CFP 20.05.2010

Spiegelungen, Reflexionen & Rezeptionen Pücklers (Marburg, 20-24 Sep 10)

Zita Ágota Pataki

Call for Papers für ein eintägiges Panel auf dem 30. DOT in Marburg
20.–24.09.2010

Spiegelungen, Reflexionen und Rezeptionen der Gestalt Fürst Pücklers und
seiner Orientreisen

Konzeption und Organisation: stud. phil. Wenke Krestin; Dr. Zita Ágota
Pataki; Christine Smers, M.A.

Deadline: 18. Juni 2010

Fürst Hermann Ludwig Heinrich von Pückler Muskau (1785–1871) gilt sowohl
als hervorragender Landschaftsarchitekt als auch schillernde literarische
Persönlichkeit der Berliner Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Seine
Reiseberichte faszinierten durch ihren eigenen, vom Sturm und Drang
beeinflussten romantischen Stil eine breite Leserschaft in und außerhalb
Deutschlands.

Verschiedene Gebiete der Geisteswissenschaften haben sich mit der Person
Pücklers befasst, wobei biographische und soziologische Analysen im
Vordergrund standen. In dem geplanten Panel sollen nun Gestalt und Werk
Pücklers konzentriert und dezidiert in die Orientalismusdebatte
einbezogen, der Blick auf ethnographische, postkoloniale sowie
wissenssoziologische Aspekte fokussiert werden. Ausgehend von Pückler als
zentrale Gestalt sollen seine Orientreisen und deren Ausdrucksformen aus
verschiedenen Blickwinkeln geprüft, kontextualisiert und reflektiert
werden.

Während seiner vierjährigen Orientreise (1835–1839) bereiste Pückler
Algerien, Tunesien, Ägypten, den Sudan und die Levante – also Regionen,
die in dieser Zeit von Veränderung und Umwälzung geprägt waren: Die
europäischen Großmächte konkurrierten um die Kolonisation Nordafrikas und
des Nahen Ostens; das Osmanische Reich verlor zunehmend die Gewalt über
seine Reichsteile und die Autonomiefrage dieser Gebiete war noch nicht
entschieden. Algerien stand zurzeit von Pücklers Ankunft bereits fünf
Jahre unter französischer Okkupation, währenddessen die Husainiden in
Tunesien faktisch unabhängig von Istanbul regierten. Ägypten hingegen
erlebte unter Muhammad Ali Pascha, der seit 1805 das Land eigenständig
regierte und seinen Einflussbereich sukzessive bis in den Sudan und den
Nahen Osten ausdehnte, einen wirtschaftlich-technologischen
Modernisierungsprozess, der vielen europäischen Mächten ein Dorn im Auge
war.

Pückler reiste ohne Staatsauftrag, nicht als Wissenschaftler, sondern
ausschließlich von der persönlichen Neugier angetrieben; dies machte seine
Reisen zu weit mehr als zu Bildungsreisen. Durch seine individuelle Art zu
Reisen und seinen engen Kontakt zu lokalen Persönlichkeiten gelang Pückler
ein ethnographischer Einblick in verschiedene Aspekte der von ihm
bereisten Länder. Pückler erreichte mit seinen Zeitungsberichten und
Büchern über den Orient viele Leser in Deutschland und beeinflusste, da er
sich zunehmend von dem schwärmerisch-verklärtem Orientbild der Romantik
distanzierte und dieses durch eine bewusste subjektive Perspektive
erweiterte, auch politische Meinungen. Seine Schriften spiegeln neben
romantisierenden Eindrücken auch seine persönliche Entwicklung und eine
reflektierte Weltsicht: Zu den zunächst bewundernden Beschreibungen
orientalischer Städte und Paläste, die ihn stark beeindruckten, gesellen
sich mehr und mehr Berichte über Schattenseiten der Gesellschaft wie
Sklaverei, Korruption, Krankheiten und Armut.

Im Fokus des Panels soll die Relevanz der Person Pücklers bei der bzw. die
für die Orientrezeption im 19. Jahrhundert stehen. Haben Pücklers
Orientreisen das europäische Bild des Orients ergänzt oder Sichtweisen
perpetuiert? Wie weit spiegeln seine Werke den Wissensstand seiner Zeit
oder trugen sie in irgendeiner Weise zu einer Wissenserweiterung bei? In
welchem Maß ist Pücklers Bild vom Orient als historische Quelle
wahrnehmbar oder gibt eine camouflierte Sicht auf den Orient wieder?
Inwieweit besitzt Pücklers Blick Allgemeingültigkeit oder schuf ebendiese?

Im Hinblick auf das 130. Todesjahr Hermann Pücklers, in dem ein Symposium
geplant ist, wird das Panel vorbereitend ein Forum bieten, Forschungen aus
unterschiedlichen Fachgebieten zusammenzuführen. Gezielt soll ein
interdisziplinärer Dialog über die kulturhistorischen Hintergründe, das
Werk Pücklers und die Auswirkungen seiner Orientreise stattfinden. Dabei
sind all diejenigen aufgerufen, die sich dem Thema aus einer
literaturwissenschaftlichen, kunsthistorischen, historischen,
soziologischen, politischen, wissenschafts- oder sammlungsgeschichtlichen
Perspektive nähern. Eingeladen sind insbesondere Forscher aus den Gebieten
der Germanistik, Religionswissenschaft, Arabistik, Kunstgeschichte,
Geschichte, Politologie, Ägyptologie, Ihre Forschungen zu präsentieren.

Folgende Fragestellungen und Schwerpunkte sollen im Panel angesprochen
werden:

- Die Perzeption Pücklers Orientreisen in Deutschland und im Orient
- Pücklers Beziehungen während und nach den Orientreisen von
überregionaler Bedeutung für die Orientrezeption in Europa
- Pücklers Reflexionen der Orientreisen in seinen Schriften und Briefen
- Pücklers Bedeutung für die Orientalistik bzw. die Orientreiseliteratur
aus dem 18. / 19. Jh. als wissenschaftshistorische Grundlage
- Die Reiseliteratur als historische Quelle
- Pücklers Religions- / Islamverständnis und -rezeption
- Die Schloss- und Parkanlagen von Bad Muskau und Branitz im Spiegel der
Orientreisen

Bewerbungen mit einem aussagekräftigen Abstract und einem kurzen CV sind
bis 18. Juni per mail erbeten an: patakiuni-leipzig.de. Bitte beachten
Sie, dass die Anmeldefrist für die Teilnahme am DOT am 01. Juli abläuft!
Wir sind bemüht, Ihnen eine Zusage zum Panel möglichst zeitnah zu geben,
würden Ihnen aber bei Interesse am DOT-Programm zur vorherigen
Registrierung raten.

Wir möchten den offiziellen Rahmen des DOT für eine Zusammenkunft mit
Workshopcharakter und in Vorbereitung auf das Symposium 2011 nutzen. Die
Organisation und die Koordinierung gestalten wir unter Einsatz unserer
Privatressourcen mit dem Ziel, die Möglichkeit zum Austausch mit anderen
Kollegen herzustellen. Trotz aller Bemühungen können wir leider keine
Kosten für die Teilnahme am Panel erstatten.

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte gerne an die Organisatoren der Tagung

Wenke Krestin wenke.krestineurient.info
Zita Á. Pataki patakiuni-leipzig.de
Christine Smers smersgmx.de

Quellennachweis:
CFP: Spiegelungen, Reflexionen & Rezeptionen Pücklers (Marburg, 20-24 Sep 10). In: ArtHist.net, 20.05.2010. Letzter Zugriff 20.03.2026. <https://arthist.net/archive/32674>.

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