelle Forschungen zu Kunst und Liturgie bieten.
Gemeinsames Ausgangsthema der Beiträge und Gespräche ist diesmal der
Altar als Handlungs- und Bildort.
In den letzten Jahren lag ein Schwerpunkt kunsthistorischer Forschung
auf spätmittelalterlichen Altarretabeln, ihrer Genese und
Wandelbarkeit in Gestalt verschiedener Öffnungsansichten. Die Kölner
Tagung will demgegenüber das reiche Zusammenspiel verschiedenster
Bildmedien am Altar fokussieren ? neben Retabeln und Antependien,
Kelchen und Patenen gehören dazu Paramente, liturgische Handschriften,
Altarkreuz und Leuchter, Reliquiare, Statuetten und Bildtafeln. Solche
Ensembles teils mobiler, teils ortsfester Bildträger wurden je nach
Festtag in unterschiedlichen Kombinationen am Altar zusammengestellt.
So ergaben sich immer wieder neue Bezüge zwischen Kunstwerken, ihren
Bildern und Inschriften, und den Lesungstexten oder Gesängen der
Liturgie. Indem in der Eucharistie die Wandlung des Zeichens in die
Realpräsenz Christi vollzogen wird, wird der Altar zum Ort der
Reflexion über die Realität des Sichtbaren und die mediale Vermittlung
des Göttlichen. Die Kunstwerke am Altar zeigen also nicht nur Art und
Rang eines Festtags an, Reichtum und Rang einer Kirche, sondern, so
die These, sie verwandeln den Altarraum in einen assoziativ
vernetzten, geistlichen Bildraum.
Mittelalterliche Ausstattungsensembles von Altären sind heute kaum
noch vor Ort erhalten, der historische Kontext, Raum- und
Handlungszusammenhang der Kunstwerke ist zumeist verloren. Die Tagung
möchte jedoch zur Rekonstruktion von Altarensembles anregen. Dabei
richtet sie die Aufmerksamkeit auf Schriftquellen wie den Liber
pontificalis, Libri ordinarii oder frühneuzeitliche Kustoreibücher die
vielfach Hinweise zur Rekonstruktion mittelalterlicher
Altarausstattungen bieten. Darüber hinaus geben auch Mirakelberichte
und Urkunden Auskunft zur Nutzung des Altars außerhalb der Liturgie.
Ein weiterer gemeinsamer Ausgangspunkt soll die Frage nach den
Adressaten der Bildwerke, ihrer Funktion und Sichtbarkeit sein. Wer
hatte während des Gottesdienstes Zugang und Blick zum Altar? Wie
wurden Altar und Altarraum außerhalb der Messfeier genutzt, z.B. für
Stundengebet und Andacht, bei geistlichen Weiheriten oder
Rechtshandlungen, als Ort von Mirakeln (Heilungswundern),
Totenaufbahrung und Grablege? Wer sind die Adressaten der Bilder und
Inschriften am Altar? Einerseits sind es wohl vor allem Kleriker und
die geistlichen Gemeinschaften, aber auch Pilger und Wohltäter
(benefactores), die anhand der Bilder geistlich unterrichtet und zur
Reflexion von Liturgie und Glaube angehalten werden. Doch daneben
kommen insbesondere bei micrographischen Inschriften und Bildern auf
liturgischem Gerät und Paramenten, in der Buchmalerei und auf
Altartafeln auch die himmlischen Betrachter, Gott, Engel und Heilige,
als Adressaten in Betracht.
Die Tagung lädt zur Diskussion dieser und anderer Fragen um die Rolle
der Bilder am Altar ein. Sie ist als Arbeitsgespräch konzipiert, das
durch 14 Vorträge von je 30 Minuten Dauer strukturiert wird.
Freitag 16.7.2010
14.00 ? 14.15 Begrüßung
14.15 ? 15.00 Patrizia Carmassi (Wolfenbüttel): Welche Bilder sieht
ein Diakon bei der Messfeier? Ein Lektionar für die Halberstädter
Domkirche Sancti Stephani
15.00 ? 15.45 Mirjam Brandt (Bonn): ?Ecce Agnus Dei?. Die Ikonographie
mittelalterlicher Kelche und Patenen in der Liturgie
Diskussionsleitung: Klaus-Gereon Beuckers
- Pause -
16.15 ? 17.00 Stefanie Seeberg (Köln): Erweiterte
Wandlungsmöglichkeiten ? Retabel und Altardecken im
Prämonstratenserinnenstift Altenberg/Lahn um 1330
17.00 ? 17.45 Susan Marti (Dortmund/Bern): Antependien in
Doppelklöstern: Die textile Altarausstattung von Königsfelden und
Engelberg im Vergleich
Diskussionsleitung: Susanne Wittekind
- Pause ?
18.15 ? 19.00 Stephan Kemperdick (Berlin): Tafeln des 13.
Jahrhunderts: Retabel oder Antependium
19.00 ? 19.45 Manuela Beer (Köln): Marienbilder in ottonischer und
salischer Zeit ? Überlegungen zu ihrer Platzierung im Kirchenraum
Diskussionsleitung: Clemens Kosch
Samstag, 17.7.2010
9.00 ? 9.45 Manfred Luchterhandt (Erlangen): Sehen, Betrachten,
Imaginieren: Die toskanischen 'croci storiate' in der Praxis des
Stundengebets
9.45 ? 10.30 Sabine Weitzel (Greifswald) Die Retabel der Nebenaltäre.
Überlegungen zur Bilddisposition und Wandlungspraxis am Beispiel der
Altarausstattung der Stralsunder St. Nikolaikirche
Diskussionsleitung: Susanne Wittekind
- Pause -
10.45 ? 11.30 Esther Wipfler (München): Mechanismen der Didaktik am
Beispiel des Motivs der "Eucharistischen Mühle"
11.30 ? 12.15 Niklas Gliesmann (Köln): Kleinformatige Brabanter
Retabel: Überlegungen zu
Form und Funktion
- Pause -
12.30 ? 13.15 Evelin Wetter (Riggisberg/Leipzig): ?Da solch
kirchenngepreng war, bald fingenn die Widersacher an zu predigenn
wider das Abendmahl des Hern?. Bildgebrauch und konfessionelle
Selbstverortung im nachreformatorischen Siebenbürgen
Diskussionsleitung: Stefanie Seeberg
- Mittagspause -
14.30 ? 15.15 Klara Petzel (Köln): Altar ? Reliquie ? Bild. Aspekte
einer theologischen Bildlegitimation im Hochaltarretabel der Xantener
Stiftskirche St. Viktor (1529-1544)
15.15 ? 16.00 Heike Schlie(Berlin): Das erste Flügelretabel der
Reformation: Lucas Cranach der Ältere und die Wandlungen eines
sakramentalen Bildsystems
Diskussionsleitung: Susanne Wittekind
16.30 ? 17.30 Ulrike Surmann (Köln): Vorstellung einer
Altar-Neuerwerbung in Kolumba
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Reference:
CONF: Bilder am Altar (Koeln 16-17 Jul 10). In: ArtHist.net, Jun 7, 2010 (accessed Oct 21, 2026), <https://arthist.net/archive/32796>.